mund: montag, 17. september 2007
MUND: medienunabhängiger Nachrichtendienst
analle at no-racism.net
Mo Sep 17 09:50:12 CEST 2007
widerst at nd MUND: medienunabhängiger Nachrichtendienst
www.no-racism.net/mund
MedieninhaberInnen seid Ihr!
Montag, 17. September 2007
================================================
A) INHALT
================================================
<<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><
AKTIONEN UND ANKÜNDIGUNGEN
<<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><
================================================
01 - Israel /Palästina in den Augen, den Ohren und im ORF
denkarium at ritesinstitute.org
================================================
02 - Iran-Symp. & Kundg. Wien: aktuelles Prog., Infotische, Artikel
cafe.critique at gmx.net
=================================================
03 - [kpoe22news] Lobauautobahn / Widerstand / Aktuelle Termine
hoellisch at kpoe.at
================================================
<<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><
MELDUNGEN UND KOMMENTARE
<<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><
================================================
04 - Islam: Molterer ruft Wertedebatte aus - DER STANDARD v. 15.9.07
ibd.koehler at utanet.at
================================================
05 - "Nur ein kleiner Teil wendet Terror an", Thomas Schmidinger im
Kurier-Interview
wadi.wien at gmx.at
================================================
================================================
B) TEXTE
================================================
<<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><
AKTIONEN UND ANKÜNDIGUNGEN
<<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><
================================================
01 - Israel /Palästina in den Augen, den Ohren und im ORF
denkarium at ritesinstitute.org
================================================
Sehr geehrte Damen und Herren,
nach einem halben Jahr Vorarbeit ist unser Israel/Palästina
Schwerpunkt 2008 nun soweit gewachsen, dass wir die wichtigsten
Ereignisse exklusiv und explizit vorankündigen können. Der erste
Beitrag ist schon jetzt am Sonntag!
1. Heimat Fremde Heimat Beitrag ÖsterreicherInnen in Israel;
Sonntag, 16. Sept. 2007., 13.30 Uhr ORF 2
Kamera: Tal Adler & Friedemann Derschmidt; Konzept: Friedemann
Derschmidt und Karin Schneider
2. ISRAEL IN DEN AUGEN...lokaler FilmemacherInnen; Tage des
israelischen Dokumentarfilms
23-25. Nov 2007, TOP - Kino
KuratorInnen: Friedemann Derschmidt und Karin Schneider
Co-KuratorInnen: Tal Adler und barbur Studio / Jerusalem
in Zusammenarbeit mit der jüdischen Filmwoche
gefördert von Wien Kultur
3. Israelische und Palästinensische Gegenwartskunst
15.Mai 2008 -26. Oktober 2008, Essl Museum;
KuratorInnen: Friedemann Derschmidt und Karin Schneider
Co-KuratorInnen: Tal Adler und Amal Murkus
4. Israel in den Ohren
Eine Woche Musik, Performances und mehr
Ende Mai, Anfang Juni 2008, Porgy & Bess
================================================
02 - Iran-Symp. & Kundg. Wien: aktuelles Prog., Infotische, Artikel
cafe.critique at gmx.net
=================================================
Kundgebung
Keine Geschäfte mit den iranischen Mullahs!
Gegen das Atomprogramm des Iran und seine österreichischen und
europäischen Förderer!
Es geht um Israel - und um den Restbestand politischer Vernunft!
Sonntag, 30. September 2007 18 Uhr Stephansplatz in Wien
Veranstaltet von Café Critique und der Israelitischen Kultusgemeinde
Rückfragen: cafe.critique at gmx.net oder 0043 676 720 55 45
Es sprechen:
Raimund Fastenbauer (B'nai B'rith)
Simone Dinah Hartmann (Café Critique)
Matthias Küntzel (Scholars for Peace in the Middle East)
Kazem Moussavi (Green Party of Iran)
Ariel Muzicant (Israelitische Kultusgemeinde)
Elisabeth Pittermann
Grußbotschaften von
Beate Klarsfeld (Söhne und Töchter der jüdischen Deportierten
Frankreichs)
Benny Morris (Historiker, Ben Gurion Universität Beer Sheva)
Wolfgang Neugebauer (Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich)
Robert Schindel (Schriftsteller, Wien)
Arie Talmi (Kibbutz Dan, Nordisrael)
Leon de Winter (Schriftsteller, Amsterdam)
unterstützt von:
Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich
[a:ka] Göttingen
Anthropoid Innsbruck
Anti-Defamation Forum
Antifa ON
Arbeitskreis Antisemitismus München
Bnei Akiva
Bund sozialdemokratischer Juden - Avoda
Bündnis gegen Appeasement Berlin
David - Jüdische Kulturzeitschrift
Friends of Israel Linz
Hagalil.com
HaShomer HaZair
Hedonistische Mitte - Brigade Mondän
Illustrierte Neue Welt
Infoladen 10
Jad Bejad
Jüdische Östereichische HochschülerInnen
MidEast Freedom Forum Berlin
Misrachi
Moadon
Österreichischer Gedenkdienst
Prozionistische Linke Frankfurt
Redaktion Bahamas
Scholars for Peace in the Middle East - Austria
Studienvertretung Politikwissenschaft / Universität Wien
Wadi e. V. Frankfurt
Weblog Lizas Welt
www.juedische.at
Zionistische Föderation in Österreich
Zwi Perez Chajes Loge der B'nai B'rith
Sharon Adler (AVIVA-Berlin)
Cordula Behrens
Daniela Ebner
Gudrun Flügge
Heimo Gruber (Österreichisch- Israelische Gesellschaft)
Philipp Heimberger (Diskussionsforum Liberal in Österreich)
Siegward Kunath (ehm. Ephorus an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal)
Wolfgang Neugebauer
Gerhard Oberschlick
Ralph Raschen
Jörg Rensmann
Klaus Thörner
Philippe Witzmann
Die Aufruftexte finden sich auf folgenden Websites (auch in
englischer, französischer, persischer, russischer und hebräischer
Übersetzung):
http://www.cafecritique.priv.at
http://www.stopthebomb.net
Auf stopthebomb.net finden sich unter "Materialien" auch Vorlagen für
Banner, Flugblätter und Plakate.
Zur Finanzierung der Kundgebung und des Symposiums sind wir auf
Spenden angewiesen:
Dr. Renate Göllner, Erste Bank, Nr. 28660228600, BLZ 20111
BIC: GIBAATWW, IBAN: AT512011128660228600
_______________________
Infotische im Vorfeld der Kundgebung:
Freitag, 21. 9., 16 Uhr Stephansplatz
Montag, 24. 9., 8 Uhr OMV, Lasallestraße
Mittwoch, 26. 9. 16 Uhr, Schottentor/Universität, Jonas-Reindl
Wir freuen uns über rege Beteiligung.
_______________________
Die islamische Republik Iran - Analyse einer Diktatur
Symposium
29./30. September 2007
Campus der Universität Wien, Altes AKH
Samstag: Hörsaal D, Hof 10,13
Sonntag: Hörsaal C1, Hof 2
(Alserstraße/Spitalgasse, Straßenbahn 5, 33, 43, 44)
Veranstaltet von Café Critique und Scholars for Peace in the Middle
East/Austria
(Bitte planen Sie Zeit für Einlasskontrollen ein und nehmen einen
Ausweis mit.)
Samstag, 29. 9. 2007
19.00
Eröffnung und Einleitung (Stephan Grigat)
19.30
Gerhard Scheit: Der neue Vernichtungswahn und seine internationalen
Voraussetzungen - Wodurch sich Ahmadinejads Islamische Republik von
Hitlerdeutschland unterscheidet
Matthias Küntzel: “Der Iran wäre der ideale Partner für uns" (OMV) -
Der angekündigte Völkermord und die europäische Reaktion
Sonntag, 30. 9. 2007
10.00
Fathiyeh Naghibzadeh: Die gesellschaftliche Stellung der iranischen
Frau vor und nach der islamischen Revolution
Alex Gruber: Die Situation von Schwulen und Lesben im Iran
12.30
Wahied Wahdat-Hagh: Der Iran zwischen Antisemitismus und Atomaufrüstung
Andreas Benl: Kitsch und Tuch - Der europäische Kulturrelativismus:
Eine Form der Kollaboration mit dem Islamismus
14.30
Wie kann der islamische Faschismus bekämpft werden?
Podiumsdiskussion mit Kazem Moussavi, Simone Dinah Hartmann, Matthias
Küntzel und Gerhard Scheit
Moderation: Stephan Grigat
Gefördert von: Studienvertretung Politikwissenschaft der Universität
Wien, Studienvertretung Doktorat Gewi/HuS an der Universität Wien,
Grün Alternative Jugend Wien, MA 7 - Wissenschafts- und
Forschungsförderung
Weitere Informationen zu den Vorträgen und den Vortragenden:
http://www.cafecritique.priv.at
http://www.stopthebomb.net
_________________
Die iranische Bedrohung
Der Iran muss mit allen Mitteln an der Entwicklung von Nuklearwaffen
gehindert werden. Alles andere stellt die Existenz Israels zur
Disposition.
GASTKOMMENTAR VON STEPHAN GRIGAT (Die Presse)
In Israel hatte sich seit dem schlechten Ergebnis des Libanonkrieges
im Sommer letzten Jahres eine gewisse politische Agonie eingestellt,
oft gepaart mit einer nur allzu begründeten Zukunftsangst, selten nur
durchbrochen von dem sonst ebenso üblichen wie lebensnotwendigen
Trotz. Bezüglich der Auseinandersetzung mit der Hisbollah im Norden
wird in Israel nicht diskutiert, ob demnächst wieder ein Krieg
ausbrechen wird, sondern lediglich wann. Es mehren sich die Hinweise,
dass sich die Hisbollah an der Nordgrenze Israels, völlig unbehelligt
von den im Südlibanon stationierten UN-Truppen, auf den nächsten
Waffengang vorbereitet. Der Militärexperte Avraham Tal spricht es
deutlich aus: “Ein Krieg, der unentschieden endet, ohne dass ein
Abkommen unter den kriegführenden Parteien getroffen wurde, muss
früher oder später wieder aufflammen. Im Konflikt zwischen Israel und
dem Iran, der über den Stellvertreter Hisbollah geführt wurde, ist es
keiner Seite gelungen, ihr str
ategisches Ziel zu erreichen."
Umstrittene Unterstützung der Fatah
Im Zentrum der Diskussionen steht in Israel im Augenblick die äußerst
umstrittene Unterstützung der Fatah durch die israelische Regierung.
Die Auseinandersetzungen über ein angemessenes Vorgehen gegen die
Hamas und eine zielführende Positionierung gegenüber der Fatah sind
nur im Zusammenhang mit der Diskussion über das iranische
Atomwaffenprogramm zu begreifen. Zur Existenzbedingung Israels
gehört, dass es auf die Unterstützung internationaler Großmächte
angewiesen ist. Und diese Großmächte zeigen Israel immer wieder
einmal, dass sie gewillt sind, ihre Interessen auch gegen das
israelische Sicherheitsbedürfnis durchzusetzen.
Für die Israelis stellt sich die Frage, ob sich Washington angesichts
der Probleme im Irak und nach einem möglichen demokratischen Wahlsieg
mit dem Atomprogramm des Iran nicht doch in irgendeiner Weise
arrangieren könnte. Die jetzigen Zugeständnisse an die Fatah seitens
der Regierung Olmert sind als Versuch zu begreifen, die USA, die den
palästinensischen Präsidenten Abbas immer wieder als passablen
Verhandlungspartner bezeichnet haben, bei der Stange zu halten und
hinsichtlich eines eventuell notwendigen gemeinsamen militärischen
Vorgehens gegen die iranische Atomrüstung nicht zu verärgern.
Israel benötigt sowohl die US-amerikanische Unterstützung als auch
einigermaßen Ruhe an den eigenen Grenzen, um der iranischen
Herausforderung gewachsen zu sein. Der Erste, der das in Israel
erkannte, war Jitzhak Rabin. Bereits Anfang der 90er-Jahre drängte
der damalige Premierminister auf eine Aussöhnung mit den
Palästinensern, da er mit einem beachtlichen politischen Weitblick
die iranische Bedrohung als die zukünftig existenzielle für Israel
ausmachte. Das Problem ist nur: Der von Rabin initiierte
Friedensprozess ist in jeder Hinsicht gescheitert, und es ist nicht
erkennbar, wie er mit eben jener Fatah, die für dieses Scheitern
maßgeblich verantwortlich war, nun gelingen sollte.
Frieden mit Syrien als Chance?
Dementsprechend richtet sich der Blick auf die Möglichkeiten eines
Ausgleichs mit den sonstigen Nachbarn. Seit dem Ende des
Libanonkriegs ist man sich in Israel weitgehend einig, dass Syrien
aus der Achse mit dem Iran herausgelöst werden muss. Wie das zu
bewerkstelligen wäre, ist hingegen heftig umstritten. Der kürzlich
verstorbene Zeev Schiff meinte noch in einem seiner letzten Artikel
in der linksliberalen Tageszeitung “Haaretz": “Das beste Mittel, um
eine Barriere zwischen Israel und dem Iran zu errichten, ist ein
Frieden mit Syrien." Andere sehen diese Möglichkeit nicht und fordern
daher, Syrien mit militärischen Mitteln deutlich zu machen, dass
seine Politik der Terrorunterstützung und Destabilisierung nicht
unbeantwortet bleibt. Der ehemalige stellvertretende
Verteidigungsminister Efraim Sneh, der auch bei linken
Friedensfreunden einiges Ansehen genießt, erklärte, dass alle
bisherigen Signale seitens Israels in Richtung Damaskus nicht die
gewünschten R
eaktionen gebracht hätten. Wer auch immer hier Recht behält: Man
sollte sich stets in Erinnerung rufen, dass all das, was für Israel
erstrebenswert wäre - ein dauerhafter Frieden mit den Nachbarn, die
Beseitigung der Grenzstreitigkeiten, ein Ende der syrischen
Terrorunterstützung - für die Baath-Faschisten in Damaskus ein
Horrorszenario darstellt, das ihre Herrschaft gefährden könnte.
Die Befürworter eines militärischen Vorgehens gegen den National-
Islamismus, wie Barry Rubin vom Interdisciplinary Center in Herzliya
die syrische Ideologie des jungen Assad in Abgrenzung zum
sozialistisch verbrämten Panarabismus seines Vaters nennt, können
darauf verweisen, dass Israel nach dem Debakel im Libanon einen
militärischen Erfolg benötigt, um seine Abschreckung gegenüber jenen
Feinden zu erneuern, denen gegenüber überhaupt noch mit Abschreckung
als Mittel der Politik operiert werden kann. Perspektivisch muss
Israel sich vor allem mit jenen Kräften auseinandersetzen, bei denen
militärisches Drohpotenzial auf Grund von apokalyptischem Märtyrertum
kaum noch funktioniert. Und diese Kräfte genießen bei den
Palästinensern durchaus Sympathien: Nach einer Umfrage des Pew Global
Attitudes Project begrüßt die Mehrheit der palästinensischen
Bevölkerung eine nukleare Bewaffnung des Iran.
Verhinderung einer zweiten Shoah
Solch eine Bewaffnung bräuchte vom Iran gar nicht eingesetzt zu
werden, um jedwede Überlegung über die Zukunft des zionistischen
Projekts obsolet werden zu lassen: Atomwaffen in der Hand der
iranischen Mullahs würden es jedem arabischen Regime in der Zukunft
verunmöglichen, einen Friedensschluss mit Israel anzustreben. Israel
könnte selbst gegen massiven Raketenbeschuss durch die iranischen
Verbündeten im Süden oder Norden des Landes, also die Hamas und die
Hisbollah, angesichts der Drohung mit der Teheraner Bombe nicht mehr
adäquat reagieren, woraufhin sich fast die gesamte Bevölkerung in das
Landesinnere flüchten müsste. Und ohne einen einzigen Schuss
abzugeben, könnte Ahmadinejad oder einer seiner Nachfolger eine
Entvölkerung Israels herbeizwingen. Schon heute überlegen 27 Prozent
der Israelis, das Land zu verlassen, sobald der Iran über
Nuklearwaffen verfügt.
Es wird in absehbarer Zeit keine Lösung der Konflikte im Nahen Osten
geben. Das Beste, was von israelischer Seite zur Zeit erreicht werden
kann, ist eine Verwaltung der Misere, welche zumindest die
Vorbereitung auf größere Auseinandersetzungen ermöglicht. Und die
wird es in absehbarer Zeit mit dem Regime in Teheran geben.
Der Iran muss entweder durch das Gegenteil von dem, was derzeit
praktiziert wird, zum Einlenken bei seinem Atomprogramm gebracht
werden, also durch konsequente politische Isolation und ökonomischen
Boykott oder aber, so das nicht wirksam ist, durch gezielte und
wiederholte Militärschläge zumindest an der Entwicklung von
Nuklearwaffen in der nahen Zukunft gehindert werden. Alles andere
stellt die Existenz Israels zur Disposition. Und das heißt: Es geht
in dieser Sache um nichts anderes als die Verhinderung einer zweiten
Shoah - was in Israel fast niemand bestreitet, in Europa aber gar
nicht oft genug betont werden kann.
Dr. Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an
der Universität Wien und war Forschungsstipendiat in Tel Aviv. Für
29. und 30. September organisiert er am Campus der Universität ein
Symposium zur Analyse der iranischen Diktatur. Infos:
www.cafecritique.priv.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2007)
http://www.diepresse.at/home/meinung/gastkommentar/328729/index.do
_________________
Wohin steuern Österreich und die OMV?
von Matthias Küntzel
Wien, 9. Mai 2007
Am 21. April 2007 unterzeichneten die Vertreter der Österreichische
Mineralölverwaltung OMV und des iranischen Regimes drei
Absichtserklärungen über das größte Erdgas-Geschäft, dass je ein
europäisches Unternehmen mit dem Iran abschlossen hat: Der
Energiekonzern will sich erstens mit einem Anteil von 20 Prozent an
der Erschließung eines Erdgasfeldes beteiligen. Er will zweitens mit
10 Prozent in eine iranische Großanlage für die Produktion von
Flüssiggas einsteigen und dieses Produkt en masse (2,2 Mio. to/a)
nach Europa verschiffen. Er will drittens dem Mullah-Regime die
Teilnahme an dem Pipeline-Projekt Nabucco ermöglichen und hierüber
riesige Erdgasmengen (5 Mrd. m3/a) nach Österreich pumpen. Das
Geschäftsvolumen liegt bei 30 Mrd. Dollar oder 22 Mrd. Euro.
Es ist verständlich, dass die Regierung Ahmadinejad diese
Absichtserklärungen feiert, publizistisch ausschlachtet und die
Österreicher über alle Maßen lobt. Es ist gespenstisch, dass alle im
Wiener Parlament vertretenen Parteien das Irangeschäft geradezu
reflexhaft unterstützen und gegen Kritik von außen in Schutz nehmen.
Und es ist zynisch, wenn die österreichische Außenministerin
behauptet, es handele sich “lediglich um einen Geschäftsvorgang",
der, da es sich um Erdgas handelt, mit dem iranischen Atomprogamm
nichts zu tun habe.
Die Wiener politische Konsens ist das eigentliche Problem: Eine Große
Koalition in Österreich ist offenkundig entschlossen, das iranische
Regime für die demonstrative Missachtung der
Sicherheitsratsbeschlüsse zu belohnen.
Viele Energiekonzerne würden die iranischen Erdgasfelder lieber heute
als morgen ausbeuten. Dennoch haben Sie ihr Profitinteresse der
internationalen politischen Räson untergeordnet. Diese Räson besagt,
dass das Mullahregime nicht hofiert werden darf, sondern isoliert
werden muss, solange es sein illegales, bombenrelevantes Atomprogramm
nicht stoppt. Im Dezember 2006 verhängte der UN-Sicherheitsrat
Sanktionen gegen den Iran. Dies war nur der erste Schritt. Falls das
Regime nicht einlenke, heißt es in Resolution 1737, sollten “weitere
geeignete Maßnahmen nach Artikel 41, Chapter VII der UN-Charta
angewendet werden". Artikel 41 sieht die “vollständige oder teilweise
Unterbrechung der Wirtschaftsbeziehungen" vor.
Schon heute wird der wirtschaftliche Druck auch außerhalb des UN-
Sicherheitsrats wirkungsvoll verschärft: Mehr als 40 große
internationale Banken und Finanzinstitute haben ihre
Geschäftsbeziehungen zum Iran entweder abgebrochen oder
zurückgefahren.[1] Firmen wie die BP oder die Allianz sind aus dem
Irangeschäft ausgestiegen. Energieriesen wie Shell, Total, Repsol
oder E.ON halten sich mit Neuverträgen zurück. Seit Ahmadinejads
Amtsantritt im Sommer 2005 hat keine einzige ausländische Firma einen
Eröl- oder Erdgasvertrag mit dem Iran abgeschlossen [2].
Jetzt scheren die OMV und der Staat Österreich, der 30 Prozent der
OMV-Anteile hält, aus diesem internationalen Konsens aus. Anstatt den
Gegenwind, dem sich das Regime ausgesetzt sieht, zu verstärken,
springt Wien in die Bresche. Anstatt ihre Zustimmung zu den OMV-
Projekten von einer Änderung der iranischen Atompolitik abhängig zu
machen, will sich Österreichs Große Koalition als erste westliche
Regierung mit der iranischen Bombe abfinden.
Was nach Auskunft von Frau Plassnik ein “Geschäftsvorgang" sein soll,
ist außenpolitisches Signal. Andere europäische Energiekonzerne
stehen bereits in den Startlöchern. Sie werden dabei von Politikern
und Politikberatern unterstützt, die für ein strategisches, gegen die
USA gerichtetes Bündnis zwischen Europa und dem Islamismus eintreten.
So machte einer der wichtigsten Berater des deutschen Außenministers,
Volker Perthes, schon im Januar 2006 den Vorschlag, über die Nabucco-
Pipeline ein strategisches Bündnis zwischen den Mullahs und der EU zu
schmieden.
Dieser Standpunkt wird von Vertretern der EU-Kommission geteilt. So
hat Energiekommissar Andris Piebalgs die iranischen OMV-Projekte
ausdrücklich unterstützt. Eine undurchsichtige Rolle spielt in diesem
Zusammenhang die European Investment Bank. Im Februar 2006, als die
Tiraden des iranischen Präsidenten ihren Höhepunkt erreichten, fällte
die Europäische Investitionsbank heimlich den Beschluss, sich mit 1
Mrd. US-Dollar sich am Bau dieser Pipeline beteiligen. Das Europa-
Parlament wurde in dieser Frage nicht konsultiert. Ein öffentliche
Diskussion über Nabucco fand nirgendwo statt. Nun ist die Europäische
Investitionsbank jedoch ein Organ der EU. Ihre Kapitaleigner sind die
Mitgliedsstaaten der EU. Sie ist als Finanzierungsinstrument der EU
deren politischen Zielen laut EG-Vertrag verpflichtet. Gehört die
ökonomische Polsterung eines Regimes, das junge Mädchen und Männer
aufgrund ihrer sexuellen Beziehungen öffentlich hinzurichten pflegt,
zu den politischen Ziele
n der EG?
Dieser Hintergrund macht deutlich, dass Absichtserklärungen der OMV
einen Dominoeffekt auslösen können. Bis heute ist beispielsweise ein
Erdgas-Deal, den die deutsche E.ON mit dem Iran vereinbarte,
blockiert, weil die Bundesregierung keine Zustimmung erteilte. Wird
es nach dem Vorpreschen Österreichs noch dabei bleiben? Und würde
dann die iranische Bombe noch zu stoppen sein?
Österreich, Deutschland und die EU tun so, als sei es zweitrangig, ob
Iran Atomwaffen hat oder nicht. Österreichs gegenwärtige Iranpolitik
basiert auf der Illusion, die Situation in Europe würde auch mit
einem nuklear bewaffneten Iran noch dieselbe sein. Fataler aber kann
ein Fehlschluss nicht sein: Wenn Europa akzeptiert, dass die Mullah-
Diktatur Atomwaffen erhält, wird nicht nur für Israel, sondern auch
für Europa ein Alptraum Wirklichkeit.
So würde sich, wenn der Iran Atomwaffen entwickelt, der gesamte Nahe
und Mittlere Osten nuklearisieren - sei es, weil das iranische
Regime die Atomtechnik - wie bereits versprochen - an islamistischen
Freunde freigiebig weitergibt, sei es weil arabische Regimes mit
eigenen Atomwaffen nachziehen. Die spezifische Gefahr der iranischen
Bombe aber erwächst aus dem einzigartigen ideologischen Gebräu, in
dessen Kontext sie entsteht: jene Mischung aus Todessehnsucht und
Waffenuran, aus Holocaust-Leugnung und High-Tec, aus
Welteroberungsphantasie und Raketenforschung, aus schiitischem
Messianismus und Plutonium. Es gibt auch andere Diktaturen in dieser
Welt. Doch im Iran geht das Phantasma des Antisemitismus und der
religiösen Auserwähltheit mit einem technologischen Größenwahn und
einer Physik der Massenvernichtung einher. Wir haben es erstmals
wieder mit einer Gefahr zu tun, wie sie vor 70 Jahren schon einmal am
Horizont erschien: Der Gefahr einer Art von “Adolf Hi
tler" mit Atomwaffen.
Glaubt hier tatsächlich jemand, dadurch würde Europa kaum berührt?
“Wir müssen die Rhetorik des iranischen Präsidenten ... ernst
nehmen", hat die deutsche Bundeskanzlerin unlängst gefordert. Zu
recht! Ahmadinejad malt sich genüsslich das Ende aller liberalen
Demokratien aus: “Die Einsichtigen nehmen bereits wahr, wie die
liberale Demokratie in sich zusammenfällt", schrieb er in seinem
Brief an US-Präsident Bush, und gibt damit wieder, was die gesamte
theokratische Elite denkt. Er sieht sich und sein Land inmitten eines
“historischen Krieges, der seit Hunderten von Jahren andauert" und
erklärt: “Wir müssen uns die Niedrigkeit unseres Feindes bewusst
machen, damit sich unserer heiliger Hass wie eine Welle immer weiter
ausbreitet." Um diesen Krieg zu gewinnen, wird die nuklear
bestückbare Mittelstreckenrakete Shahab 5 gebaut, die fast jeden
Punkt Europas erreichen kann. Um diesen Krieg zu gewinnen, werden
Tausende und Abertausende Selbstmordattentät
er rekrutiert und Zellen der Hisbollah an den verschiedensten Orten
Europas installiert - Zellen, deren Mitglieder dem iranischen
Geheimdienst unterstellt sind.Die Situation Europas wird mit einem
nuklear ausgerüsteten Iran nicht mehr dieselbe wie heute sein. Ob
sich der Iran dann tatsächlich zu einer Atomwaffenmacht erklärt, ist
zweitrangig. So wie der Mordaufruf gegen den britischen
Schriftsteller Salman Rushdie ausreichte, um Tausende in Schrecken zu
versetzen, so wird schon die nukleare Option ausreichen, um jedweden
Frieden im Nahen Osten zu torpedieren und Europa im Schach zu halten.
Emsig steuert Teheran auf die Bombe zu: Die Zeit rennt uns davon.
Hier und heute wird die sicherheitspolitische Weiche für das 21.
Jahrhundert gestellt. Noch kann die iranische Bombe verhindert
werden. Europa hat den Schlüssel dazu in der Hand. Iran ist auf
Europa angewiesen. Das Land bezieht 40 Prozent all seiner Einfuhren
aus der EU, die 25 Prozent seiner Ausfuhren erhält. Teheran ist
besonders bei der Erschließung seiner Erdgasfelder auf Konzerne wie
die OMV angewiesen. Ein Investitionsstopp in diesem Sektor wirkt sich
auf die gesamte iranische Wirtschaft negativ aus.[3] Er konfrontiert
das Regime mit den Folgen seiner Nuklearpolitik.
Demgegenüber ist Europa auf das Mullah-Regime noch nicht angewiesen.
Im Jahre 2005 kam nicht einmal 1 Prozent aller europäischen Einfuhren
aus dem Iran. Der Anteil des Iran an allen europäischen Exporten lag
bei 1,2 Prozent. Auf diese Exporte können europäische Firmen
verzichten. Das gilt besonders für die OMV, die ihren Umsatz im
letzten Jahr um 22 Prozent steigerte und ihren Reingewinn um 11
Prozent auf 1,6 Milliarden Euro erhöhte.[4] Die Absichtserklärung der
OMV, ihr Kotau vor dem iranischen Regime, ist keiner Notwendigkeit,
sondern einer freien Entscheidung entsprungen.
Als stiller Teilhaber des Terrors hat die OMV ein Imageproblem. So
triumphal das Mullah-Regime auf die Unterzeichnung der Abkommen
reagierte, so einsilbig blieb deren Geschäftspartner in Wien. Die
Firma scheint zu ahnen, dass der Irandeal mit dem Leitwort des
firmeneigenen Corporate Mission Statement (CMS): “Wir unterstützen
und achten den Schutz der international verkündeten Menschenrechte"
nicht in Deckung gebracht werden kann. Flugs ließ sie ihre Homepage
um das Zusatzkapitel “Wie passt CMS mit dem Iran Engagement
zusammen?" ergänzen. Hier werden all die ausgedroschenen Phrasen
gemäß der neuesten Geschäftslage korrigiert: “ Corporate Social
Responsibility hat unserem Verständnis nach mit der Politik in
einzelnen Ländern oder auf der großen Weltbühne nichts zu tun." Ob
diese Klarstellung verhindern kann, dass immer mehr Menschen das “MV"
im Firmennamen mit “Massenvernichtung" assoziieren?
Nach wie vor haben die OMV, Österreich und Europa eine Wahl. Wird die
OMV ihre Absichtserklärung realisieren oder werden Österreich und
Europa Kante zeigen? Wird Wien hinnehmen, dass die Mullah-Diktatur
ihren heiligen Krieg vor den Toren Europas mit Atomwaffen eskaliert?
Oder ist auch Österreich gewillt, den ökonomischen Preis für den Iran
derart hoch zu schrauben, dass dieses Regime - vor dem Hintergrund
einer zunehmend unzufriedenen Bevölkerung - seinen Kurs nicht
beibehalten kann?
Wenn in den Nachfolgestaaten des Dritten Reichs der Respekt vor den
Überlebenden des Holocaust noch etwas zählt, sollte in Deutschland
wie in Österreich alle Firmen und Finanzinstitute an den Pranger
gestellt werden, die ihre Geschäfte mit dem Regime machen, dass als
einziges Land der Welt die Holocaust-Leugnung zu einem Bestandteil
seiner Außenpolitik macht und ein Mitgliedsland der Vereinten
Nationen auslöschen will.
Wenn die Zivilgesellschaften in Österreich und Deutschland ihrem
Anspruch, die Lehren der Geschichte begriffen zu haben, gerecht
werden wollen, sollten sie ihre Regierungen unter Druck setzen, bis
sie tun, was getan werden muss, um die iranischen Bombe zu verhindern.
Wenn Europas den Iran nicht unverzüglich und massiv unter Druck setzt
und vor die Alternative stellt, entweder seinen Kurs zu ändern oder
aber verheerende ökonomische Schäden zu erleiden, bleibt nur die Wahl
zwischen einer schlechten Lösung - die militärische Option - oder
einer schrecklichen, der iranischen Bombe. Wer das iranische
Atomprogramm mit nicht-militärischen Mitteln aufhalten will, muss
dafür sorgen, das aus den Projekten des 21. April nichts wird.
[1] Robin Wright, Iran Feels Pinch As Major Banks Curtail Business,
in: Washington Post, March 26, 2007.
[2] Jad Mouawad, An excess of problems for Iranian energy, in:
International Herald Tribune, February 12, 2007.
[3] Wie resistent ist Irans Wirtschaft gegen Sanktionen?, in: Neue
Züricher Zeitung, 1. März 2007.
[4] OMV schaut sich in Osteuropa um, in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung, 7. 3. 2007 sowie: OMV Reports 2006 Results auf
www.oilvoice.com .
Dr. Matthias Küntzel ist Vorstandsmitglied von Scholars for Peace in
the Middle East, seit 2004 Associate Researcher des Vidal Sassoon
International Centre for the Study of Antisemitism an der Hebrew
University in Jerusalem und Autor von "Djihad und Judenhass. Über den
neuen antijüdischen Krieg". 2007 erscheint von ihm "Heimliches
Einverständnis? Islamischer Antisemitismus und deutsche Politik" im
LIT-Verlag.
_________________
sonstige Termine:
13. 11. 2007
Wien, 20:00
Fetisch und Freiheit - Über die Rezeption der Marxschen
Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik
des Antisemitismus.
Buchpräsentation mit Stephan Grigat
Universität Wien, Hauptgebäude, Hörsaal 7
____________________________
unsubscribe: cafe.critique at gmx.net
____________________________
Café Critique
Verein für Gesellschafts- und Kulturkritik
Wickenburggasse 16/5
A-1080 Wien
Tel.: 0043 699 107 87 421
Fax: 0043 1 406 81 54 19
Email: cafe.critique at gmx.net
Web: http://www.cafecritique.priv.at
Blog: http://blog.cafecritique.priv.at
Konto: Dr. Renate Göllner, Erste Bank, Nr. 28660228600, BLZ 20111
BIC: GIBAATWW, IBAN: AT512011128660228600
================================================
03 - [kpoe22news] Lobauautobahn / Widerstand / Aktuelle Termine
hoellisch at kpoe.at
================================================
Der Widerstand gegen die (Lobau-)Autobahn geht weiter!
An die 150 Unterschriften für die überparteiliche Bürgerinitiative
“Rettet die Lobau -Natur statt Beton" hat die KPÖ-Donaustadt gegen
die Lobauautobahn mit Unterstützung anderer Bezirksgruppen am
Volkstimmefest gesammelt. Beim letzten Treffen der Bürgerinitiative
wurden die gesammelten Unterschriften von Johann Höllisch,
Bezirkssprecher der KPÖ-Donaustadt, an die InitiatorInnen übergeben.
Eine Stellungnahme der KPÖ-Donaustadt und Links mit Infos zu vielen
detaillierten Fragen, die uns beim Unterschriftensammeln immer wieder
gestellt wurden, enthält dieser Beitrag.
Aktuelle Termine:
Diskussion der überparteilichen Initiative “Transdanubien gegen
SchwarzBlau mit Leo Gabiel : Das Weltsozialforum kommt in in Bewegung
- Die Vorbereitung für den GLOBALEN AKTIONSTAG am 26.1.2008
Wann: Dienstag, 18. September 2007 , 19:00 - 22:00
Art des Termins: Diskussion
Wo: überparteiliche Initiative Transdanubien gegen SchwarzBlau
Chinarestaurant SUN
Donaufelderstraße 228
Wien, W 1220
Stammtisch der KPÖ Donaustadt, Diskussion über spektakuläres VfGh-
Urteil für MieterInnen
Wann: Donnerstag, 20. September 2007 @ 19:00 - 22:00
Art des Termins: Diskussion
Wo: Gasthaus Siegl, 22, Hirschstettnerstraße 83
Beschreibung: Neben ihren Veranstaltungen in ihrem Lokal in Stadlau,
1220 Wien, Wurmbrandgasse 17, gibt es etwa alle 2 Monate im Gasthaus
Siegl in Hirschstetten einen Kommunalstammtisch. In lockerer
Atmosphäre diskutieren wir bei diesen Treffen aktuelle politische
Fragen unseres Bezirks. Diesmal diskutieren wir mit Josef Iraschko,
Bezirksrat in der Leopoldstadt und Mietrechtsexperte des
Mieterselbsthilfezentrums der KPÖ-Wien, über aktuelle
wohnungspolitische Fragen.
Kaktusklub
Wann: Montag, 1. Oktober 2007 @ 15:00 - 19:00
Wo: KPÖ-Donaustadt
Wurmbrandgasse 17
, W 1220
Beschreibung:
Im monatlichen Kaktusklub (jeden ersten Montag im Monat) treffen sich
bei Kaffee, vor allem unsere älteren KPÖ-Mitglieder und
KaktusfreundInnen. Für Kaffee, Kuchen und andere Erfrischungen zu
günstigen Preisen wird gesorgt.
Aktuelle Fragen der Bildungs- und Schulpolitik
Wann: Mittwoch, 3. Oktober 2007 @ 19:00 - 22:00
Art des Termins: Diskussion
Wo: KPÖ-Donaustadt
Wurmbrandgasse 17, , W 1220
Beschreibung: Gesamtschule, Klassenschülerhöchstzahlen, Mangel an AHS-
Plätzen und andere aktuelle schulpolitische Fragen diskutieren wir an
diesem Abend mit Dagmar Schulz (Bildungspolitische SprecherIn der KPÖ
Wien)
KPÖ-Donaustadt
Wir treffen uns:
jeden ersten Mittwoch
im Monat, ab 19Uhr
1222, Wurmbrandgasse 17
(Lokal im Erdgeschoss)
mailto:hoellisch at kpoe.at
www.kaktus.kpoe.at
<<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><
MELDUNGEN UND KOMMENTARE
<<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><
================================================
04 - Islam: Molterer ruft Wertedebatte aus - DER STANDARD v. 15.9.07
ibd.koehler at utanet.at
================================================
Wenn ich daran denke, dass die ÖVP ihre Strategie für eine
"Wertedebatte" vielleicht unter dem Bild von Dollfuß festlegt, kommt
mir das nackte Grauen.
Es wäre völlig ausreichend, würde die ÖVP dafür sorgen, dass den
Menschenrechtskonventionen in Österreich die gebührende Geltung
verschafft wird. Aber die Regierung Schüssel II hat ja bekanntlich
die Aufforderungen des UN-Kommittees (http://www.unhchr.ch/tbs/
doc.nsf) nicht einmal ignoriert.
So aber steht uns wieder einmal ein teures Ablenkungsmanöver ins
Haus, das der viel beschworenen "Integration" diametral gegenüber liegt.
Shakespeare: Viel Lärm um nichts.
Dietmar Köhler
1230 Wien
================================================
05 - "Nur ein kleiner Teil wendet Terror an", Thomas Schmidinger im
Kurier-Interview
wadi.wien at gmx.at
================================================
Quelle: Kurier, 17. September 2007
"Nur ein kleiner Teil wendet Terror an"
Die Islamische Glaubensgemeinschaft vertritt nur ein Prozent der
Moslems, kritisiert der Islam-Experte Thomas Schmidinger.
Man könne dennoch nie ausschließen, dass es auch in Österreich
gewaltbereite Islamisten gibt, erklärt der Politologe.
Hintergrund
Gusenbauer: "Der Feind ist der Terror" Der Kanzler spricht sich gegen
eine pauschale Verdächtigung aller Muslime aus. Am Dienstag ist ein
Treffen mit Religionsvertretern geplant. Zudem konstatierte er eine
"ziemliche Drängelei am rechten Rand" des Politik-Spektrums.
Thema Muslime: Molterer für Runden Tisch Der Vizekanzler will ein
Gespräch mit allen Beteiligten führen. Staatssekretärin Marek
erarbeitet mit Platter ein Integrationsprogramm.
Reaktion
Gebetshaus-Demo: BZÖ klagt Kanzler und ORF "Wir haben an keinerlei
neonazistischer Demonstration teilgenommen", sagt das BZÖ. Laut der
ÖVP war kein ÖVP-Abgeordneter bei der Demo.
Webtipp
Homepage von Thomas Schmidinger Zusätzliche Informationen zu diesem
Thema
Kanzler stellt Pensionserhöhung in Aussicht
Blue Card: Klares Nein Gusenbauers "Wir brauchen das nicht,
Österreich entscheidet selbst über ausländische Arbeitskräfte": So
die deutlichen Worte des Kanzlers.
KURIER: Wie groß ist das Potenzial gewalttätiger Muslime in Österreich?
Thomas Schmidinger: Der allergrößte Teil der 400.000 Moslems in
Österreich ist nicht religiös, geschweige denn islamistisch. Ein
kleiner Teil ist islamistisch, und jener Teil, der bereit wäre,
Gewalt anzuwenden, geht gegen null. Es fehlen aber seriöse
Untersuchungen.
Es dürfte aber mehr als einen geben.
Wenn es drei Verrückte gibt, noch dazu, wenn die sich das Label Al
Kaida umhängen, verbreiten sie freilich viel Schrecken. Und haben
damit ihr ur-eigenstes Terror-Ziel schon erreicht: Schrecken zu
verbreiten.
Wird da nicht etwas beschönigt?
Nur ein kleiner Teil der Islamisten wendet auch Terror als Methode
an. Ideologische Übereinstimmungen im Verhältnis zur Demokratie, im
Sexismus, Antisemitismus, Autoritarismus oder Homophobie gehen jedoch
weit über den Bereich des organisierten Extremismus hinaus. Das ist
aber nicht anders als bei der österreichischen Mehrheitsgesellschaft,
es müssen ja nicht nur FPÖ-Wähler rassistisch und antisemitisch sein,
das gibt es auch in anderen Lagern. Bei den Moslems in Österreich ist
oft so, dass die Radikalisierung erst bei jenen in der zweiten
Generation stattfindet, obwohl deren Eltern keine politische Agenda
hatten.
Weil die Integration nicht funktioniert hat?
Auch, aber nicht nur. Viele von denen fühlen sich in der
demokratischen Mehrheitsgesellschaft nicht ernst genommen. Diese
Ausgrenzung spielt eine Rolle, sie ist aber sicher nicht allein
ausschlaggebend.
Wie ist die Situation im Vergleich zu anderen europäischen Staaten?
Der Großteil unserer Muslime hat einen bosnischen oder türkischen
Hintergrund, beides Staaten, die sehr säkularisiert sind. In England
etwa sind kommt der größere Teil aus Ländern wie Pakistan oder
Indien, wo der Islamismus stärker ausgeprägt ist.
Österreichs Muslime haben europäischen, nordafrikanischen, persischen
oder arabischen Hintergrund. Ist das überhaupt eine homogene Gruppe?
Nein, es gibt ja viele verschiedene Strömungen innerhalb des Islam,
die unterschiedliche Glaubensinhalte haben. Zudem sind auch die
meisten Gebetsräume eher national besetzt - türkische Gebetshäuser,
arabische, pakistanische und so weiter.
Sie sagen also, die Integration hat nicht funktioniert.
Wie in fast allen europäischen Ländern nur teilweise. Ein Fehler ist,
dass man die Muslime als homogene Gruppe gesehen hat, um die sich die
islamische Glaubensgemeinschaft kümmert. Diese vertritt aber nur ein
Prozent der Muslime in Österreich.
Wie das?
Rechtlich und formal ist die Glaubensgemeinschaft rund um Anas
Schakfeh die Vertretung für die Muslime, den Präsidenten wählen darf
aber nur, wer einen Kultusbeitrag bezahlt. Das tun weniger als ein
Prozent. Die Glaubensgemeinschaft weist gelegentlich den
Kultusbeitrag kommentarlos zurück, wenn er von Leuten kommt, die sie
nicht als Mitglieder haben wollen. Sie sprechen damit nicht für alle
400.000 Menschen. Durch diese Dominanz werden Menschen mit
islamischen Hintergrund nur durch die religiöse Brille gesehen, nicht
aber als Türken, als Feministinnen, als Liberale, Arbeiter, Lesben
und Schwule gesehen, sondern immer nur als Moslems, egal wie religiös
sie sind.
Wie sollte der Staat nun reagieren?
Der Staat sollte meiner Meinung nach die Glaubensgemeinschaft
zwingen, repräsentativer zu werden. Er sollte auch mehr Kontrolle bei
der Auswahl der muslimischen Religionslehrer an der Akademie ausüben.
Es ist aber eine Frage des gesellschaftlichen Diskurses, mir wäre
wichtig, dass wahrgenommen wird, dass unter den 400.000 Moslems sehr
viele sind, die einen ganz anderen Zugang zu Religion haben - oder
gar keinen, und nicht nur zwischen Muslimen und nicht-Muslimen
unterschieden wird. Mir fehlen außerdem in der Gesellschaft die
sekularen Kritikerinnen mit islamischen Hintergrund, die in
Deutschland sehr wohl gehört werden, hier aber keine Stimme haben.
Die wären wichtig, um die Diversität zu zeigen.
Gibt es sekulare Musliminnen, die ein Kopftuch tragen?
Das Kopftuch ist sicher ein Zeichen, gläubig zu sein. Was aber nicht
automatisch bedeutet, islamistisch zu sein.
Wie könnte die Integration verbessert werden?
Integration ist ja viel mehr Sozialpolitik und Bildungspolitik und
nicht nur Kultur- und Religionspolitik. Wenn man sich bemüht, dass
diese Jugendlichen ein ähnliches Bildungsniveau erreichen wie Nicht-
Muslime, würde das sicher ebenso helfen wie gleiche Job-Möglichkeiten
und ein gleiches Lohnniveau.
Wie schafft man das?
Das ist ein sozialpolitisches Problem. Viele der ehemaligen
"Gastarbeiter" haben nach wie vor einen proletarischen oder
subproletarischen Background. Ich denke, die Gesamtschule wäre da
sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Auch der konfessionelle
Religionsunterricht führt zu einer Ghettoisierung, da erleben die
Kinder erstmals, dass sie anders sind.
Welches Problem haben Sie mit der islamischen Religionspädagogik-
Ausbildung?
Amir Zeidan, der Leiter des Islamischen Religionspädagogischen
Instituts, ist ein sehr, sehr konservativer, arabischer Muslim. Der
hatte ursprünglich in Deutschland Asyl bekommen und als Grund
angegeben, dass er in Syrien Moslem-Bruder war. Diese werden auf
Grund ihrer radikalen Tendenzen in Syrien verfolgt. Es gibt
jedenfalls eine Nähe zur Moslembrüderschaft. Das ist sicher kein Hort
des Fortschritts. Ich kenne viele Moslems, die ihre Kinder deshalb
nicht mehr in den Religionsunterricht schicken, weil sie
fundamentalistisch indoktriniert werden oder weil sie als Schiiten
Propaganda des sunnitischen Lehrers gegen die Schiiten hören. Da gibt
es extreme Missstände. Es gibt auch kaum Absolventen der islamischen
Religionpädagogischen Akademie, weil die Ausbildung sehr schlecht
ist. Man kann nämlich auch ohne Abschluss die Lehrberechtigung
bekommen. Von jenen Religionslehrern, die die Muslime unterrichten,
hat kaum jemand die Ausbildung abgeschlossen, weil es sehr große
inhaltliche und qualitative Probleme gibt.
Sie haben wiederholt gesagt, dass sich Islamisten und Rassisten
unbemerkt gegenseitig zuspielen.
Weil beide das jeweils andere zur Mobilisierung der eigenen Reihen
benutzen. Für FPÖ und BZÖ, aber wie es scheint auch eine Wiener
Bezirksorganisation der ÖVP, die unlängst an der Demo gegen einen
Zubau einer Moschee teilgenommen haben. Für alle, die Rassismus
schüren wollen, ist es ein gefundenes Fressen, wenn solche
Extremisten unter den Moslems auftauchen. Und Islamisten erfreuen
sich ob der Hetze gegen Moslems ihrerseits einem Zulauf, und können
sich so als Opfer darstellen. Das dient auch der Kritik-Abwehr, ein
Totschlagargument, weil man sofort als islamophob dargestellt wird,
auch wenn es nur Kritik an einer ganz bestimmten politischen Haltung
ist.
Was sagen Sie zu der Moschee-Debatte?
Die einzig relevante Wortmeldung in der Diskussion war von einem
Verfassungsrechtler, der sagte: Den Bau einer Moschee kann man in
Österreich sicher nicht verbieten. Außerdem gibt es, etwa in Wien,
viel hässlichere Bauten als eine Moschee mit Minaretten. In Kärnten
ist die Diskussion doppelt absurd, weil es dort überhaupt nur extrem
wenige Muslime gibt, die keinerlei Plan haben eine Moschee zu bauen.
Der antiislamische Rassismus scheint aber Wähler zu mobilisieren.
Soll es ein Kopftuchverbot an Schulen geben?
Nein. Man soll aber jene Mädchen stärken, die trotz großen Drucks aus
der eigenen konservativen Familie kein Kopftuch tragen wollen. Aber
grundsätzlich soll sich jeder Kleiden wie er will.
Gibt es für Sie etwas Positives, was man aus der aktuellen Krise
gewinnen kann?
Wenn es dazu führt, dass das Thema rationaler diskutiert wird, mehr
und verschiedene muslimische Stimmen gehört werden und dadurch klar
wird, dass das Feld wesentlich breiter ist, dann schon. Im Augenblick
sehe ich aber eher die Tendenz, dass Parteien wie FPÖ und BZÖ einen
Pauschalangriff auf alle Muslime starten und genau so etwa die Grünen
und SPÖ alle Muslime pauschal entschuldigen. Beides ist falsch.
Artikel vom 16.09.2007, | KURIER | Bernhard Gaul
http://www.kurier.at/nachrichten/oesterreich/109445.php
--------------------------
2 TV-Tips von WADI Österreich:
- am Montag Abend, auf ORF 2, 21:10, in der Sendung "Thema", kommen
drei MitarbeiterInnen von WADI Österreich zu Wort: Saya Ahmad, Soma
Ahmad und Thomas Schmidinger.
http://tv.orf.at/program/orf2/20070917/412657601/240049/
- heute Abend, 22:05, ORF 2, Im Zentrum "Vernetzt mit Al Kaida", zu
Wort kommen u.a.: Corinna Milborn und Günther Ahmed Rusznak: http://
tv.orf.at/program/orf2/20070916/416060801/240071
------------------------------
WADI Österreich
Verband für Krisenhilfe und solidarische Entwicklungszusammenarbeit
e-mail: wadi.wien at gmx.at
website: www.wadinet.at
Tel.: 0699-11365509
Postfach 105
A-1181 Wien
SPENDENKONTO - jeder Euro hilft!
Knt. Nr.: 6.955.355
BLZ: 32.000 Raiffeisen Landesbank NÖ
IBAN AT4432 0000 0006 955355
BIC (SWIFT) RLNWATWW
FOCUS IRAK - WADI Österreich on Air:
Zum Hören: http://www.wadinet.at/Media/audio.php
================================================
C) EDITORIAL
================================================
Für den Inhalt verantwortlich: Ihr.
E-Mail-Adresse für Beiträge: widerstand at no-racism.net geschickt.
widerst at nd MUND und alle Termine täglich aktualisiert im Web:
http://www.no-racism.net/MUND
Ziel von MUND (medienunabhängiger Nachrichtendienst) ist die
unzensurierte und möglichst rasche Information über gesellschafts-
politisch relevante Termine, Hinweise und Diskussionsbeiträge zu
Widerstand und Antirassismus sowie verwandte Themen.
sollen einen Titel, Namen und Emailadresse der/des AutorIn
enthalten und möglichst kurz und prägnant gehalten sein, ev. mit
Hinweis, wo weitere Informationen eingeholt werden können.
Bitte keine Attachments!
Die inhaltliche und sachliche Verantwortung liegt bei der/dem
jeweiligen AutorIn bzw. jenen, die uns die Beiträge schicken.
Der MUND wird von einzelnen TagesredakteurInnen zusammengestellt.
Da Fehler nicht ausgeschlossen sind, bitten wir, nicht veröffentlichte
Beiträge nochmals an widerstand at no-racism.net zu senden.
Die Weiterleitung (auch auszugsweise) ist erwünscht.
Beiträge mit rassistischen oder sexistischen Inhalten werden nicht
veröffentlicht. Sehr persönliche Meldungen werden wir an den
betreffenden Adressaten weiterleiten, aber nicht im MUND
veröffentlichen.
Die bisherigen Ausgaben sind unter http://www.no-racism.net/MUND
archiviert.
Terminankündigungen bitte nach folgender Vorlage:
* Wann: Sonntag, 11.11.2001, 11:11 Uhr *
* Was: Maskenball: Motto "Schwarzblau ist die Haselnuss" *
* Wo: Villa Morgenrot, Grüner Anger 42, 2001 Wendendorf *
* Kommentar: Anreise per Anhalter. Maskenzwang. Ende nie.
Aber kurz und prägnant.*
Die Rubrik "Redaktionelles" am Ende der Ausgabe ist u.a. eine
Konsequenz aus der Notwendigkeit, sexistische, antisemitische und
rassistische Beiträge nicht zu veröffentlichen, ohne jedoch
stillschweigend Zensur zu üben.
Hier wird - in anonymisierter Form - auf angehaltene Beiträge
hingewiesen und eine kurze Begründung der Tagesredaktion für die
Nichtaufnahme geliefert.
(Weitere Gründe einen Beitrag nicht aufzunehmen sind
z.B.: Attachments, kein erkennbarer Bezug zu den breit gestreuten
Themen des MUND, Werbesendungen, sinnlose Kettenbriefe.)
Die AbsenderInnen der betroffenen Beiträge werden hiervon informiert.
Im Sinne einer "gläsernen Zensur" könnt ihr Euch die Beiträge gerne
extra schicken lassen:
Ein kurzes Mail an widerstand at no-racism.net genügt.
================================================
D) VERTEILERLISTE
================================================
Zur Eintragung in diesen Verteiler bitte direkt subskribieren unter
http://mailman.no-racism.net/mailman/listinfo/analle
oder von der einzutragenden Adresse
aus ein mail schicken an:
admin at no-racism.net
mit folgendem Text:
subscribe no-racism
Bitte wegen Automatisierung diesen Wortlaut verwenden!
Zur Austragung aus dieser Liste bitte an <admin at no-racism.net
ein mail mit dem Text
unsubscribe no-racism
Bitte wegen Automatisierung diesen Wortlaut verwenden!
REDAKTIONELLES:
Diese Ausgabe hat nicole fally aus Einsendungen an
<widerstand at no-racism.net> zusammengestellt.
Bitte keine Attachments! (werden nicht angenommen)
Für diese Ausgabe nicht aufgenommen: nix
Redaktionsschluss für diese Ausgabe: 20:32 Uhr
III*III*III*III*III*III*III*III III*III*III*III*III*III*III*III*III*III
widerst at nd-MUND is powered by http://alt.strg.at/