widerst@nd mund: Mittwoch, 1. Februar 2006
MUND: medienunabhängiger Nachrichtendienst
analle at no-racism.net
Mit Feb 1 12:31:19 CET 2006
widerst at nd MUND: medienunabhängiger Nachrichtendienst
Medieninhaberinnen & Medieninhaber seid Ihr
www.no-racism.net/mund
Mittwoch, 1.Februar 2006
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A) INHALT
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01 Polizei: Hoechstgericht verurteilt Polizei im Fall Imre B.
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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03 Rueckkehr zur Monarchie?
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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ANKÜNDIGUNGEN UND TERMINE
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04 [kinoki-mikrokino] So 5.2. Depot: 11 Jahre Attentat in Oberwart.
Film und Gespraech mit Stefan Horvath und Peter Wagner
Von: p <p at kinoki.at>
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05 Irak-Veranstaltung in Linz
Von: wadi wien <wadi.wien at gmx.at>
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05 Irak-Veranstaltung in Linz
Von: wadi wien <wadi.wien at gmx.at>
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06 Buecher: Gesteuerte Demokratie, Kritisches EU-Buch
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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MELDUNGEN UND MEINUNGEN
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07 WWWebtips: Suchmaschinen, Ortstafeln
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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08 Die wahre Bedeutung von Hongkong;
WWWebtip Attac-SiG
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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INTERNATIONALE SOLIDARITÄT
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09 Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, Berlin/Dessau 2006
Von: The VOICE Refugee Forum <thevoiceforum at emdash.org>
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10 Afghanistan: US-Pläne gefährden Wiederaufbau
Von: GFBV Hans Bogenreiter <hans.bogenreiter at gfbv.at>
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11 EU/"Bolkestein": Phase "D"; Webaktionen, Demos
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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12 Brasilien: Politische Impressionen
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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13 Mexiko: Die exzellente Alternative - von Conti zur Selbstverwaltung
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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14 Im Jahr der Fussballweltmeisterschaft
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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15 [gipfelsoli] Evian
Von: gipfelsoli-l at lists.nadir.org
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16 23. ILGA-Weltkonferenz in Genf 27. M ä rz - 3. April 2006
Von: Kurt Krickler <Kurt.Krickler at hosiwien.at>
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B) TEXTE
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01 Polizei: Hoechstgericht verurteilt Polizei im Fall Imre B.
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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> Hoechstgericht verurteilt Polizei im Fall Imre B.
Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erschienenem Ausgabe
berichtete, entsprach der Polizeieinsatz im Fall Imre B. im Jahr 2000 nicht
den gesetzlichen Vorschriften. Fast sechs Jahre nach dem Vorfall hat der
Verwaltungsgerichtshof (VwGH) nun in einem Erkenntnis entschieden, dass der
im Mai 2000 durch einen Beamten der Wiener Polizei irrtuemlich auf Imre B.
abgegebene Schuss Folge eines rechtswidrigen Verhaltens war.
Drei Mal hatte der Unabhaengige Verwaltungssenat (UVS) die Amtshandlung fuer
rechtens erklaert, zweimal hatte der Verfassungsgerichtshof (VfGH) diese
Bescheide wieder aufgehoben. Beim dritten Mal verwies der VfGH den Akt an
den VwGH, der nun ebenfalls zum Erkenntnis kam, das Verhalten sei
rechtswidrig gewesen. Ob die Republik Oesterreich nun die Unterhaltskosten
fuer die Nachkommen Imre B.s uebernehmen wird, ist noch fraglich.
Vom Strafrichter wurde der Beamte, der den toedlichen Schuss abgegeben hat,
freigesprochen: Er habe die Autotuer jenes Wagens geoeffnet, mit dem der ihm
verdaechtige Imre B. vor einem Haus, in dem die Polizei eine
Hausdurchsuchung plante, ausparkte. Dabei sei der Polizist zurueckgekippt
und habe mit einem "Greifreflex" irrtuemlich den Abzug seiner Waffe
betaetigt. Die Dienstvorschrift sah damals wie heute vor, den Finger nicht
am Abzug, sondern gestreckt entlang der Pistole zu halten.
(profil/apa/bearb.)
*
Zur Vorgeschichte siehe auch: akin 17/00, 18/02, 5/03 u.a.
Waehrend der Polizist freigesprochen worden war, wurde zumindest ein
Teilnehmer einer Protestdemonstration nach dem Vorfall bei fadenscheiniger
Beweislage wegen "Widerstands" zu einer unbedingten Haftstrafe verurteilt --
siehe akin 20/02
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02 pro kaernten_patenschaft fuer zweisprachige ortstafeln
Von: Initiative Minderheiten Newsletter <news at initiative.minderheiten.at>
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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde!
Es ist wieder Zeit, dass sich Pro Kärnten/Za Koroško zu Wort meldet:
„Weil wir die Zukunft in der Zukunft suchen
übernehmen wir die Patenschaft für die
zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten/Koroška
Ker išèemo prihodnost v prihodnosti, prevzemamo
pokroviteljstvo za dvojeziène krajevne napise na Koroškem/Kärnten
Evropa združuje v 48 državah - 25 èlanicah in 23 (še) neèlanicah Evropske unije - veè kot 200 kultur in jezikov.
Želimo, da avstrijski in evropski državljani izkažejo drug drugemu spoštovanje s postavitvijo dvo - in veèjeziènih krajevnih napisov in si ne izmišljujejo neutemeljenih groženj in fiktivnih teritorialnih apetitov, da bi oživljali stare strahove in jih zlorabljali kot politièni drobiž.to je naša izrecna želja,
Zato je naša izrecna željada prevzamemo pokroviteljstvo za dvojeziène krajevne napise na Koroškem, da kot avstrijski in evropski državljani izrazimo, da je spoštovanje ustave nekaj samoumevnega in da je treba ustavnopravne obveznosti, ki so stara že veè desetletij, nemudoma udejanjiti;
Ziel ist es, durch eine positive und in die Zukunft gerichtete Stellungnahme einerseits die notwendigen Veränderungen Europas Richtung kultureller Vielfalt und flächendeckender Zwei- und Mehrsprachigkeit zu unterstreichen und zur Diskussion zu stellen und andererseits auf die Notwendigkeit der Einhaltung der verfassungsrechtlichen Grundlagen des Zusammenlebens hinzuweisen und damit die so genannte Ortstafel- und Minderheitenfrage vom Kopf auf die Füße zu stellen.
Dadurch ist die so genannte Ortstafelfrage im Grunde genommen eine Frage der demokratischen Ordnung des österreichischen und europäischen Gefüges und wird von einer Minderheitenfrage zur Frage, die schon längst auch die Mehrheit betrifft, will sie nicht eine Unterwanderung des demokratischen Gefüges zulassen.
Unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift auf www.prokaernten.at jene Kräfte, die einer demokratischen und friedensstiften Entwicklung in Europa, Österreich und Kärnten/Koroška förderlich sind und erteilen Sie jeglichen Versuchen einzelne Gesellschaftsgruppen gegeneinander auszuspielen
sowie der versuchten Aushöhlung des Rechtsstaates eine Absage.
Wenn die Inhalte der Plattform auch Ihnen ein Anliegen sind, tragen Sie bitte zur Verbreitung bei, informieren Sie so viele wie möglich, jede Stimme für ein friedliches Zusammenleben und einen respektvollen Umgang ist wichtig.
Mit freundlichen Grüßen
Lojze Wieser in Angelika Hödl
Proponenten Pro Kärnten / Za Korosko, am 23.01.06
Baloch Harald
Neubauer Gudrun
Neubauer Herbert
Petritsch Wolfgang
Brix Emil
Pilgram Gerhard
Busek Erhard
Raab Peter
Echerer Mercedes
Rinner Bernhard
Einem Caspar
Sauer Manfred
Föger Benedikt
Schönegger Hans
Gadermaier Klaus
Šikoronja Renata
Gruša Jiri
Sima Valentin
Hafner Fabjan
Spöck Raimund
Hassler Silke
Spritzendorfer Alexander
Henning Rupert
Steininger Jutta
Hitz Martin
Stoisits Terezija
Hödl Angelika
Stuhlpfarrer Karl
Holub Rolf
Sussitz Helmut
Inzko Valentin
Swoboda Hannes
Jobst Vinzenz
Traxl Martin
Juritsch Erhard
Trunk Melitta
Kircher-Kohl Monika
Türk Annemarie
Koch Max
Turrini Peter
Lipuš Florjan
Van der Bellen Alexander
Lipuš Maria
Vitouch Elisabeth
Malle Janko
Voggenhuber Johannes
Marte Boris
Walcher Maria
Marte Johann
Wieser Lojze
Mettnitzer Arnold
Wieser Vinko
Merdinger Rosl
Zielinski Adam
Muttonen Christine
--
Dr. Cornelia Kogoj
Initiative Minderheiten
Gumpendorfer Straße 15/13
A-1060 Wien
Tel. 586 12 49-18
Fax 586 82 17www.initiative.minderheiten.atwww.gastarbajteri.at
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03 Rueckkehr zur Monarchie?
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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Oesterreich/Glosse:
> Rueckkehr zur Monarchie?
Keiner soll glauben, es tut sich nichts: Diesen Montag hat die Gewerkschaft
mit einer Urabstimmung in den Betrieben begonnen und damit die
Vorbereitungen fuer den angekuendigten Arbeitskampf im oeffentlichen Dienst
begonnen. Sollten mindestens 75 Prozenten der Gewerkschaftsmitglieder dafuer
stimmen, sei bereits Ende der Woche mit einem ersten Streik zu rechnen.
Weitere Urabstimmungen sollen folgen, um damit die Legitimation fuer einen
Generalstreik zu erhalten. Mit diesem letzten Streikmittel, so Verzetnitsch,
will die Gewerkschaft Privatisierungen abwehren und die Regierung zwingen,
keine Verhandlungen und Beschluesse ohne die Vertretungen der Arbeitnehmer
durchzufuehren. Um eine Eskalation zu vermeiden, die sowohl die Wirtschaft
als auch Oesterreichs EU-Vorsitz zweifellos beschaedigen wuerde, stimmte die
Regierung soeben allen Gewerkschaftsbeschluessen zu. Abgesehen davon duerfte
die Drohung des Gewerkschaftschefs ziemlich effizient gewesen sein:
Oesterreich muesse sich notfalls auch auf einen lang anhaltenden
Arbeitskampf einstellen. Soweit, so gut!
Leider ist aber gar nichts gut – es ist vielmehr alles erstunken und
erlogen – es stimmt lediglich, dass die Gewerkschaft mit Urabstimmungen in
den Betrieben begonnen hat – allerdings in Deutschland! Der deutsche
Beamtenbund ist noch dazu in der komfortablen Lage, keine Urabstimmungen zu
benoetigen, denn ein Streik kann dort laut Satzung vom Vorstand beschlossen
werden. Im Oesi-Land hingegen wuergen sozialpartnerschaftliche
Verpflichtungen, die keinesfalls mehr bestehen, schon den Keim eines
halbwegs effizienten Widerstandes ab. Passend dazu kann erwaehnt werden,
dass die oesterreichischen Arbeitnehmer jaehrlich durchschnittlich 1 Minute
(!) seit 1955 gestreikt haben. Aber es gab tatsaechlich grosse Streiks, wie
am Beispiel Oberoesterreich ersehen werden kann. 2003 streikten hier die
Beschaeftigten von rund 200 Betrieben. Bestreikt wurden unter anderem die
Voest (voestalpine, VA-Tech, VA Tech Elin EBG), Linzer Chemiebetriebe (DSM,
Agrolinz, Chemserv), Steyrer Fahrzeugindustrie (BMW, MAN, ZF, SKF), Lenzing
AG, Verkehrsbetriebe (OeBB, Postbus, Linz AG), Post, die Papierfabriken
Steyrermuehl, Laakirchen und Nettingsdorf, die Maschinenfabriken Rosenbauer,
Rotax, Poettinger und Plasser & Theurer, Dienstleistungsbetriebe wie Group
4, EXIT-sozial, Landestheater und Brucknerorchester, weiters streikten
AHS-LehrerInnen, AMS-Beschaeftigte und Zeitungsdruckereien.
Da die OeGB-Spitze angesichts solcher Streikwerte nicht ueberregional
nachsetzte, kann die Regierung mit der Wirtschaft ungehindert den
Schmusekurs fortsetzen, den beide gewoehnt sind. Wenn dann aber
Demonstrationen stattfinden, dann wird zerstueckelt und auf kleinstem
Territorium agiert. Die OeGB-Jacken lassen vermuten, dass der
Oesterreichische Gewerkschaftsbund ebenso Schnee und Kaelte nicht scheut wie
das Haeuflein Demonstranten -- sie stehen brav in der Kundgebung, sie laufen
brav mit den DemonstrantInnen mit. Auch wenn es -- wieder zum Beispiel -- um
den Ausverkauf des Oeffentlichen Sektors geht, sind die Fronten klar
erkennbar. Die da unten in der eisigen Kaelte demonstrieren samt einer
Abordnung des OeGB gegen die da oben, die in geheizten, hellen Saelen gerade
unsere Zukunft verhoekern. Ist es sehr naiv, sich die Frage zu stellen,
warum eigentlich die Arbeitnehmervertreter -- also der OeGB -- nicht bei
diesen Verhandlungen dabei sein sollen, wenn es um die Schicksale eben der
Arbeitnehmer geht? Oder anders gefragt: Wie verlottert ist ein
demokratisches System, das ausschliesslich Eliten schuetzt? Aber was
soll`s -- der Rechtsstaat gestattet z.B. auch den Betrieb von Boersen, wo
die Aktienkurse schon nach der Ankuendigung ansteigen, die Haelfte der
Belegschaft schlicht rauszuwerfen.
Aber die Wahlentscheidung des sprichwoertlichen ‘alten Muatterl’, das
unlaengst hoechst gespannt den ‘so feschen’ Finanzminister der Republik samt
seiner ‘so schoenen’ Frau in ‘Wetten dass’ sehen durfte, rundet das Bild nur
ab, in welchen Krebsgaengen sich Politik veraenderte -- indem sie sich
zurueckbildete. Die Schuessel-OeVP hat mit tatkraeftiger Hilfe Khols und
saemtlicher MinisterInnen dieses Land zu der Art von Mozartkugel
zurueckgestaltet, die sie in den Augen der Volkspartei immer sein sollte.
Und wenn politische Gruppen des Landes gerade diese Art von Verkitschung
nicht sein wollten, gab es immer einen Dollfuss, der die Dreckarbeit
uebernehmen konnte. Was tun dagegen? Wie sollten ‘verwirrte’ WaehlerInnen
erkennen, woher der Wind weht, wenn Schuessel zufaellig ein paar Monate vor
den NR-Wahlen ‘eine sozialere EU’ fordert? Dabei duerfte es nicht am
prinzipiellen Desinteresse des lieben Wahlvolkes liegen, sondern an der
systematischen Versumpfung der Demokratie-Idee. Und welche Parteien stehen
im Herbst zur Verfuegung, Schuessel und Konsorten in die unverdiente Pension
zu schicken? Eine relativ stumme SPOe mit einem etwas unbeholfen wirkenden
Gusenbauer. Die Gruenen, fuer die ‘il professore’ die Stimme der Partei ist,
auch wenn Van der Bellen leider nicht weiss, ob er im Fall des Falles nicht
doch mit Schuessel eine Koalition eingehen moechte. Die KPOe, der das Grazer
Wahlergebnis das Mass aller Dinge ist, die wahrscheinlich wieder nicht in
den NR gewaehlt werden wird. Und eine ganze Menge von Klein- und
Kleinststparteien -- wie z.B. der SLP -- , die es nicht zu einer gemeinsamen
Wahlplattform der linken Parteien schaffen. Jetzt im Ernst, wen davon
wuerdest du waehlen?
*Frtz Pletzl*
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ANKÜNDIGUNGEN UND TERMINE
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04 [kinoki-mikrokino] So 5.2. Depot: 11 Jahre Attentat in Oberwart. Film und Gespraech mit Stefan Horvath und Peter Wagner
Von: p <p at kinoki.at>
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11 Jahre Attentat in Oberwart
Zum 11. Jahrestag des Attentats laden Romani Dori, kinoki, Initiative
Minderheiten, der Verein exil und der Augustin zu einer
Gedenkveranstaltung am
5. Februar 2006, Beginn 17 Uhr
Depot, Breite Gasse 7, 1070 Wien
Am 4.2.1995 wurden 4 Männer ermordet, weil sie Roma waren. Eine
Sprengfalle, wenige Meter von der Oberwarter Romasiedlung entfernt,
tötete Karl und Erwin Horvath, Peter Sarközy und Josef Simon. Zwar hatte
die Staatspolizei schnell das Attentat in die Reihe der rechtsradikalen
Briefbombenserie eingeordnet, aber die lokalen Ordnungshüter ließen es
sich nicht nehmen, die Häuser der Ermordeten zu perlustrieren. Medien-
und Politikerreaktionen bewiesen vor allem, dass man in Österreich bis
heute am liebsten die Täter als Opfer und die Opfer als Täter präsentiert.
Gezeigt wird der Film "Stefan Horvath. Zigeuner aus Oberwart" von Peter
Wagner, das feinfühlige Portrait einer beeindruckenden Persönlichkeit.
Stefan Horvath verlor durch das Attentat einen Sohn. Danach litt er an
Schlafstörungen zu jener Nachtzeit, als die Detonation passierte, bis er
eines Tages zu schreiben begann. Was er zunächst aufzeichnete, waren
Erzählungen seiner Elterngeneration, die den systematischen Mord an den
Roma in der NS-Zeit thematisieren. Stefan Horvath will mit seinen
Erzählungen den Roma seiner Heimat eine Erinnerung nachliefern, von der
er glaubt, dass sie vielfach befreiende, wenn auch teilweise
schmerzhafte Wirkung haben könnte.
Stefan Horvath und Peter Wagner sind zu einem anschließenden Gespräch
anwesend.
Bobana Stojkov wird Passagen aus Elfriede-Jelineks Oberwartstück
"Stecken, Stab und Stangl" vortragen.
Musikalisches Programm: Rahid Jerha
Für Live-Übersetzung von Film und Diskussion ins Romanes ist gesorgt.
revolution will not be televised
*************************************************
kinoki
Gumpendorfer Str. 63B
Buerogemeinschaft 1. Stock
1060 Wien
Fax: ++43 (0)1 403 87 94-17
mikrokino at kinoki.at
http://www.kinoki.at
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05 Irak-Veranstaltung in Linz
Von: wadi wien <wadi.wien at gmx.at>
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Irak-Veranstaltung in Linz
Mittwoch, 8. Februar 2006
Treffpunkt "Café KPÖ", Melicharstraße 8, 4020 Linz
19 Uhr, "Linke Gespräche" zum Thema "Der Irak heute"
Thomas Schmidinger (Wadi und Institut für Politikwissenschaft, Wien)
Veranstalter: KPÖ-Linz
--
WADI - Verband für Krisenhilfe und solidarische
Entwicklungszusammenarbeit
e-mail: wadi.wien at gmx.at
website: www.wadinet.at
Tel.: 0699-11365509
Postfach 105
A-1181 Wien
Spendenkonto in Österreich:
Kontonummer 07.405.301
Evangelische Kreditgenossenschaft eG BLZ 31800
IBAN: AT10 3180 0000 0740 5301
BIC: EVKRATW1
Website mit weiteren Informationen zu Projekten von
Wadi und Veranstaltungshinweisen:
www.wadinet.at
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06 Buecher: Gesteuerte Demokratie, Kritisches EU-Buch
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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> Der Kampf um die Koepfe
Ulrich Mueller, Sven Giegold, Malte Arhelger (Hrsg.):
«Gesteuerte Demokratie? Wie neoliberale Eliten Politik und Oeffentlichkeit
Beeinflussen».
VSA-Verlag 2004, 182 Seiten. EUR 12,80
Wer bewegt welche Ideen? Woher kommt es, dass der Geist rechts steht? Und
wie gehen die LobbyistInnen heute mit den Medien um?
Der Dialog hatte es in sich. Eine Frau sucht einen Job und bewirbt sich am
Telefon. Der Mann am anderen Ende der Leitung gibt den Tarif durch: «Wir
sind im Moment ganz besonders auf das Engagement unserer Mitarbeiter
angewiesen, Flexibilitaet steht bei uns an oberster Stelle.» Sie: «Ja,
vielleicht koennte ich erst mal auf Zwanzig-Stunden-Basis ...» Er: «Oh, das
tut mir Leid. Wie gesagt, wir sind ein junges Unternehmen, von einer
Fuenfzig-Stunden-Woche muessen Sie erst mal schon ausgehen, zumindest am
Anfang.»
Dieses Gespraech war Teil der Folge Nummer 1936 der ARD-Fernsehserie
«Marienhof». Bezahlt hat den Dialog die Initiative Neue Soziale
Marktwirtschaft (INSM). Sie liess sich den Eingriff in das Drehbuch dieser
und sechs weiterer Folgen 58.000 Euro kosten, ein vergleichsweise guenstiger
Preis fuer die Themensetzung (mehr Flexibilitaet, laengere Arbeitszeiten) in
einer populaeren TV-Reihe. Dass sie dadurch unzulaessigerweise das Programm
eines oeffentlich-rechtlichen Senders manipuliert und mit Werbung vermischt
hatte, kuemmerte die Initiative wenig -- schliesslich hat die Organisation
mit dem harmlos klingenden Namen und dem buergernahen Anstrich noch ganz
andere Tricks auf Lager.
Die Initiative -- sie wurde im Oktober 2000 gegruendet -- ist ein Kind des
Arbeitgeberverbands Gesamtmetall der deutschen Metall- und Elektroindustrie,
der sie mit 8,8 Millionen Euro im Jahr auch finanziert. Ziel der INSM ist
nach eigenem Bekunden, «die Menschen in Deutschland fuer
marktwirtschaftliche Reformen» zu gewinnen. Und das tut sie auf allen
Ebenen. Sie beschaeftigt eine Reihe von PR-Agenturen, lanciert
Medienspektakel wie den jaehrlich vergebenen Preis «Reformer des Jahres»,
kooperiert mit Zeitungen und Zeitschriften wie dem «Handelsblatt», der
«Financial Times Deutschland», der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»
und der «HoerZu», platziert auch in Regionalblaettern Texte, schickt fertig
produzierte Beitraege an TV-Anstalten, vermittelt InterviewpartnerInnen und
Talkshow-Gaeste. Im wohl wichtigsten TV-Polit-Talk «Sabine Christiansen»
argumentieren oft gleichzeitig mehrere INSM-Mitglieder fuer diesselbe Sache.
Die Initiative bietet LehrerInnen Unterrichtsmaterial an, organisiert
Veranstaltungen an Kinder-Unis und verfuegt ueber eine Garde von prominenten
«Kuratoren» und «Botschaftern». Die Bandbreite reicht vom gruenen
Finanzexperten Oswald Metzger bis zum ehemaligen SPD-Minister Klaus von
Dohnanyi, von Lord Ralf Dahrendorf bis zum Historiker Arnuld Baring. Und
alle sagen stets dasselbe: Der Staat muss zusammengestutzt werden und die
Steuern senken. Der Arbeitsmarkt gehoert dereguliert, der Kuendigungsschutz
gelockert. Die Loehne und die Lohnnebenkosten sind viel zu hoch. Wer soziale
Sicherung will, muss selber vorsorgen. Mehr Wettbewerb, mehr Effizienz, mehr
Tempo im Bildungsbereich. Und sie praegt Slogans. Das INSM-Schlagwort
«Sozial ist, was Arbeit schafft» haben im Wahlkampf 2005 Angela Merkel
(CDU), Edmund Stoiber (CSU) und Guido Westerwelle (FDP) nachgeplappert.
Vorbild dieser Initiative und aehnlich gestrickter Vereinigungen wie des
Buergerkonvents und des Konvents fuer Deutschland ist die 1947 von Friedrich
August von Hayek, Karl Popper, Milton Friedman und anderen gegruendete
Mont-Pelerin-Gesellschaft, ein Netz von neoliberalen Intellektuellen,
Thinktanks, Stiftungen und Verbaenden, dem auch Gerhard Schwarz, Leiter der
NZZ-Wirtschaftsredaktion, angehoert.
«Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik hatten Lobbyisten so viele
Einflussmoeglichkeiten wie heute, nie zuvor sind sie so offensiv in der
politischen und oeffentlichen Arena aufgetreten», schreibt Thomas Leif von
der JournalistInnen-Organisation Netzwerk Recherche in seinem Beitrag des
Buches «Gesteuerte Demokratie?». Und das, so fuehrt er fort, hat auch mit
«der inneren Verfassung der Medien», der Verleger-Struktur und dem
«veraenderten Selbstbild der Journalisten» zu tun, die sich «als Textmanager
statt als selbstaendig recherchierende Reporter» verstehen. Anstelle des
Hinterfragens, Nachhakens und der Debattenkultur sei das Tina-Prinzip
getreten: «There is no alternative», lautete der Lieblingsspruch der
frueheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher, den inzwischen
viele verinnerlicht haben: Es gibt keine Alternative. Dieses Prinzip, so
Leif, «ist einer der Hauptgruende fuer den durchschlagenden Erfolg
neoliberaler Ideologie in Wissenschaft und Medien.»
Diesen Fehler macht der lesenswerte Sammelband des VSA-Verlags nicht. Neben
Beitraegen ueber die Geschichte neoliberaler Einflussnahme auf das Denken
der Menschen, konkreten Fallschilderungen ueber das Vorgehen von
Unternehmerlobbys etwa im Bildungs-, Umwelt- und Gesundheitsbereich und
detaillierten Untersuchungen ueber die Umdeutung von Begriffen
(«Reform-Speech») enthaelt das Buch auch eine Reihe von Texten, die sich mit
Strategien gegen die neoliberale Hegemonie beschaeftigen. (Pit Wuhrer, WOZ
26.1.06)
Das Buch beruht auf den Beitraegen des Kongresses »Gesteuerte Demokratie?«
vom 25. bis 27. Juni 2004 in Frankfurt a.M.
***
> Das andere Europa
Unmittelbar zu Beginn der oesterreichischen und ein Jahr vor der deutschen
Praesidentschaft befindet sich die EU-Skepsis in der Bevoelkerung auf
Rekordniveau. Die Debatte ueber den Verfassungsvertrag ist nach der
Ablehnung durch Frankreich und die Niederlande verstummt, das Projekt der
europaeischen Integration steckt in der Krise.
In "Das kritische EU-Buch - Warum wir ein anderes Europa brauchen" (Deuticke
2006), herausgegeben von Attac, analysieren mehr als 20 Autorinnen und
Autoren aus Frankreich, Holland, Deutschland und Oesterrreich die bisherige
EU-Politik, die verschiedenen Politikfelder und ihre Institutionen. Das Buch
zeigt, wer die Politik in Bruessel macht - und fuer wen. Es will nicht nur
verstaendliche Informationen ueber die EU liefern, sondern genauso die
Ursachen der aktuellen Krise aufzeigen und Alternativen zum neoliberalen
Kurs anbieten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Teilbereichen
der Wirtschaftspolitik, wie die Geld-, Arbeitsmarkt-, Steuer- und
Aussenhandelspolitik. Die AutorInnen reflektieren in ihren Aufsaetzen, was
schief laeuft und zeichnen als Loesung die Vision einer echten Umwelt-,
Sozial- und Friedensunion. (Attac-Waschzettel/bearb.)
Mi., 8.2., 14.05. Radio Oe1, Von Tag zu Tag: "Das kritische EU-Buch"
Buchpraesentation mit Podiumsdiskussion: Donnerstag, 9.2., 19.30,
Hauptbibliothek Wien, 7, Urban Loritz Platz 2a, mit Robert Menasse, Alfred
Payrleitner und Christian Felber
Bestellungen unter verwaltung at attac.at oder 01/544 00 10
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MELDUNGEN UND MEINUNGEN
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07 WWWebtips: Suchmaschinen, Ortstafeln
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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> WWWebtips
http://www.austronaut.at
http://www.seekport.at/
http://www.kartoo.com/de
http://de.vivisimo.com
http://www.dogpile.com/
Google, die sowohl in Funktionalitaet als auch in ihrer Marktposition
maechtige Suchmaschine, steht wiedermal im Kreuzfeuer der Kritik. Um endlich
auch in China praesent zu sein, wird google.cn dort nur gesaeuberte
Ergebnislisten herzeigen. CNN praesentierte kuerzlich eine Test: Die Suche
nach dem Stichwort "Tiananmen" fuehrt in der amerikanischen Version von
Google zu 1.920.000 Treffern. Der gleiche Begriff auf der chinesischen
Google-Seite ergibt nur 14000 Treffer, fast alle mit rein touristischem
Inhalt.
Deswegen kursieren derzeit eine Menge Boykott-Aufrufe gegen Google. Ob das
angebracht ist, ist diskutierenswert, schliesslich haben in diesem Belangen
weltweit operierende Internetdienste selten eine reine Weste. Dennoch ist es
durchaus sinnvoll, sich auch anderer Suchmaschinen zu bedienen --
schliesslich finden die manchmal Seiten, die Google nicht findet oder nur
weit hinten reiht.
Obige Liste sandte uns ein Abonnent. Bei genauerer Ansicht ergab sich
folgendes Bild: Der Austronaut ist eher unspannend, mit viel Werbung
vollgepflastert und leider kaum mit Zusatzfunktionen ausgestattet. Die
andere oestereichische Suchmaschine, Seekport, hingegen gefaellt mir besser,
denn sie kommt mit einer Menge Features daher und fuehrt vor allem sehr
haeufig zu akin-Seiten, was uns natuerlich sehr freut. Kartoo ist etwas
gewoehnungsbeduerftig, da es mit einem graphischen Interface arbeitet, das
auf assoziative Erfassung baut. Die Suchergebnisse sind nicht schlecht,
wegen der graphischen Oberflaeche aber wohl nur fuer Breitbandnutzer zu
empfehlen. Vivisimo ist nicht wirklich gut -- die Ergebnisse erscheinen kaum
einer guten Gewichtungsroutine entsprungen. Dafuer gibt es eine Baumstruktur
aus, mit der man trotz schlechter Gewichtung so einiges finden kann. Dogpile
ist eine Meta-Suchmaschine, kombiniert also die Dienste mehrerer
Suchmaschinen -- allerdings nicht sonderlich gut und ist auch sehr
USA-orientiert.
Wer jedoch Seiten ohne nationale Gewichtung nach Suchbegriffen sucht, bleibt
bei Google bislang besser aufgehoben. Allerdings gibt es zu den klassischen
Suchmaschinen bei der Suche nach Informationen (also wenn man keine
Originalseiten sucht) oft eine bessere Alternative, da dort die Eintraege
meistens sehr qualifiziert, in letzter Zeit oft auch schon beinahe
tagesaktuell sind und gefahrlos, da mit Copyleft versehen, kopiert werden
koennen: http://www.wikipedia.org/
*
> http://www.prokaernten.at/
"Weil wir die Zukunft in der Zukunft suchen, uebernehmen wir die Patenschaft
fuer die zweisprachigen Ortstafeln in Kaernten/Koroška" steht da zu lesen.
Aber keine Angst, es geht nicht darum, Ortstafeln in einem
Entwicklungsbundesland zu finanzieren, sondern einfach nur die Umsetzung der
geltenden Rechtslage einzufordern -- per Online-Unterstuetzung. -br-
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08 Die wahre Bedeutung von Hongkong; WWWebtip Attac-SiG
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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Welt/Wirtschaft:
> Die wahre Bedeutung von Hongkong
Brasilien und Indien schliessen sich in der WTO den Grossen an
Was in Hongkong auf dem Spiel stand, war das Ueberleben der
Welthandelsorganisation WTO als Institution. Nach dem Scheitern zweier
Ministertreffen in Seattle und Cancun haette das Zerbroeseln eines dritten
die Nuetzlichkeit der WTO als Hauptmotor der globalen Handelsliberalisierung
ernsthaft in Frage gestellt. Ein Kompromiss wurde benoetigt und ein
Kompromiss wurde gefunden.
Wie, warum und wer diesen Kompromiss beigesteuert hat, das ist die wahre
Geschichte von Hongkong.
Der Hongkong-Kompromiss wurde in manchen Berichten als ein "Minimal Paket"
bezeichnet, das hauptsaechlich als Lebenserhaltungssystem fuer die WTO
diene. Das trifft aber kaum zu. Der Kompromiss presste den
Entwicklungslaendern substantielle Zugestaendnisse ab, aber er gewaehrte
ihnen kaum etwas als Gegenleistung.
Die Entwicklungslaender wurden genoetigt, eine Senkung der Zollsaetze fuer
nichtagrarische Gueter hinzunehmen (die Entwicklungslaender erheben
allgemein hoehere Saetze auf Industriegueter), wodurch sie empfindliche
finanzielle Einbussen erleiden werden. Sie mussten weiters Zugestaendnisse
bei der Verhandlung des Abkommens ueber den Handel mit Dienstleistungen
machen.
Dafuer gibt es als Gegenleistung ein Datum fuer den endgueltigen Abbau
landwirtschaftlicher Subventionen. Dennoch soll die Subventionsstruktur in
der Europaeischen Union und in den Vereinigten Staaten groesstenteils intakt
bleiben. Selbst mit dem Abbau der formellen Exportsubventionen werden andere
Formen der Exportstuetzung gestattet, dass z.B. die Europaeische Union auch
nach 2013 damit fort faehrt, Exporte im Umfang von 55 Milliarden Euro zu
stuetzen.
Insgesamt war dies ein Abkommen mit Biss, jedoch werden die Bissspuren
hauptsaechlich in den Entwicklungslaendern zu finden sein.
Die Umrisse des Kompromisses wurden schon vor Hongkong offenkundig und viele
Entwicklungslaender kamen zum Ministertreffen mit dem Vorsatz, diesen
abzulehnen. Das gab zur Hoffnung Anlass, dass unter den Regierungen der
Entwicklungslaender eine Einigkeit entstehen koennte, was den drohenden
Kompromiss haette kippen koennen. Zum Schluss jedoch knickten die
Regierungen der Entwicklungslaender ein.Viele von ihnen waren einzig von der
Furcht motiviert, des Zusammenbruchs der Organisation beschuldigt zu werden.
Sogar Kuba und Venezuela beschraenkten sich darauf, waehrend der
Abschlusssitzung der Ministerkonferenz am 18. Dezember "Bedenken" ueber den
Dienstleistungstext anzumelden
Die Unterhaendler
Der Grund fuer das Einknicken der Entwicklungslaender war weniger der Mangel
an Fuehrung sondern eine Fuehrung in entgegengesetzter Richtung. Die Ursache
fuer das Hongkong-Debakel war die Rolle von Brasilien und Indien.
Bereits vor Hongkong waren Brasilien und Indien zu einem Kompromiss bereit.
Fuer Brasilien ging es unterm Strich um die Bekanntgabe eines Datums fuer
den Abbau der Exportsubventionen fuer landwirtschaftliche Produkte durch die
Europaeische Union. Die brasilianischen Unterhaendler und auch viele andere
erwarteten, dass die EU beim Ministertreffen ein solches ankuendigen wuerde,
auch wenn man annahm, dass die Europaeer aus verhandlungstaktischen Gruenden
bis zur letzten Minute damit warten wuerden. Brasilien war auch gewillt, den
Kompromiss bei den Dienstleistungen zu akzeptieren.
Es war bekannt, dass Indien diesen Kompromiss ebenfalls akzeptieren wuerde,
ebenso die Senkung der Zoelle auf Industriegueter.. Fuer viele war die
einzige Frage, ob Indien die entwickelten Laender zu Zugestaendnissen beim
freien Zugang von Fachkraeften aus Entwicklungslaendern zwingen wuerde. Wie
sich herausstellte, entschied sich Indien, Washington in diesem Punkt nicht
zu bedraengen.
Der Preis
Es bleibt zu diskutieren, ob das abschliessende Abkommen fuer Brasilien und
Indien einen Nettogewinn ergibt; aber auch, wenn die Bilanz einen
Nettoverlust ausweist, wird dieser fuer Brasilien und Indien geringer sein
als fuer die weniger entwickelten Laender. Wie auch immer, der wichtigste
Gewinn fuer Brasilien und Indien liegt nicht in der Auswirkung des Abkommens
auf ihre Volkswirtschaften, sondern in der Bestaetigung ihrer neuen Rolle
als machtvolle Unterhaendler innerhalb der WTO.
Waehrend der Ministerkonferenz von 2003 in Cancun wurde den USA und der EU
deutlich gemacht, dass die alte Machtstruktur und die alte Methode,
Entscheidungen in der WTO zu faellen, obsolet waren. Neue Mitspieler mussten
von der Elite angenommen werden. Der Zirkel der Macht musste erweitert
werden, um die Organisation wieder auf die Beine zu stellen und wieder in
Gang zu bringen.
Waehrend der Vorbereitungen auf die Ministerkonferenz in Hongkong wurde
Brasiliens und Indiens neue Rolle als maechtige Unterhaendler zwischen der
entwickelten und der sich entwickelnden Welt durch die Schaffung einer neuen
inoffiziellen Gruppierung, genannt die "Neue Quadriga", bestaetigt. Diese
Formation, die die EU, USA, Brasilien und Indien umfasste, spielte eine
entscheidende Rolle bei der Festsetzung der Tagesordnung und der Zielsetzung
der Verhandlungen. Ihr Hauptziel in Hongkong war, die WTO zu retten. Bei
dieser Rettungsaktion uebernahmen Brasilien und Indien die Aufgabe, die
Zustimmung der Entwicklungslaender zu einem unausgeglichenen Abkommen zu
erlangen, trotz des Widerstrebens der EU und der USA, deutliche
Zugestaendnisse bei der Landwirtschaft zu machen. Das Zustandekommen dieser
Einigung sollte den Nachweis liefern, dass Brasilien und Indien
"verantwortungsbewusste" globale Akteure seien. Es war der Preis, den sie
fuer eine Vollmitgliedschaft in einer neuen, erweiterten Machtstruktur zu
zahlen hatten.
Es erforderte eine Menge an Lobby-Arbeit vor und waehrend der Konferenz von
Hongkong, wobei beide Regierungen ihren Ruf als Fuehrer der sich
entwickelnden Welt aufs Spiel setzten, aber sie schafften es, allen die
Zustimmung zu einem ueblen Kompromiss abzuringen, wenn auch nicht ohne
Murren. Das war keine schlechte Leistung, da es die folgenden Punkte
beinhaltet:
Die am wenigsten entwickelten Laender stimmen einem "Entwicklungspaket" zu,
das hauptsaechlich aus einem zoll- und quotenfreien Zugang ihrer Produkte
auf die Maerkte der entwickelten Laender besteht, allerdings mit zahlreichen
Schlupfloechern, und aus einem verfuehrerisch "Aid for Trade" genannten
Programm, das zum Teil aus Krediten bestehen soll, die es diesen Laendern
ermoeglichen sollte, ihr Wirtschaftsregime WTO-vertraeglich zu machen.
Dieser Prozess wird die Verschuldung dieser Laender weiter verschlimmern.
Die westafrikanischen Baumwolleproduzenten wurden dazu verlockt, einem
Kompromiss zuzustimmen, dessen Hauptinhalt darin bestand, den USA noch ein
volles Jahr zu gewaehren, bis die Exportsubventionen abgeschafft werden,
die, laut einer WTO-Entscheidung bereits vor anderthalb Jahren haetten
abgeschafft werden sollen. Ihre Forderung nach Entschaedigung fuer den
enormen Schaden, den diese Subventionen ihren Volkswirtschaften zugefuegt
hatten, wurde ignoriert.
Die hartnaeckigsten Unterhaendler bei den Dienstleistungsverhandlungen –
Indonesien, die Philippinen, Suedafrika, Venezuela und Kuba – wurden
verleitet, ihre ablehnende Haltung aufzugeben.
Obwohl die USA und die EU seit dem Scheitern der Ministerkonferenz in Cancun
uneinig ueber die Landwirtschaft waren, war ihre gemeinsame Prioritaet das
Ueberleben der WTO, und sie managten erfolgreich eine Strategie der
Kooptation. Damit verwandelten sie in Hongkong eine drohende Niederlage in
einen Sieg.
Praesidenten Luiz Inácio da Silva in Brasilien und die von der
Kongresspartei gefuehrte Regierung in Indien waren beide mit antiliberalen
Wahlplattformen an die Macht gelangt. Einmal an der Macht, wurden sie zu den
effektivsten Stabilisatoren neoliberaler Programme, beide genossen die
Unterstuetzung durch den Internationalen Waehrungsfonds, durch die Lobby
internationaler Konzerne und durch Washington. Es ist nicht unvernuenftig
anzunehmen, dass ein Zusammenhang besteht zwischen dem, was diese
Regierungen zu Hause schafften, und ihrer Leistung auf der globalen Buehne
in Hongkong. (Walden Bello in SiG 48, stark bearbeitet)
Volltext-Quelle: http://www.attac.at/2424.html und
Original-Quelle: http://www.focusweb.org/content/view/799/36/
*
WWWebtip: Der Text stammt aus der Attac-Zeitschrift "Sand im Getriebe" Nr.
48. Abrufbar ist SiG 48 komplett auf der deutschen Attac-Seite unter
http://www.attac.de/aktuell/rundbriefe/sig/ samt Grafiken als PDF-Datei und
auf der oesterreichischen Attac-Seite http://www.attac.at/sig als
Einzeltexte. Auch der Bolkestein-Text in dieser akin stammt von dort.
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INTERNATIONALE SOLIDARITÄT
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09 Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, Berlin/Dessau 2006
Von: The VOICE Refugee Forum <thevoiceforum at emdash.org>
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Pressemitteilung: Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, Berlin/Dessau
30-01-2006
Erst starb Oury Jalloh - nun soll Mouctar Bah's Telecafé geschlossen werden.
Berlin, den 30.01.06
In Dessau verbrannte ein Mensch, Oury Jalloh, in einer Polizeizelle –
gefesselt an Händen und Füßen. Seit seinem Tod am 7. Januar 2005 wurde den
Forderungen nach Aufklärung, Gerechtigkeit und Entschädigung nur auf
zynischste Weise begegnet und zwar mit Vertuschung, Ungerechtigkeit
und Straflosigkeit. Nun wird der Mensch kriminalisiert und verfolgt, der
sich als einer der wenigen für die Aufklärung der Todesumstände eingesetzt
hat: Mouctar Bah, Freund von Oury Jalloh und Vertreter dessen Familie in
Deutschland und nicht etwa die Personen unter deren
Verantwortung Oury Jalloh starb.
Sein Telecafé in Dessau soll am 7. Februar 2006 geschlossen und ihm die
Gewerbelizenz entzogen werden.
Der Laden war schon immer ein Dorn im Auge mancher Leute in Dessau. Es ist
ein Ort, an dem sich afrikanische Menschen aus Dessau und Umgebung
treffen, miteinander und mit ihren Familien reden und sich ein bisschen
sicherer fühlen können als auf der Strasse.
Bereits 2004 wollte das Ordnungsamt Dessau den Laden schließen mit der
Begründung, dort würden illegalerweise Lebensmittel verkauft. Dieser
Vorwurf stellte sich jedoch als haltlos heraus, da Mouctar Bah eine
entsprechende Lizenz besitzt. Auch eine Ladendurchsuchung konnte keinen
Vorwurf gegen ihn belegen. Ein Jahr lang hatte das Landesverwaltungsamt
Halle den Fall auf dem Tisch. Nichts wurde unternommen, denn laut eines
Mitarbeiters des Amtes, gäbe es keinen Grund, ihm die Gewerbelizenz zu
entziehen. Aber dann starb Oury Jalloh und Mouctar Bah hat einfach das
getan, was von allen Menschen in einem Land, wo „Nie Wieder“ angeblich
Bedeutung beigemessen wird, zu erwarten ist. Er hat sich für Aufklärung
und Gerechtigkeit eingesetzt. Jetzt muss er die Folgen tragen und sein
Engagement wird bestraft.
Offiziell heißt es: Mouctar Bah duldet, dass sich Menschen, die im
Stadtpark Drogen verkaufen, in seinem Laden aufhalten. Kein Wort über Kauf
oder Konsum im Laden, auch keine Beweise. Doch die rassistische
Zuschreibung "Schwarze Haut = Drogendealer" scheint auszureichen.
Mouctar Bah soll eine dauerhafte Gewerbeuntersagung erteilt werden – aus
"öffentlichem Interesse“. Herr Bah hat mittlerweile sämtliche juristischen
Mittel ausgeschöpft, um seinen Laden zu schützen. Auch das
Oberverwaltungsgericht Magdeburg hat seine Beschwerde abgelehnt. Jetzt,
ein Jahr nach Oury Jalloh’s Tod, erhielt er einen Brief vom Ordnungsamt
Dessau, dass sein Laden spätestens am 7. Februar 2006 geschlossen sein
muss. Dadurch wird die Existenzgrundlage von Mouctar Bah und seiner
Familie entzogen.
Die offensichtliche Kollaboration der staatlichen Institutionen dient der
Leugnung jeglichen Zusammenhangs zwischen Rassismus, dem Tod von Oury
Jalloh und der Schließung des Ladens von Mouctar Bah. Diese Vorgänge in so
einer bürokratischen und lautlosen Art und Weise zeigen
deutlich die Intention, die Wahrheit über den Tod von Oury Jalloh zu
vertuschen und jeglichen Widerstand gegen solche unmenschlichen und
undemokratischen Maßnahmen zu brechen.
Wir fordern nach wie vor:
Aufklärung, Gerechtigkeit, Entschädigung!!!
Wir fordern, dass es schnellstmöglich zu einem öffentlichen Prozess kommt,
damit die wahren Ereignisse vom 7.01.05 in der Polizeistelle in Dessau ans
Licht kommen.
Weiterhin fordern wir die sofortige Zurücknahme der Entziehung von Herrn
BahŽs Gewerbelizenz.
Diese Pressemitteilung wurde von der Flüchtlingsinitiative Dessau, der
Antirassistischen Initiative Berlin (ARI), der Plataforma der Flüchtlinge
und MigrantInnen und vom The Voice-Refugee Forum, als Teil der Initiative
in Gedenken an Oury Jallow herausgegeben.
Ein Video-Interview mit Mouctar Bah unter
http://www.umbruch-bildarchiv.de/video/gesetze/260106mouctar_bah.html
Für Nachfragen erreichen Sie Mouctar Bah unter 0160 957 966 79 Für
Informationen zum Tod von Oury Jalloh e-mail: plataforma at riseup.net. see:
http://www.plataforma-berlin.de / http://www.thevoiceforum.org
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10 Afghanistan: US-Pläne gefährden Wiederaufbau
Von: GFBV Hans Bogenreiter <hans.bogenreiter at gfbv.at>
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GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER
PRESSEERKLÄRUNG Göttingen, den 31.01.2006
Afghanistan-Konferenz in London
Umstrittener Kampf gegen Opium-Anbau - US-Pläne gefährden Wiederaufbau
Zum Auftakt der Afghanistan-Konferenz in London hat die Gesellschaft für
bedrohte Völker (GfbV) der US-Regierung am Dienstag vorgeworfen, mit dem von
ihr geplanten Einsatz von Pestizid-Sprühflugzeugen gegen Opiumfelder den
Wiederaufbau Afghanistans zu gefährden. "Die Bekämpfung des Opiumanbaus mit
so radikalen Methoden wird mehr
Schaden anrichten als helfen", warnte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius.
Dies hätten ähnliche Versuche, den Opiumanbau in Kolumbien zu bekämpfen,
gezeigt. Ein solcher Gewalteinsatz sei in Afghanistan daher
unverantwortlich, weil er neben der örtlichen Bevölkerung auch die
Sicherheit ausländischer Soldaten und Helfer gefährde.
Ein massiver Einsatz von Pestiziden werde katastrophale ökologische Schäden
verursachen und die Nahrungsmittelproduktion beeinträchtigen. Außerdem werde
das soziale System in den Dörfern zerstört, da etliche Bauern ihre
verseuchten Felder aufgeben und fliehen müssten. Andere würden - wie in
Kolumbien - trotz der Verseuchung bleiben und erneut
Opium anbauen, weil sie anders ihren Lebensunterhalt nicht verdienen
könnten.
"Dieses Zerstörungsprogramm wird nur die Vorbehalte der ländlichen
Bevölkerung gegen die Blauhelme, aber auch gegen die Regierung Karsai
schüren, die von vielen Afghanen als "willfähriges Instrument" der
internationalen Staatengemeinschaft und nicht als Anwalt afghanischer
Interessen angesehen wird", warnte Delius.
Während das dem US-Außenministerium unterstehende Amt für die
Drogen-Bekämpfung bereits Personal für Sprühflugzeuge suche, lehne die
britische Regierung so radikale Methoden ab. Großbritannien, das von der
internationalen Staatengemeinschaft mit der Bekämpfung des Drogenanbaus in
Afghanistan betraut worden war, hatte erst gestern angekündigt, weitere
4.700 Soldaten in eine der bedeutendsten Drogenprovinzen Afghanistans zu
entsenden.
Opiumanbau und -handel bestreiten inzwischen 40 Prozent des
Bruttoinlandsproduktes Afghanistans. Nach Angaben des britischen
Verteidigungsministeriums im Januar 2006 sind auch hohe Kreise der
afghanischen Regierung in den Drogenhandel verstrickt. Es sei pure
Heuchelei, wenn der afghanische Minister für Drogenbekämpfung, Habibullah
Qadiri, nur die wieder erstarkenden Taliban für den Opiumboom verantwortlich
mache. So seien die Gouverneure Mohammed Omar Abdul Latif Ibrahimi (Provinz
Kundus) und Mohammed Daud (Provinz Badakshan, Feisabad), in denen
Bundeswehrsoldaten stationiert sind,
an dem florierenden Drogenhandel maßgeblich beteiligt.
Für Nachfragen und Interviews ist Ulrich Delius erreichbar unter Tel. 0160
95 67 14 03.
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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
Tel.+49/551/49906-25, Fax:++49/551/58028
E-Mail: presse at gfbv.de, Homepage:http://www.gfbv.de
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11 EU/"Bolkestein": Phase "D"; Webaktionen, Demos
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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> Phase "D"
Trotz Scheitern der Verfassung paukt die EU die Dienstleistungsrichtlinie
durch
Als sich im Mai/Juni 2005 in Frankreich und den Niederlanden eine Mehrheit
der Bevoelkerung gegen die EU-Verfassung aussprach, war der Katzenjammer
gross. Um der Krise Herr zu werden, rief die EU-Kommission eine Phase D aus.
«D» steht offiziell fuer Dialog, tatsaechlich aber fuer Durchdruecken, wie
die aktuelle Entwicklung bei der Dienstleistungsrichtlinie zeigt.
Die Dienstleistungsrichtlinie fuer den europaeischen Binnenmarkt, genannt
Bolkesteinrichtlinie, ist eines der am staerksten umstrittenen Bruesseler
Projekte, sie spielte fuer den Ausgang der Volksabstimmungen eine nicht zu
unterschaetzende Rolle. Wie in einem Brennglas konzentriert sie alles, was
am Verfassungsentwurf als neoliberal kritisiert wird. Statt Arbeits-,
Umwelt- und Verbraucherschutz auf moeglichst hohem Niveau zu harmonisieren,
soll der gesamte Dienstleistungssektor mit einer einzigen Rahmenrichtlinie
dereguliert werden. Eine Richtlinie ist ein europaeisches Gesetz. Ist sie
erst einmal verabschiedet, muss sie von alle Mitgliedstaaten umgesetzt
werden.
Der Dienstleistungssektor umfasst in vielen EU-Staaten 70% der
Beschaeftigung und 70% der Wirtschaftstaetigkeit. Zu ihm gehoeren so
unterschiedliche Branchen wie Pflegedienste, Bau, Handel, Gastronomie,
Wasserversorgung oder Muellabfuhr.
In all diesen Bereichen soll die wirtschaftliche Taetigkeit einem
ungehinderten Wettbewerbsdruck ausgesetzt werden. Das bedeutet, dass
Anforderungen hinsichtlich Preis oder Qualitaet der Dienstleistungen oder
Qualifikation der Anbieter abgebaut werden, bzw. ganz entfallen. Durch
verstaerkten Wettbewerb in diesen Bereichen kommt die oeffentliche
Daseinsvorsorge unter zusaetzlichen Privatisierungsdruck.
Die Anforderungen an Unternehmen beim Eroeffnen einer Niederlassung in einem
anderen EU-Staat werden stark abgesenkt. Gleichzeitig wird das
Herkunftslandprinzip eingefuehrt. Das bedeutet, Unternehmen werden in
anderen EU-Staaten unter den Bedingungen aktiv, die im Staat ihrer
Niederlassung gelten. Die Folge davon waere, dass mehr Unternehmen ihren
Sitz in Staaten mit niedrigeren Standards verlegen, und der Wettlauf um die
niedrigsten Loehne, Steuern und sozialen Absicherungen zwischen den
Mitgliedstaaten weiter angeheizt wird.
Es beschleunigt sich auch der Demokratieabbau, denn in den Mitgliedstaaten
leben Menschen dann unter unterschiedlichen Gesetzen leben, die der
Zustaendigkeit der von ihnen gewaehlten Repraesentanten entzogen sind.
Waehrend des Bundestagswahlkampfs in Deutschland hiess es immer wieder, die
Dienstleistungsrichtlinie sei vom Tisch. In aller Stille hat die
EU-Kommission das Gesetzgebungsverfahren jedoch konsequent weiter betrieben.
Im Februar 2006 steht jetzt die erste Lesung auf der Tagesordnung des
Plenums des Europaeischen Parlaments. Vorausgegangen waren Beratungen in
mehr als zehn Ausschuessen. Ende November 2005 legte der federfuehrende
Binnenmarktausschuss seinen Abschlussbericht vor, der die
Beschlussempfehlungen der Ausschussberatungen fuer die Plenarabstimmung
zusammenfasst.
Dank der Proteste konnten zwar einige kleine Aenderungen erreicht werden,
die neoliberale Mehrheit aus konservativen und liberalen Abgeordneten hat
wichtige Kernbereiche jedoch bestaetigt.
Erreicht werden konnte immerhin, dass in der Beschlussempfehlung
Gesundheitsdienste und audiovisuelle Dienstleistungen vom Geltungsbereich
der Richtlinie ausgeschlossen werden und die Zustaendigkeit fuer Kontrollen
bei den Behoerden vor Ort bleiben soll.
Der Kern der Richtlinie, das Herkunftslandprinzip, wurde aber nicht
angetastet. Bei der Endabstimmung ueber den Abschlussbericht konnte sich die
sozialdemokratische Berichterstatterin trotzdem nicht zu mehr als einer
Enthaltung durchringen. Lediglich gruene und linke Abgeordnete lehnten das
Herkunftslandprinzip konsequent ab und stimmten dementsprechend gegen den
gesamten Bericht.
Allerdings ist die Beschlussempfehlung fuer das Parlament nicht bindend und
die Fraktionsdisziplin im EP viel weniger ausgepraegt als in nationalen
Parlamenten. Die bisherigen Abstimmungen in den Ausschuessen zeigen, dass
noch viel Mobilisierung notwendig ist, soll der Richtlinienentwurf,
wenigstens das Herkunftslandprinzip, noch aufgehalten werden.
Am 14. Februar 2006 geht der Entwurf in die erste Lesung des Parlaments.
Danach muessen ihn die Wirtschaftsminister der Mitgliedstaaten abstimmen,
die im Rat fuer Wettbewerbsfaehigkeit zusammentreffen. Darauf folgt eine
zweite Lesung im Parlament und im Rat. Sollte es danach noch abweichende
Meinungen zwischen Rat und Parlament geben, folgt ein Vermittlungsverfahren.
Abschaffung aller Regelungen
Die Dienstleistungsrichtlinie ist nur ein Pfad, auf dem die Deregulierung
des Dienstleistungssektors vorangetrieben wird. Einschlaegige Bestimmungen
im EG-Vertrag schreiben sie laengst fest.
Allerdings aehneln diese Artikel eher einem politischen Programm, das eine
schrittweise Liberalisierung vorschreibt. Dem Europaeischen Gerichtshof
scheint das alles viel zu langsam zu gehen, er faellt immer wieder Urteile,
die eine viel weitreichendere Liberalisierung vorschreiben. Deshalb herrscht
in der EU tatsaechlich eine grosse Rechtsunsicherheit. Es gibt nicht einmal
klare Kriterien, wann eine Niederlassung eroeffnet wurde, was wichtig waere
um festzustellen, ob es sich lediglich um eine Briefkastenfirma handelt.
Solche Probleme gibt es auch bei allen Fragen rund um die
Scheinselbststaendigkeit.
Man sollte eigentlich erwarten, dass sich EU-Institutionen mit solchen
Fragen beschaeftigen, wenn sie an einer Dienstleistungsrichtlinie arbeiten.
Leider ist das naiv. Der derzeit diskutierte Richtlinienentwurf tut alles,
die bereits bestehenden Regulierungsdefizite auszuweiten. Alle
Mitgliedstaaten sollen darauf verpflichtet werden, ihre nationalen
Regelwerke daraufhin zu ueberpruefen, ob sie den haeufig wenig praezisen
Vorgaben des EuGH entsprechen. Ueber das Ergebnis sollen sie einen Bericht
verfassen, in dem sie sich auch in einigen Bereichen fuer beibehaltene
Regelungen rechtfertigen sollen. Anschliessend sollen die Mitgliedstaaten
diese Berichte gegenseitig evaluieren und, abhaengig vom Ergebnis, weitere
Regelungen abschaffen.
Wohin eine solche Politik der Wettbewerbsmaximierung fuehrt, kann man in
einigen Branchen bereits sehen. Rumaenische Wanderarbeiter, die zu
menschenunwuerdigen Bedingungen in Schlachthoefen zu Hungerloehnen arbeiten,
Gammelfleisch in Supermaerkten und immer mehr schlecht entlohnte
scheinselbststaendige Fliesenleger ohne Sozialversicherung auf Baustellen
duerften dann nur der Anfang sein.
Haeufig wird auf Kritik an der Dienstleistungsrichtlinie so reagiert, als
gehe es dabei nur um die Bewahrung von Pfruenden. Das ist nicht der Fall.
Durch die Dienstleistungsrichtlinie wuerde systematisch ein System
geschaffen, dass ueberall zu weniger Wohlstand fuehrt. Gleichzeitig wuerden
zivilgesellschaftliche Strukturen wie Gewerkschaften oder
Handwerksverbaende, die heute schon grosse Probleme haben, denjenigen, die
durch ihre Arbeitskraft am meisten zum gesellschaftlichen Wohlstand
beitragen, eine angemessene Teilhabe zu sichern, weiter geschwaecht.
Aufgrund der grossen Lohnunterschiede zwischen den Laendern der EU wuerde
Europa immer tiefer an ethnischen Grenzen gespalten. Bereits heute arbeiten
in vielen Betrieben mittel und osteuropaeische Beschaeftigte zu wesentlich
niedrigeren Loehnen als ihre deutschen KollegInnen. Ein solches System ist
nicht nur rassistisch, es fuehrt unweigerlich dazu, dass inlaendische und
auslaendische Beschaeftigte immer mehr gegeneinander ausgespielt werden.
Dabei trifft es in der Regel auf beiden Seiten diejenigen, die ohnehin
bereits zu relativ niedrigen Loehnen arbeiten.
Europaeische Organisierung
Die Dienstleistungsrichtlinie muss verhindert werden. Das allein wird
allerdings nicht reichen. Die Mechanismen, die mit der
Dienstleistungsrichtlinie eingefuehrt werden sollen, sind zu grossen Teilen
bereits tief in den EG-Vertrag eingeschrieben.
Kapitalkraeftige, nicht nur national, sondern auch transnational
organisierte Interessengruppen konnten dies vor vielen schon Jahren
erreichen. Nun arbeiten sie daran, sie auch im wirklichen Leben immer mehr
durchzusetzen. Soll der Widerstand von Gewerkschaften und sozialen
Bewegungen dagegen erfolgreich sein, werden sie sich, neben der nationalen
Ebene, noch viel staerker auf transnationaler Ebene organisieren muessen.
Auf der Tagesordnung steht die Forderung nach der Einfuehrung von
Mindestloehnen und gleichem Lohn fuer gleiche Arbeit am gleichen Ort.
Wichtigstes Ziel auf europaeischer Ebene muss die Angleichung der
Lebensverhaeltnisse in ganz Europa als erster Schritt fuer eine weltweite
Angleichung sein. Der Markt schafft das nicht. Dazu bedarf es einer
schrittweisen Angleichung von Standards auf moeglichst hohem Niveau und
einer aktiven europaeischen Umverteilungspolitik, welche die zu schulternden
Lasten gerecht verteilt. Dazu bedarf es allerdings auch einer gaenzlich
neuen Verfassung. (Stefan Lindner in SiG 48)
Quelle: http://www.attac.at/2432.html
*
WWWeb-Aktionismus: Knapp vor der Plenarabstimmung im Europaeischen Parlament
(14./15. Februar) trommeln die GewerkschafterInnen nochmals kraeftig gegen
die geplante EU-Dienstleistungsrichtlinie. Wer bislang noch keine
Gelegenheit hatte, kann unter nachfolgender gegen die Richtlinie aktiv
werden:
http://www.gdg.at/servlet/ContentServer?pagename=GDG/Page/GDG_Index&n=GDG_0.0.6.1.9&cid=1136986077537
Fuer das p.t. Publikum das nur die Papierausgabe bezieht und nicht per
Copy&Paste obiges URL-Ungetuem in den Browser kopieren kann: Geht zu
http://www.gdg.at/, und klickt unter "Unsere Themen" auf
"Dienstleistungsrichtlinie: GPA, GdG und GdE warnen vor Sozial- und
Lohndumping"
*
Demos im richtigen Leben: Europaeische Demonstration gegen den Beschluss der
EU-Dienstleistungsrichtlinie in Strassburg vor dem EU-Parlament. Weitere
Demos in Berlin und anderen Hauptstaedten, Infos: info at attac.de,
http://www.attac.de/bolkestein http://www.attac.de/strasbourg
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12 Brasilien: Politische Impressionen
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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Brasilien:
> Politische Impressionen
Ein Reisebericht
Zehn Tage in vier brasilianischen Staedten -- Sao Paulo, Manaus, Belem, Rio
de Janeiro -- sind viel und wenig zugleich. Wer -- wie ich -- die Chance
hatte, beim 3.WSF in Porto Alegre vor drei Jahren teilzunehmen und die
Aufbruchsstimmung nach dem Wahlsieg Lulas mitbekam, wird den Unterschied zu
damals geradezu koerperlich spueren. Kaum etwas vom erfrischenden Wind, der
durch das Land ging, ist uebriggeblieben. Die einstigen Hoffnungen sind
weitestgehend auf der Strecke geblieben. Nahezu jedes Gespraech bestaetigt
dies. Aus einer Fuelle von Indikatoren moechte ich nur einen auswaehlen:
waehrend meines Aufenthaltes konnte ich nicht ein (!) Plakat oder Flugblatt
der regierenden ArbeiterInnenpartei PT registrieren ...
Fuer Freude und Hoffnung gibt es auch keinen Anlass. Die Regierung
betreibt -- da und dort "sozial abgefedert" -- neoliberale Politik und
etliche ihrer Repraesentanten sind voll in schlimme politische
Korruptionsaffaeren verwickelt. Auch individuelle Malversionen haeufen sich.
Das Leben des ueberaus breiten und armen "Sockels der Gesellschaft" hat sich
hingegen nicht wesentlich geaendert. Die Frau in dem 3 Sterne-Hotel, in dem
ich in Rio untergebracht bin, die die Zimmer reinigt, verdient im Monat bei
sechs Arbeitstagen (von 6-13:30 Uhr) heisse 420 Reales (etwa 170 Euro) und
bekommt vom "Patron" nicht mal das Essen...
Der gesetzliche Mindestlohn steht aktuell bei rund 300 Reales und die
Gewerkschaftszentrale CUT, die wesentlich zum Wahlerfolg Lulas beitrug,
fordert die ueberfaellige Anhebung auf 350 Reales. Sie bekam vom einstigen
Gewerkschaftsfuehrer Lula eine glatte Abfuhr: "Erhoehung keinesfalls vor
Mai".
Bei der Agrarreform geht nichts weiter. Die Bewegung der Landlosen MST --
mit der CUT der zweite grosse Mobilisator fuer Lula -- verschaerft zunehmend
den Ton gegenueber der Regierung -- ohne allerdings voellig mit ihr zu
brechen.
Der zentrale Begriff, der ueberall die Runde macht, und der am deutlichsten
das gegenwaertige politische Klima charakterisiert, heisst "DESENCANTO"
(Enttaeuschung). In Spanien blieben nach dem Ende der Franco-Diktatur in den
70er-Jahren die Hoffnungen auf einen tiefgreifenden gesellschaftlichen
Wandel ebenfalls unerfuellt. Stattdessen gab es nur eine mickrige
"transicion" zur formalen buergerlichen Demokratie. In Brasilien heute
liegen die Dinge aehnlich (selbstredend nicht ident!). Der grosse Wurf blieb
aus: Ernuechterung, Skepsis und Rueckzug aus der Politik sind die Folge.
Den allgemeinen desencanto bekommt auch die Linke zu spueren. Bei den noch
in diesem Jahr anstehenden Praesidentschafts- und Parlamentswahlen wird mit
einem betraechtlichen Rueckgang der Wahlbeteiligung gerechnet. Auch viele
Stammwaehler der Linksparteien werden zu Hause bleiben. Serioese
Prognosen -- veroeffentlicht etwa im "Jornal do Brasil" -- sagen wachsende
Chancen fuer "charismatische Gestalten ", sprich (Rechts)populisten, voraus.
Derzeit schaut das Wahlbarometer folgendermassen aus: 45 Prozent fuer das
buergerliche Stadtoberhaupt Sao Paulos Jose Serra (PSDP) und 42 Prozent fuer
Lula. In der angesehenen Zeitung "Folha do Sao Paulo" wurden eine Reihe von
Artikel publiziert, aus denen hervorgeht, dass zentrale Sektoren des
Grosskapitals eher an einer Neuauflage einer Regierung Lula als an einem
"Experiment Serra" interessiert sind: Lula garantiert "Stabilitaet,Ruhe und
Berechenbarkeit" -- ist das nicht eine Diktion, die auch fuer
oesterreichische/europaeische Ohren recht vertraut klingt?
In Sao Paulo hab ich die Gelegenheit an einem Seminar der Psol (Partei fuer
Sozialismus und Freiheit) teilzunehmen. Als ReferentInnen fungiern u.a. das
linkschristliche "Urgestein" Plinio Sampaio und Chico Alencar,
Bundesparlamentsabgeordneter fuer Rio. Die Stimmung ist ziemlich
realistisch. Joao Machado von der IV.Internationale schaetzt, dass bei einer
ev. Kandidatur der Psol-Senatorin Heloisa Helena in der ersten Runde der
PraesidentInnenwahl 5-7 Prozent drinnen sein koennten. Der Taxifahrer, der
mich durch Rio kutschiert, bestaetigt: "Heloise Helena verkoerpert die PT,
wie sie frueher war."
In der Nacht vor meiner Abreise nach Brasilien hoerte ich im
oesterreichischen Radio ein Interview mit Paul Singer: Vor den Nazis
geflohen und heute Minister fuer Solidarische Oekonomie in der Regierung
Lula. Singer berichtet dabei von kritischen Diskussionen in der PT, die aber
auf die Realpolitik der Regierung Lulas keinen Einfluss haben und dass er
sich um keine Aussprache mit Lula bemuehe. Nach meinem Aufenthalt in
Brasilien verstehe ich ihn nur zu gut.
*Hermann Dworczak*
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13 Mexiko: Die exzellente Alternative - von Conti zur Selbstverwaltung
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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Mexiko:
> Die exzellente Alternative
Der Weg eines Reifenwerks von Conti zur Selbstverwaltung
Am Mittwoch vergab das "Public Eye" in Davos zum ersten Mal den Positive
Award fuer erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen
Nichtregierungsorganisationen.
Einheitslohn, Selbstverwaltung und die Fabrik im Besitz der Beschaeftigten.
Vor vier Jahren haette Federico Martínez wohl nur muede gelaechelt, wenn man
ihm gesagt haette, dass er eines Tages unter solchen Bedingungen wieder in
seinem Betrieb arbeiten werde. «Es sah nicht gut aus», erinnert sich der
Maschinenmechaniker. Viele hatten das Reifenwerk Euzkadi schon
abgeschrieben.
Anfang 2002 gehoerte der Betrieb in El Salto nahe der mexikanischen Stadt
Guadalajara noch dem deutschen Konzern Continental, und der hatte das Werk
gerade aus Rentabilitaetsgruenden geschlossen. Die Mitglieder der
Betriebsgewerkschaft Sindicato Nacional Revolucionario de Trabajadores de
Euzkadi (SNRTE) traten daraufhin in einen Streik. Drei Jahre lang kaempften
sie fuer die Wiedereroeffnung, die mageren Entschaedigungsangebote lehnten
sie ab. Dann liess sich der Hannoveraner Konzern auf einen ungewoehnlichen
Kompromiss ein: Anstatt die ausstehenden Loehne zu bezahlen, ueberschrieb er
die Haelfte des Betriebs einer Genossenschaft der ArbeiterInnen. Die andere
Haelfte uebernahm der mexikanische Reifengrosshaendler Llanti Systems.
Continental verpflichtete sich zudem, in den ersten Monaten technische Hilfe
zu leisten, Rohstoffe zu guenstigen Preisen zu liefern und jaehrlich
mindestens 500 000 Reifen abzunehmen. Die mexikanische Regierung ihrerseits
verzichtete auf Steuern und half mit einer Finanzspritze von fuenfzig
Millionen Pesos (etwa sechs Millionen Franken).
«Die Angestellten haben beschlossen, dieses Angebot zu akzeptieren»,
erzaehlt Martínez. Das war die Geburtsstunde der Kooperative der Arbeiter
des Westens (Tradoc). Seit Anfang letzten Jahres betreibt Tradoc das Werk
gemeinsam mit Llanti Systems. Die meisten der 604 am Streik beteiligten
Beschaeftigten arbeiten nun wieder im Betrieb. Durch die Ueberschreibung der
ausstehenden Loehne und Entschaedigungen sind sie an der Kooperative
beteiligt. Nicht nur die Eigentumsverhaeltnisse haben sich geaendert.
Martínez, der einst Maschinen gewartet hat, repraesentiert Tradoc heute auch
nach aussen. Zudem ist er fuer Abfallentsorgung und Recycling
verantwortlich. «Die Arbeiter uebernehmen alles, auch die gesamte Planung»,
sagt Exgewerkschafter Jesús Torres Nuño. Der ehemalige SNRTE-Vorsitzende und
radikale Arbeitervertreter ist heute Mediensprecher des Unternehmens. Eine
Umstellung? «Nein, wir sind ja eher Genossenschafter als Unternehmer.» Eine
Kooperative sei fuer GewerkschafterInnen die passende Betriebsform. «Wir
fuehlen uns nicht ausgebeutet, weil der erwirtschaftete Reichtum unter allen
verteilt wird.»
Allerdings raeumt der frischgebackene Unternehmenssprecher ein, dass dieser
Reichtum bescheiden ist. «Wir sind weit entfernt von den Loehnen, die
frueher ausgezahlt wurden», sagt Torres Nuño. JedeR ArbeiterIn erhaelt 6000
Pesos (etwa 730 Franken) monatlich. «Das ist nicht viel, aber es reicht zum
Ueberleben.» Noch laesst die Produktivitaet zu wuenschen uebrig. Seit Mitte
letzten Jahres laufen in El Salto wieder Reifen vom Band, derzeit etwa 3500
taeglich. «Damit der Betrieb keine Verluste schreibt, muessen es jedoch
mindestens 5000 sein», sagt Torres Nuño. Er macht die knappen Lieferungen
des wichtigsten Rohstoffes Erdoel fuer den geringen Ausstoss verantwortlich.
Nach dem Hurrikan Katrina laegen immer noch viele Raffinerien in Texas, von
denen man das Material bezogen habe, still. Dennoch ist Torres Nuño
optimistisch: «Bis zum Jahresende werden wir bei 5000 Reifen pro Tag sein.
Wenn nicht, tragen die Arbeiter im Gegensatz zu frueher das volle
Betriebsrisiko.»
Die deutsche Continental hatte das Euzkadi-Werk im Jahr 1998 gekauft und
wollte die geltenden Tarifregelungen aushebeln. Die Arbeitszeit sollte auf
zwoelf Stunden erhoeht und die Gewerkschaftsfuehrer entlassen werden. Als
sich die Beschaeftigten wehrten, schloss der Konzern den Betrieb und setzte
alle 1164 ArbeiterInnen auf die Strasse. Ein Teil der Entlassenen
akzeptierte Entschaedigungszahlungen, etwa die Haelfte kaempfte mit der
SNRTE fuer eine Wiedereroeffnung. Ohne Einnahmen, voellig auf die Hilfe von
Familie und FreundInnen angewiesen, wurde der Kampf zum unglaublichen
Kraftakt. Dennoch blieben sie standhaft. Immer wieder reisten Delegationen
nach Deutschland, sprachen mit GewerkschafterInnen, PolitikerInnen und auf
Continental-Aktionaersversammlungen. Auch internationale Menschenrechts- und
Entwicklungsorganisationen wie Foodfirst Information and Action Network
(FIAN) und Germanwatch (s. ganz unten) setzten sich fuer die ArbeiterInnen
ein.
Mehrere mexikanische Gerichte gaben den Euzkadi-ArbeiterInnen Recht, der
Reifenmulti legte jedoch regelmaessig Rekurs ein. Das Unternehmen geriet
zunehmend unter Druck: In Deutschland erschienen kritische Presseberichte,
in Mexiko befand das hoechste zustaendige Gericht den Arbeitskampf fuer
rechtens. Die Hannoveraner wurden verpflichtet, 27 Millionen Euro (rund
vierzig Millionen Franken) Lohnrueckstaende zu zahlen. Continental musste
also verhandeln, und so einigten sich SNRTE, Llanti Systems und der Konzern
am 17. Januar 2005 auf eine Wiedereroeffnung des Werks. Bei der
Unterzeichnung war auch Mexikos Praesident Vicente Fox anwesend. Die
Vereinbarung sei eine «exzellente Alternative», um den «vermeintlichen
Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital» zu ueberwinden, meinte der
konservativ-liberale Staatschef.
Zuvor hatte sich die Regierung lange Zeit gegen den Kampf der
Euzkadi-ArbeiterInnen gestellt. Trotzdem kommt heute selbst von
Exgewerkschafter Federico Martínez kein schlechtes Wort ueber die
VerhandlungspartnerInnen. «Regierung und Continental haben sich an alle
Vereinbarungen gehalten», sagt er. Auch die Zusammenarbeit mit Llanti
Systems funktioniere reibungslos. Fuer Torres Nuño hat das
Kooperationsprojekt geradezu Modellcharakter: «Wir haben den Anfang fuer
eine Reihe von Loesungen dieser Art geschaffen, schliesslich sind in Mexiko
viele Unternehmen von der Schliessung bedroht.»
Die Einigung hatte aber noch weitere Konsequenzen. Die SNRTE galt als
wichtigste Gegnerin der von Fox geplanten Abschaffung des arbeitsrechtlichen
«Vertragsgesetzes», das bisher eine Ausweitung der Rechte transnationaler
Konzerne in Mexiko verhinderte. Von der Gewerkschaft zur Unternehmerin
konvertiert, hat die SNRTE diese Opposition aufgegeben. «Das war der Preis»,
raeumt SNRTE-Berater Enrique Gómez ein. «Aber was haetten wir anderes tun
sollen?»
Der Vorschlag eines Arbeiters, dass Llanti Systems den gesamten Betrieb
aufkauft und die SNRTE als Gewerkschaft erhalten bliebe, stiess bei Llanti
auf Ablehnung: «Als Geschaeftspartner wollen wir sie gerne, aber als
Gewerkschafter nicht.» (Wolf-Dieter Vogel, WoZ 26.1.06)
Quelle: http://www.woz.ch/artikel/newsletter/12864.html
*
Kasten:
> Public Eye Awards
In Davos wurden neben dem Positive Award gleichzeitig zum zweiten Mal auch
die Public Eye Awards an verantwortungslose Unternehmen verliehen.
• In der Kategorie Steuern bekam das US-amerikanische Grossunternehmen
Citibank den Schmaehpreis fuer seine Beihilfe zur Steuerhinterziehung und
Geldwaescherei. Der Konzern verwaltete beispielsweise geheime Konten fuer
die Familie des mittlerweile verstorbenen ehemaligen nigerianischen
Diktators Sani Abacha.
• In der Kategorie Soziales gewann das US-amerikanische Grossunternehmen
Walt Disney den Public Eye Award fuer die Arbeits- und
Menschenrechtsverletzungen in seinen chinesischen Zulieferbetrieben. Deren
Angestellte stellen unter prekaeren Bedingungen Spielwaren her.
• In der Kategorie Umwelt erhielt der US-amerikanische Oelkonzern Chevron
den Schmaehpreis fuer seine seit dreissig Jahren andauernde Verschmutzung
grosser Amazonasgebiete im Norden Ecuadors.
Das Public Eye on Davos findet alljaehrlich als Gegenveranstaltung zum World
Economic Forum (WEF) in Davos statt. Es ist ein Projekt von
Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt und wird von der "Erklaerung
von Bern" koordiniert. (WoZ/wikipedia)
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14 Im Jahr der Fussballweltmeisterschaft
Von: akin <akin.buero at gmx.at>
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Deutschland/Irak/Geheimdienst:
> Im Jahr der Fussballweltmeisterschaft
«BND-Affaere» und Menschenrechte in Zeiten des «Kriegs gegen den
Terrorismus».
«Wenn es stimmt, was die zustaendigen Stellen ueber die beiden Agenten in
Irak berichten - und es klingt auch plausibel -, dann gibt es keine
BND-Irak-Affaere, sondern nur einen neuen Versuch der CIA, das Nein
Schroeders zu diskreditieren und, wie der Aussenminister sagte, die
Geschichte umzuschreiben.» Auch bei den Zeilen Erhard Epplers, Mitglied des
Bundesvorstandes der deutschen Sozialdemokraten und Vorsitzender der
SPD-Grundwertekommission, schwang zum Wochenende noch ein Rest Zweifel mit:
Was hat der deutsche Auslandsgeheimdienst BND 2003 im Irak tatsaechlich
getrieben? Hatten zwei BND-Mitarbeiter 2003 fuer die USA Bombenziele im Irak
ausgekundschaftet? Schliesslich haben zuvor schon die Berichte ueber
Geistergefaengnisse des US-Geheimdienstes CIA in Europa und die
Verschleppung Terrorverdaechtiger zu Folterzwecken ins Ausland in der
Oeffentlichkeit Verunsicherung ausgeloest.
Mit Spannung war zu diesem Thema am Freitag die Vernehmung der beiden
BND-Mitarbeiter vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags
erwartet worden. Medien hatten zuvor berichtet, die fruehere rot-gruene
Regierung habe unter der Hand die US-Regierung im Krieg gegen das Regime
Saddam Husseins unterstuetzt. Der BND sei mitverantwortlich fuer die
Bombardierung eines Restaurants im Bagdader Stadtteil Mansur, bei der am 7.
April 2003 zwoelf Menschen starben. Nach der Anhoerung der zwei Agenten im
Parlamentarischen Kontrollgremium gab der Vorsitzende, Norbert Roettgen von
der CDU, Entwarnung: Die zwei haetten «glaubhaft» bekundet, dass der BND die
US-Truppen im Irak in keiner Weise bei Angriffen unterstuetzt hatte. Er
sprach ausdruecklich «im Namen aller Parlamentarier» - im Kontrollgremium
sitzen auch VertreterInnen der oppositionellen FDP, der Linkspartei und der
Gruenen. Die in den Medien aufgebrachten Vorwuerfe an den BND stuetzten sich
hingegen auf zweifelhafte und anonyme US-Quellen.
Von den Oppositionsparteien befinden sich die Gruenen, die Partei der
Menschen- und Buergerrechte, in einer besonderen Zwickmuehle. Sie muessen
zwar an einer Aufklaerung der Vorwuerfe interessiert sein, wollen jedoch
verhindern, dass sich die FDP und die Linkspartei dabei profilieren koennen.
Deren Ziel sei es, so Gruenen-Fraktionsvorsitzender Fritz Kuhn, eine
Schmutzkampagne gegen die fruehere rot-gruene Aussenpolitik und den jetzigen
SPD-Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zu inszenieren. Zunaechst
hatte dies jedoch anders geklungen. Joschka Fischer, der fruehere
Aussenminister, stimmte in der Gruenen-Fraktion als Einziger gegen einen
Untersuchungsausschuss zur angeblichen BND-Affaere. Die zweite
Gruenen-Fraktionsvorsitzende Renate Kuenast griff ihn darauf im
Nachrichtenmagazin «Spiegel» scharf an: «Ich gehe davon aus, dass Joschka
Fischer im Laufe der Legislaturperiode sein Mandat niederlegen wird. Damit
wuerde er auch seinen schoenen Satz, er tausche Freiheit fuer Macht ein,
endgueltig mit Leben erfuellen.» Inzwischen ist auch sie gegen einen
Untersuchungsausschuss.
Dabei gaebe es einiges, was im Zuge des «Kriegs gegen den Terrorismus» der
Aufklaerung harrt. Die «BND-Affaere» mag auf einem intriganten Nachtreten
gegen Rot-Gruen fussen. Doch die rechtsstaatlichen Verfehlungen sind keine
Erfindung profilierungssuechtiger Medien und PolitikerInnen. Deutsche Beamte
waren bei Verhoeren in Guantánamo oder in Syrien zugegen. Deutsche
Staatsbuerger wie Khaled el-Masri wurden vom CIA gekidnappt und blieben
eineinhalb Jahre verschwunden. Der Sonderermittler des Europarates, der
Schweizer Staenderat Dick Marty, spricht von 150 illegalen Verschleppungen
quer durch ganz Europa. Aufklaerungswille bei den europaeischen Staaten?
Fehlanzeige.
Auch die rot-gruene Bundesregierung erwies sich bei
Menschenrechtsverletzungen im «Krieg gegen den Terrorismus» als
Leisetreterin. Und die jetzige rot-schwarze Regierung koennte noch weiter
gehen: So will der Bundesinnenminister Wolfgang Schaeuble (CDU) auch unter
Folter im Ausland erpresste «Informationen» fuer Verfahren in Deutschland
nutzen. Der CDU-Fraktionschef Volker Kauder verbat sich zudem «im Jahr der
Fussballweltmeisterschaft» gleich jede Debatte ueber das Wirken deutscher
Geheim- und Sicherheitsdienste.
Allerdings scheint es ratsam, nicht hinter allem und jedem eine politische
Verschwoerung allmaechtiger Dienste zu wittern. Nicht jede Unterredung
Fischers mit BND-Mitarbeitern in Jordanien reicht an das Drehbuch eines
James-Bond-Films heran. Oder mit den Worten Erhard Epplers ausgedrueckt:
«Wozu unterhaelt ein Staat seinen Geheimdienst? Damit die Regierung, wenn
sie entscheiden muss, mehr weiss, als in den Zeitungen steht. Ob dies dann
wirklich so viel mehr ist, mag man bezweifeln. Willy Brandt hat einmal in
kleiner Runde gespottet, er erwaege, den BND durch ein Abonnement von ‹Le
Monde› und ‹Neuer Zuercher Zeitung› zu ersetzen.»
(Andreas Fanizadeh, WOZ 26.01.2006)
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15 [gipfelsoli] Evian
Von: gipfelsoli-l at lists.nadir.org <gipfelsoli-l at lists.nadir.org>
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Gipfelinfo - Meldungen über globalisierte Solidarität
und die Proteste gegen unsolidarische Globalisierung
------------------------------------------------------ www.gipfelsoli.org --
- Polizei vor Gericht in der Schweiz
- Saturday 4th February 2006 10am-5pm at LARC
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Polizei vor Gericht in der Schweiz
Nachdem die Schweizer Polizei beim G8-Gipfel in Evian um ein Haar zwei
Aktivisten tötete, als sie das Seil einer Kletter-Blockade-Aktion
durch-schnitten, kommt es im Februar in Nyon, CH, zum Prozess gegen
verantwortliche zwei Polizisten.Die Aubonne Support Gruppe ruft auf zur
Teilnahme am Prozess, an der vorhergehenden Party und verschiedenen Workshops
EINLADUNG:
Die Cops vor Gericht sehen, uns unterstützen, zu den Workshops kommen und feiern
Prozess gegen die für den Aubonne-"Fall" verantwortlichen Polizisten
Im Mai 2003 blockierte eine AktivistInnengruppe die Autobahnbrücke Aubonne
("Aubonnebrücke") um einer G8 Delegation den Weg zum Gipfel in Evian zu
versperren. Die Polzei durchtrennte das Kletterseil und tötete dabei beinahe
zwei AktivistInnen. Nun müssen sich der Polizist, der das Seil kappte, und sein
Vorgesetzter vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet "fahrlässige
Körperverletzung"...
Wir rufen auf zur aktiven Teilnahme an den Vorbereitungen der Kampagne, dem
Gerichtsverfahren, den gleichzeitig stattfindenden Workshops und natürlich der
Party.
Auftakt- Party in Genf - Freitag, 10. Februar
Ein positiver und kraftvoller Start zum Prozess
Wo? RHINO, Le Bistr'Ok, 24, bd des Philosophes
20.00 Uhr: Infoabend zum Aubonne-"Fall". Gezeigt wird u.a. das Video der Aktion
22.00 Uhr: PARTY mit DJ
Vorbereitung - Samstag, 11. und Sonntag, 12. Februar
Am Wochenende vor dem Prozess laden wir so viele Leute wie möglich dazu ein, bei
der Planung und Vorbereitung der folgenden Tage mitzuhelfen. Es wird sehr viel
zu tun geben, setzt euch also in Verbindung!
Die Verhandlung in Nyon - Montag, 13. bis Mittwoch, 15. Februar
Wir hoffen auf eine große (und internationale) Präsenz vor dem Gerichtsgebäude
v.a. zum Auftakt des Verfahrens (Treffpunkt Montag morgen um 8 Uhr vor dem
Gericht) und zur Urteilsverkündung (Mittwoch mittag). Außerdem wäre es gut,
wenn möglichst viele Menschen der gesamten Verhandlung beiwohnen könnten. Der
Verhandlung ist auf drei Tage angesetzt:
Montag, 13. Februar 09.00 - 14.00 Uhr, Treffen um 8h
Dienstag, 14. Februar, 09.00 - 14.00 Uhr
Mittwoch, 15. Februar, ab 09.00 Uhr
Gerichtsgebäude (gleiches wie beim letzten Mal): Tribunal d'arrondissement de la
Cote, Rte de St-Cergue 38, Nyon
Workshops in Genf, 20.00 Uhr, La Tour, 4, rue de la Tour
Sonntag, 12.2: Interaktiver, multimedialer Workshop über zum G8 von TRAPESE (
http://trapese.org) + Info über Anti-G8-Mobilisierung in Germoney
Montag, 13.2: Repression, Polizeitaktiken und -waffen von PIGBROTHER (
http://pigbrother.info)
Dienstag, 14.2: Aktivismus, Trauma und unsere Unterstützung von ACTIVIST TRAUMA
SUPPORT ( http://activist-trauma.net)
Es gibt eine begrenzte Anzahl von Pennplätzen von Freitag, 10. bis zum Mittwoch,
15. Februar. Wer einen Pennplatz benötigt, muss sich selbst ausreichend
Schlafsäcke, Decken und Isomatten mitbringen und vor allem uns vorher Bescheid
geben! Damit Unterbringung und Essen etc. funktioniert, wäre es gut, wenn sich
alle selbstorganisiert einbringen.
Für mehr Infos und zum Download von einem 8 min. Video der Brückenaktion:
www.aubonnebridge.net
Kontakt: aubonne at no-log.org
Wir erwarten keine Gerechtigkeit von dieser Gerichtsverhandlung. Es wird niemals
Gerechtigkeit geben ohne soziale und ökologische Gerechtigkeit. Gerechtigkeit
kommt niemals vom Staat. Jedes Geichtsverfahren ist ein Theaterstück mit dem
Ziel die Privilegien der Reichen und Mächtigen zu sichern.
Wir haben uns dazu entschlossen bei diesem Spiel mitzumachen um Polizeigewalt
öffentlich zu machen und ein Sand ins Getriebe des Polizeistaates zu streuen.
Zur Erinnerung:
1. Szene - Aubonne Brückenaktion (1. Juni 2003)
Die Aubonnegruppe blockiert die Autobahn Genf-Lausanne (auf der Aubonnebrücke)
durch eine Kletteraktion mit dem Ziel einem Konvoi einer offiziellen
G8-Delegation den Weg zum Gipfel in Evian zu versperren. Die Polizei trifft am
Ort des Geschehens ein, verbreitet Chaos und durchtrennt schließlich das Seil,
an dem zwei KlettererInnen hängen. Martin stürzt 23m in die Tiefe, überlebt
durch Glück, erleidet jedoch zahlreiche, schwere Verletzungen. Sein rechter
Fuss wird für den Rest seines Lebens beschädigt sein. Gesine konnte im letzen
Moment durch die schnelle Reaktion der AktivistInnen auf der Brücke gehalten
werden.
2.Szene - Gerichtverhandlung gegen die AktivistInnen (28. Juni 2004)
Die AktivistInnen werden schuldig gesprochen wegen Eingriffs in den
Strassenverkehr und der Bedrohung des Lebens der AutofahrerInnen und erhalten
Bewährungsstrafen.
3. Szene - Verfahren gegen die verantwortlichen Polizisten eingestellt (22.
Oktober 2004)
Der Untersuchungsrichter stellt, das Verfahren gegen die Polizei ein, im Prinzip
mit der Begründung die AktivistInnen seien selber Schuld. Die AktivistInnen
reichen Widerspruch gegen diese Entscheidung ein. Der Staat verweigert jegliche
Verantwortung, und Entschädigungsforderungen werden von einem rechtskräftigen
Urteil gegen die Polizisten abhängig gemacht.
4. Szene - Widerspruch stattgegeben (13. Mai 2005)
Der Rekurs wird vom höheren Gericht schließlich anerkannt, was zur Anklage führt
gegen den Polizisten, der das Seil durchtrennte, und seinen Vorgesetzen
(Einsatzleiter auf der Brücke), wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Anwalt
reicht eine Forderung ein, die Anklage auf Lebensgefährdung zu erhöhen.
5. Szene - Prozess gegen die Polizei (13. - 15. Februar 2006)
Michael Deiss (aus Schaffhausen) und Claude Poget (aus Vaud) müssen sich vor
Gericht verantworten. Angesichts der Geschichte totaler Imunität der Polizei in
der Schweiz scheint es unwahrscheinlich, dass die Angeklagten schuldig
gesprochen werden. Für den Fall, dass sie doch verurteilt werden, wird es nur
zu geringen Strafen kommen, wie Geldstrafen oder kurze Haftstrafen auf
Bewährung.
Es gab eine große Zahl von Solidaritätsaktionen und sehr viel Unterstützung von
so vielen Menschen, sowohl nach dem Brücken-Fall, als auch während der Prozesse
gegen uns... eine riesengroßes Dankeschön an alle!!!
[indymedia.de, von Aubonne Support Gruppe - 29.01.2006 23:50]
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Saturday 4th February 2006 10am-5pm at LARC
The Activist Trauma Network is organising a day of discussion and networking for
all who are involved in promoting practical mutual support in activist,
campaigning and community groups. This is an ever expanding area, as political
work of any kind can be extremely demanding on every level. Many, but not all
of us, became involved in this work by having first hand experience of trauma
related to activism, police brutality, burn-out, stress-related physical
illness and mental health issues. We are planning to discuss our own chosen
work in these areas and expand on ideas we may have for projects, make new
contacts and give/receive constructive feedback.
Workshops include:
* An introduction to the Activist Trauma Network.
* "Are we well enough ourselves to do this work?" Discussion.
* "Supervision: what is it"
* "Dealing with the mental health system"
* "How can we improve the activist-trauma website?"
Please note: This is not a therapeutic event; unfortunately there will be no
space for sharing our personal trauma on the day.However, we have plans to do
this in the future, so come along if you would like to make it happen.
People are encouraged to come for the whole day.
www.activist-trauma.net
Venue:
London Action Resource Centre (LARC), 62 Fieldgate Street, Whitechapel, London
E1 1ES. 0207 377 9088 www.londonarc.org
(Main meeting space is wheelchair accessible).
Vegan lunch provided - do bring vegan food to share if you want!
This event is free; any donation for the space and food will be appreciated.
We are going for a cheap local curry in the evening.
If you are coming please email: activist_trauma at riseup.net
[activist_trauma at riseup.net]
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gipfelsoli infogruppe
Newsletter mit Nachrichten über Mobilisierungen, Debatten und Repression im Zusammenhang mit Gipfelprotesten.
Die AutorInnen der Beiträge, so sie nicht von uns verfasst sind, sind mit eckigen Klammern versehen.
Wir können leider keine Verantwortung für die Richtigkeit der Beiträge übernehmen. Auch geben die Beiträge
nicht zwangsläufig unsere Meinung wieder.
Mehr Infos und Texte sowie ein öffentliches Archiv des Newsletters unter www.gipfelsoli.org.
Kontakt, Kritik, Beiträge: gipfelsoli at nadir.org
gipfelsoli mailinglist subscribe - unsubscribe
https://lists.nadir.org/cgi-bin/mailman/listinfo/gipfelsoli-l
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16 23. ILGA-Weltkonferenz in Genf 27. M ä rz - 3. April 2006
Von: Kurt Krickler <Kurt.Krickler at hosiwien.at>
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ILGA-Weltkonferenz in Genf
Nach fast dreijähriger Pause wird die Internationalen Lesbian and Gay Association (ILGA) wieder eine Weltkonferenz abhalten, und zwar vom 27. März bis 3. April 2006 in Genf. Gastgeber dieser mittlerweile 23. Weltkonferenz werden verschiedene Schweizer Lesben- und Schwulenorganisationen sein.
So nahe für österreichische TeilnehmerInnen ist die Weltkonferenz seit neun Jahren nicht mehr gewesen. Und wahrscheinlich wird es wieder einige Zeit dauern, bis die ILGA-Weltkonferenz wieder in Europa stattfinden wird. Daher stellt die Genfer Konferenz eine einmalige Gelegenheit dar, sich mit Lesben- und SchwulenaktivistInnen aus der ganzen Welt zu vernetzen.
Wer sich bis 15. Februar anmeldet, bekommt 10 % Rabatt! Alle weiteren Infos unter auf dem Konferenz-Website, auch auf deutsch unter:
http://www.ilga-world-conference-2006.ch
Kurt Krickler
Generalsekretär
Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien – 1. Lesben- und Schwulenverband Österreichs
Novaragasse 40, 1020 Wien
www.hosiwien.at
Tel. privat: (01) 545 13 10; 0664 57 67 466
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B) TERMINE
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Mittwoch
http://www.mund.at/butt/Termine/Februar/0102.htm
Donnerstag
http://www.mund.at/butt/Termine/Februar/0202.htm
Freitag
http://www.mund.at/butt/Termine/Februar/0302.htm
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D) EDITORIAL
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Für den Inhalt verantwortlich: Ihr.
Medieninhaberinnen & Medieninhaber seid Ihr
E-Mail-Adresse für Beiträge: widerstand at no-racism.net geschickt.
widerst at nd MUND und alle Termine täglich aktualisiert im Web:
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Ziel von MUND (medienunabhängiger Nachrichtendienst) ist die
unzensurierte und möglichst rasche Information über gesellschafts-
politisch relevante Termine, Hinweise und Diskussionsbeiträge zu
Widerstand und Antirassismus sowie verwandte Themen.
sollen einen Titel, Namen und Emailadresse der/des AutorIn
enthalten und möglichst kurz und prägnant gehalten sein, ev. mit
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Bitte keine Attachments!
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jeweiligen AutorIn bzw. jenen, die uns die Beiträge schicken.
Der MUND wird von einzelnen TagesredakteurInnen zusammengestellt.
Da Fehler nicht ausgeschlossen sind, bitten wir, nicht veröffentlichte
Beiträge nochmals an widerstand at no-racism.net zu senden.
Die Weiterleitung (auch auszugsweise) ist erwünscht.
Beiträge mit rassistischen oder sexistischen Inhalten werden nicht
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veröffentlichen.
Die bisherigen Ausgaben sind unter http://www.no-racism.net/MUND
archiviert.
Terminankündigungen bitte nach folgender Vorlage:
* Wann: Sonntag, 11.11.2001, 11:11 Uhr *
* Was: Maskenball: Motto "Schwarzblau ist die Haselnuss" *
* Wo: Villa Morgenrot, Grüner Anger 42, 2001 Wendendorf *
* Kommentar: Anreise per Anhalter. Maskenzwang. Ende nie.
Aber kurz und prägnant.*
Die Rubrik "Redaktionelles" am Ende der Ausgabe ist u.a. eine
Konsequenz aus der Notwendigkeit, sexistische, antisemitische und
rassistische Beiträge nicht zu veröffentlichen, ohne jedoch
stillschweigend Zensur zu üben.
Hier wird - in anonymisierter Form - auf angehaltene Beiträge
hingewiesen und eine kurze Begründung der Tagesredaktion für die
Nichtaufnahme geliefert.
(Weitere Gründe einen Beitrag nicht aufzunehmen sind
z.B.: Attachments, kein erkennbarer Bezug zu den breit gestreuten
Themen des MUND, Werbesendungen, sinnlose Kettenbriefe.)
Die AbsenderInnen der betroffenen Beiträge werden hiervon informiert.
Im Sinne einer "gläsernen Zensur" könnt ihr Euch die Beiträge gerne
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REDAKTIONELLES:
Diese Ausgabe hat Heinz Nessizius aus Einsendungen an
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6 beiträge nicht drin: nwr, unaktuell, inhaltsleer
Redaktionsschluss für diese Ausgabe: Mi 5.00 Uhr
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ü, ö, ä, ß, Ü, Ö, Ä
III*III*III*III*III*III*III*III III*III*III*III*III*III*III*III*III*III
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Best regards,
Heinz mailto:heinz at nessizius.com