widerst at nd! - MUND: Samstag, 23.12.2006
MUND: medienunabhängiger Nachrichtendienst
analle at no-racism.net
Fr Dez 22 23:47:43 CET 2006
widerst at nd MUND: medienunabhängiger Nachrichtendienst
www.no-racism.net/mund
MedieninhaberInnen seid Ihr!
Samstag, 23.12.2006
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A) INHALT
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AKTIONEN UND ANKÜNDIGUNGEN
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01 Ab 19.1.: The Politics of Culture: Re-engaging Uli
ursprung <ursprung at mur.at>
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MELDUNGEN UND KOMMENTARE
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02 Situationisten über Israel
Café Critique <cafe.critique at gmx.net>
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03 GLB/Einkommen/Frauen/Verlust/Mindestlohn/Lohnpolitik
"Gewerkschaftlicher Linksblock" <office at glb.at>
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04 Eingebildete Krankheit?-Omar Al-Rawi im Heutigen STANDARD
"Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen" <dieinitiative at gmx.at>
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05 NIL-Weihnachtsshop, Freitag, 22.12., Eröffnung
Veronika Dreier <office at veronika-dreier.net>
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06 KPÖ/Mindestsicherung/Züchtigungsprogramm/Umverteilung
KPÖ-Information <info at kpoe.at>
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07 KPÖ/Bundesheer/Auslandseinsätze/SPÖ/Neutralität
KPÖ-Information <info at kpoe.at>
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08 Presseinformation - Erneute Blockade der Probebohrungen in der Lobau
GO Resistance for Peace <office at resistanceforpeace.org>
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09 grüne andersrum: frohe tage und eine kleine bitte
"Andersrum Wien" <andersrum.wien at gruene.at>
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10 Frohe Weihnachten und Frieden fuer 2007
"Alois Reisenbichler - Stadtteilzentrum Simmering"
<verin.stadtteilz.simmering at chello.at>
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11 Weihnachten 2006
<office at asyl-in-not.org> Asyl in Not
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12 Wünsche - Deseos
"lefoe info" <info at lefoe.at>
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13 Weihnachtswünsche
Verein Maiz <maiz at servus.at>
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14 Feiertagswünsche
"HOSI Linz" <ooe at hosilinz.at>
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SOLIDARITÄT WELTWEIT
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15 Heiligendamm
Öffentlicher Verteiler der Gipfelsoli-Infogruppe
<gipfelsoli-l at lists.nadir.org>
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16 Mosambik-Info 42, 21.12.2006
"Peter Pils" <peter-pils at chello.at>
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17 ASt - Venezuela: Chavez gewinnt zum dritten Mal und verspricht eine
"Sozialistische Revolution"
ASt-LFI <ast-lfi at gmx.net>
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18 Deutschland soll christliche Flüchtlinge aufnehmen!
"GFBV Hans Bogenreiter" <hans.bogenreiter at gfbv.at>
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LINKS / VERWEISE / HINWEISE
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19 REVOLUTION startet INTERNETRADIO!
ASt-LFI <ast-lfi at gmx.net>
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20 Madonna, prostitute, and merry X-mass
Jens Galschiøt <aidoh at aidoh.dk>
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21 Zypern-Broschüre
"agm" <agm at agmarxismus.net>
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B) TEXTE
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AKTIONEN UND ANKÜNDIGUNGEN
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01 Ab 19.1.: The Politics of Culture: Re-engaging Uli
ursprung <ursprung at mur.at>
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The Politics of Culture
Re-engaging Uli
Nigerianische Kunst, diesmal wirklich in Graz: Das im Oktober
aufgrund der abgelehnten Visa-Anträge gescheiterte Projekt mit
der Pendulum Art Gallery (Lagos, Nigeria) kann nun im Jänner
endlich in Graz "landen" - mit einer Ausstellung, Vorträgen und
Workshops von: Krydz Ikwuemesi, Ndidi Dike, Angela Udeani Nkem,
Okechukwu Nwafor, Peter Areh, einer Videodokumentation des
kollektiven Prozesses klassischer Uli-Malerei und ausgewählten
Arbeiten traditioneller Uli-Malerinnen
Workshops Fr 19. 1. - So 21. 1. von 10:00 - 17:00 Uhr
Nach einer Einführung in Tradition, Techniken und Symbolik
klassischer nigerianischer Uli-Malerei* werden gemeinsam mit der
renommierten Künstlerin Ndidi Dike (www.ndididike.com/) und dem
Theoretiker, Maler und Kurator C. Krydz Ikwuemesi (www
.heavensgate-ng.com/) in einem mehrtägigen Workshop u.a. Wände im
Kunstraum BAODO im NIL bemalt. Auf Basis der dabei gewonnenen
Erfahrungen werden die Prinzipien der Uli-Malerei aus moderner
bzw. postmoderner Perspektive reflektiert, und in einer zweiten
Workshopphase auf Leinwand, Papier und anderen Materialien
weitergeführt. Der Arbeitsverlauf im Workshop wird durchgehend
dokumentiert, die bemalten Wände im NIL bleiben als permanente
Installation öffentlich zugänglich.
Vorträge: Do 25. Jänner 18:00 Uhr:
C. Krydz Ikwuemesi und Peter Areh: "Uli: History, Essence and
Prospects" Der Vortrag ist in Englisch, wird jedoch
zusammenfassend ins Deutsche übersetzt.
Vernissage: Do 25. Jänner um 20:00 Uhr
Arbeiten von Krydz Ikwuemesi, Ndidi Dike, Angela Udeani Nkem,
Okechukwu Nwafor, Uche Okeke, Obiora Udechukwu, Nneka Onwudinjo,
Joseph Eze, Tayo Adenaike sowie einer Auswahl der im Workshop
entstandenen Arbeiten der TeilnehmerInnen.
Ausstellungsdauer: 26. Jänner - 14. Februar 2007, DI - SO 14:00 -
18:00 Uhr
Ort: ESC, Jakoministrasse 16, 8010 Graz
Last-minute Geschenkidee: Workshopgutscheine für den dreitägigen
Uli-Workshop zum Sonderpreis von Eur 70,- (inkl. Materialkosten)
Kann bis 23. 12. 24:00 Uhr bestellt werden und wird umgehend via
email ausgefüllt an die gewünschte Adresse gepostet.
Uli: Vor der Christianisierung Nigerias war die Malerei Frauen
vorbehalten: In einem gemeinsamen, kollektiven Prozess bemalten
sie die Außenwände von Schreinen, Wohnhäusern und anderen
öffentlichen Gebäuden. Diese abstrakte, symbolische Malerei
("Uli") wurde auch als Körperbemalung appliziert und ersetzte vor
der Europäisierung die Kleidung. Elemente davon beeinflussten und
befruchteten die Arbeiten von europäischen Künstlern wie Picasso,
während sich zeitgleich an ihrem Entstehungsort deren Untergang
ankündigte. In den letzten Jahren begann jedoch auch in Nigeria
eine Wiederentdeckung von Uli: zeitgenössische KünstlerInnen
setzen sich intensiv mit dieser Tradition auseinander und lassen
sich davon inspirieren - in der Malerei, Skulptur, aber auch im
Produkt- und Stoffdesign, in Performance und Musik. Die Pendulum
Art Gallery in Lagos dokumentierte 2003 die Arbeit der noch
lebenden Uli-Künstlerinnen und konzipierte eine Ausstellung, in
der diese traditionelle Malerei mit den Arbeiten zeitgenössischer
afrikanischer KünstlerInnen kontrastiert wird.
Eine Veranstaltung des Afro-Asiatischen Instituts Graz in
Zusammenarbeit mit "The Syndicate" (Eva Ursprung, Klaus
Schrefler), ESC, Kunstraum BAODO im NIL und der Pendulum Art
Gallery (Lagos) zum Auftakt von Crossing Cultures 06/07.
"Crossing Cultures" - das Laboratorium für interkulturelle
Kooperationen mit den Ländern des Südens in der Steiermark.ist
eine innovative künstlerische Arbeits- und Begegnungsplattform
des Afro-Asiatischen Instituts Graz.
http://syn.mur.at
Wir danken dem Land Steiermark Kultur. und dem Kulturamt der
Stadt Graz sowie allen KooperationspartnerInnen
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MELDUNGEN UND KOMMENTARE
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02 Situationisten über Israel
Café Critique <cafe.critique at gmx.net>
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Französische Avantgardisten und der Zionismus
Die Situationisten über Israel
von Stephan GRIGAT
(erschienen in David, Nr. 71, 2006; http://david.juden.at/)
Erinnert man heute an die 68er-Bewegung, kommt die Sprache
schnell auf die Ereignisse des Pariser Mai, in dem die
französischen Studenten und Arbeiter das Land an den Rand einer
revolutionären Situation brachten. Wenig bekannt ist hingegen,
wer die geistigen Wegbereiter dieser Ereignisse waren. An
zentraler Stelle sind hier Guy Debord und die "Situationistische
Internationale" (SI) zu nennen. Debord war Vordenker dieser
Intellektuellengruppe, über die in den letzten zehn Jahren auch
einige Bücher auf Deutsch erschienen sind. In der Regel
beschränkt man sich auf ein Abfeiern Debords als autonomen
Intellektuellen und würdigt die sowohl kunst- als auch
politavantgardistischen Leistungen der SI. Ihre Einschätzungen zu
Israel werden hingegen kaum zur Kenntnis genommen.
Der Zionismus und Israel waren weder für die SI noch für Debord
ein zentrales Thema. Dennoch gibt es einige Äußerungen dazu. Die
Unterschiedlichkeit dieser Äußerungen weist gewisse Parallelen
zur Entwicklung der deutschsprachigen Linken auf, die sich von
einer prozionistischen Nachkriegslinken hin zu einem
antizionistischen Hetzkollektiv in den 1970er Jahren
transformierte. Die anfänglichen Äußerungen der SI zu Israel
zeugen keineswegs von einer hasserfüllten Ablehnung des
zionistischen Staatsgründungsprojekts, sondern setzen sich zum
einen durchaus wohlwollend mit der Kibbutz-Bewegung auseinander
und versuchten zum anderen eine linkskommunistische Kritik am
damals in Israel bestimmenden sozialdemokratischen und
linkssozialistischen Arbeiterzionismus zu formulieren. Hier ist
keineswegs von einem antisemitisch konnotierten Antizionismus zu
sprechen, sondern es handelt sich sowohl um eine
universalistische als auch eine innerisraelische Kritik, da
einige dieser frühen Ausführungen von einem israelischen Mitglied
der SI stammen: Jacques Ovadia, der Israel 1960 als "country in
the making" charakterisierte. Spätestens während des Sechs-Tage-
Kriegs fand jedoch auch die SI, zu der Ovadia auf Grund seines
Austritts 1961 nicht mehr gehörte, zu jenem unreflektierten
Antizionismus, wie er seit dem für große Teile der Linken
charakteristisch ist.
Die Schrift, in der das am deutlichsten wird, unterscheidet sich
aber dennoch grundlegend vom ordinären Antiimperialismus der
vermeintlich radikalen wie der reformistischen Linken und
insbesondere auch von Dieter Kunzelmanns Nationalsituationismus
mit seinem offen artikulierten Antisemitismus. In "Zwei lokale
Kriege", einem Text der im Oktober 1967 in der 11. Nummer des
Organs der SI erschien und vermutlich von dem aus Tunesien
stammenden Mustapha Khayati verfasst wurde, werden der
Vietnamkrieg und der Sechs-Tage-Krieg untersucht. Auch in diesem
Text ist linkskommunistische Kritik am sozialdemokratischen und
linkssozialistischen Arbeiterzionismus mit seinen
realsozialistischen Erscheinungsformen wie etwa der
Einheitsgewerkschaft Histadrut zentrales Anliegen. Er beginnt mit
einer Kritik am antiimperialistischen Bedürfnis, das über jede
Regung im Trikont entzückt ist, und sich für jede Form
bewaffneter Auflehnung begeistert, so die Antiimperialisten in
Europa sie nur nicht selbst betreiben müssen. Khayati macht sich
über das manichäische Denken des europäischen Antiimperialismus
lustig, liefert eine knappe Kritik der leider bis heute hoch im
Kurs stehenden Lenin´schen Imperialismusvorstellung und
formuliert seine Kritik an der US-Außenpolitik nicht, wie man das
gegenwärtig kennt, aus einem antiamerikanischen Ressentiment
heraus.
Auch die Äußerungen in Bezug auf Israel unterscheiden sich
deutlich von jenen offen antisemitischen Pamphleten, wie sie kurz
darauf in der deutschsprachigen Linken Mode werden sollten.
Dennoch: Man merkt schon an der Sprache, dass es hier nicht mehr
um eine wohlwollende Kritik an Fehlentwicklungen in einer
Gesellschaft geht. So ist in "Zwei lokale Kriege" beispielsweise
nicht von notwendigen Maßnahmen der Israelis zum Zwecke des
Selbstschutzes die Rede, sondern von der israelischen
"imperialistischen Expansion". Aus der Diskriminierung der
arabischen Israelis wird flugs eine "rassistische Verfolgung" und
die Proklamation des jüdischen Staates, die immerhin nach einem
UNO- Beschluss und in Übereinkunft mit der institutionalisierten
Weltgemeinschaft erfolgte, wird zum "willkürlichen" Akt
umgelogen.
Die SI spricht dem Zionismus jedes revolutionäre Potential ab.
Der bürgerlich-revolutionäre Charakter Israels, der gerade in
seinem zionistischen Charakter begründet liegt, wird bei ihnen
ebenso wenig thematisiert wie die zwar ungewollte, aber doch
offensichtliche Nähe des Zionismus zu Walter Benjamins
Vorstellungen einer negativen Geschichtsphilosophie und der
Revolution als Akt einer "rächenden Klasse". Diese Ignoranz ist
nur möglich durch die völlige Ausblendung der Shoah. Der
Vernichtungsantisemitismus verschwindet bei der SI hinter
allgemein reaktionären Entwicklungen, wenn sie schreiben: "Gewiß
hat ihm (dem Zionismus, S. G.) die konterrevolutionäre
Entwicklung im letzten halben Jahrhundert recht gegeben, aber auf
dieselbe Art wie die Entwicklung des europäischen Kapitalismus
Bernsteins reformistischen Thesen recht gab."
Wenn man unter einer revolutionären Lösung die Etablierung der
staaten- und klassenlosen Weltgesellschaft versteht, hat die SI
im gewissen Sinne recht, wenn sie schreibt, dass die zionistische
Bewegung von Anfang an "das Gegenteil einer revolutionären Lösung
dessen (war), was man die Judenfrage nannte." Nur stand genau
solch eine revolutionäre Lösung 1945 nicht auf der Tagesordnung,
schon gar nicht im arabischen Raum, in dem sich die
klerikalfaschistischen, monarchistischen und pan-arabistisch
sozialistischen Regimes und Gruppierungen vielmehr anschickten,
den nationalsozialistischen Antisemitismus samt seines
Vernichtungsprojektes unter veränderten Bedingungen fortzuführen.
Zu welchen fatalen Konsequenzen die Ignoranz gegenüber der
antisemitischen Ideologie führt, wird deutlich, wenn man jene
Passagen aus "Zwei lokale Kriege" liest, die sich mit der
Situation im palästinensischen Mandatsgebiet vor der israelischen
Staatsgründung befassen. Die pogromartigen Ausschreitungen der
arabischen gegen die jüdische Bevölkerung in den 1930er Jahren
fungiert bei ihnen als "bewaffneter Aufstand", der
glücklicherweise gegen das anfängliche Zögern der arabisch-
nationalistischen Führer angezettelt worden sei.
Das Scheitern dieses zugleich antikolonialen wie antisemitischen
Aufstandes, der, wäre er erfolgreich gewesen, vermutlich die
Vernichtung der europäischen Juden um die Ermordung jener im
Nahen Osten ergänzt hätte, und der zudem eine frühere Gründung
eines jüdischen Staates in Palästina, als dieser noch Millionen
von Menschen das Leben hätte retten können, maßgeblich behindert
hat, das Scheitern dieses Aufstandes also bezeichnet die SI als -
"Katastrophe". So ist es auch kein Wunder, dass sich die SI 1967,
knapp sechs Jahre vor einer Situation in der die Israelis eine
abermalige Massenvernichtung im Jom Kipur-Krieg nur noch durch
massive US-amerikanische Militärhilfe abwenden können, dafür
ausspricht, den israelischen Staat von einer "revolutionären
arabischen Bewegung" "auflösen" zu lassen, also wohlgemerkt nicht
von einer jüdisch-revolutionären oder wenigstens einer jüdisch-
arabisch revolutionären. (Gerhard Hahnloser unterschlägt all dies
bei seiner Diskussion von "Zwei lokale Kriege" und attestiert der
SI im "Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte" "die genaue
und schonungslose Kritik des despotischen, antiemanzipativen
Charakters der propagierten "arabischen Einheit'" sowie eine
"geschichtsbewußte Kritik des Zionismus.")
In diesen Punkten kann heutige Gesellschaftskritik von Debord und
der SI nichts lernen, an nichts anknüpfen; da gibt es nichts zu
retten. Der Antisemitismus tritt als eine allumfassende
Welterklärung auf. Er ist die denkbar barbarischste
Reaktionsweise auf den Zwang zu Kapitalproduktivität und
Staatsloyalität und zugleich die weitestgehende
Einverständniserklärung mit diesem Zwang. Der Antisemitismus,
auch in seiner geopolitischen Reproduktion als Antizionismus, ist
der Todfeind der Emanzipation. Ob eine Beschäftigung mit der
situationistischen Kritik zu seiner Bekämpfung wird beitragen
können, ist ausgesprochen fraglich. Vor allem deswegen, - und das
markiert einen deutlichen Unterschied zur Kritischen Theorie von
Autoren wie Adorno und Horkheimer - da bei den Situationisten
jene Fragen, die in heutigen Auseinandersetzungen zentral sind,
wie das Verhältnis von Zivilisation und Barbarei, die Bedeutung
des Nationalsozialismus für die Kritik der postnazistischen Welt,
die Rolle des arabischen und islamischen Antisemitismus, gar
keine Rolle gespielt haben.
In "Zwei lokale Kriege" schreibt die SI im Hinblick auf den
arabisch- israelischen Konflikt: "Wie immer kann der Krieg - wenn
er kein Bürgerkrieg ist - den Prozeß der sozialen Revolution nur
einfrieren." Mit der Rede vom "Einfrieren der Revolution" hat die
SI natürlich Recht, und sie unterscheidet sich auch in diesem
Punkt wohltuend vom aktuellen geschichtsrevisionistischen
Pazifismus mit seiner abstrakten Kriegsgegnerschaft. Die Frage,
die sich hier aber aufdrängt ist doch: war nicht die alliierte
Gewalt gegen Deutschland nicht nur Bedingung für das Beenden des
Mordens, sondern auch für die Herstellung von Zuständen, in denen
die Emanzipation zumindest wieder als denkmöglich erscheint,
Geschichte also nicht zum Stillstand gekommen ist?
Daran anschließend stellt sich die Frage, ob die Konstellation,
dass nur noch eine militärische Intervention von außen dem
perspektivlosen Morden Einhalt gebieten kann, und die
Grundbedingungen sozialer Emanzipation - sei es intendiert oder
contre coer - wieder herstellen kann, keine einmalige
Angelegenheit in der Weltgeschichte war. Man denke nur an den
Einmarsch vietnamesischer Truppen in Pol Pots Kambodscha oder den
Sturz Idi Amins durch Truppen des dissoziationssozialistischen
Tansania.
Diese Ereignisse konnte die SI bei der Niederschrift von "Zwei
lokale Kriege" selbstverständlich noch nicht kennen. Für die
aktuellen Debatten sollte man sie aber im Auge behalten,
insbesondere im Hinblick auf die Notwendigkeit des militärischen
Sturzes der trikontinental-faschistischen Baath-Diktatur im Irak
und einer möglichen zukünftigen Intervention im
klerikalfaschistischen Iran, bei der in erster Linie zu fordern
wäre, dass Israel nicht alleine die Lasten solch einer zur
Verhinderung der Aufstockung des iranischen
Vernichtungspotentials mit Nuklearwaffen eventuell notwendigen
Intervention zu tragen hat.
Ein ausführlicher Artikel zum Thema findet sich in dem Band:
Stephan Grigat/ Günther Friesinger/ Johannes Grenzfurthner (Hg.):
Spektakel - Kunst - Gesellschaft. Guy Debord und die
Situationistische Internationale. Verbrecher-Verlag, Berlin 2006, 250
Seiten, 14,- Euro
Termine:
11. 1. 2007
Wien, 19:30
"Kosmopolitische Demokratie" vs. "unilaterale Weltordnungspolitik"
Vortrag von Alex Gruber
NIG, 1., Universitätsstr. 7, HS III
20. 1. 2007
Oberhausen
13:00: German Djihad - deutsch-amerikanische Beziehungen seit 1945
Vortrag von Stephan Grigat
15:00 Nie wieder Deutschland - Woher kommen und was wollen die
Antideutschen?
Vortrag von Stephan Grigat
17:00 Aufstand der Anständigen - Antifaschismus als konformistische
Rebellion
Vortrag von Bastian Assion
Druckluft Oberhausen, Am Förderturm 27
22. 1. 2007
Bonn
Israel nach dem Libanonkrieg
Vortrag von Stephan Grigat
23. 1. 2007
Köln, 19:00
Antisemitismus und Islamismus
Vortrag von Stephan Grigat
Hörsaal XXIII im Hauptgebäde der Uni Köln
veranstaltet von der Fachschaft Philosophie an der Uni Köln
______________
Café Critique
Verein für Gesellschafts- und Kulturkritik
Wickenburggasse 16/5
A-1080 Wien
Email: cafe.critique at gmx.net
Web: http://www.cafecritique.priv.at
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03 GLB/Einkommen/Frauen/Verlust/Mindestlohn/Lohnpolitik
"Gewerkschaftlicher Linksblock" <office at glb.at>
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Pressedienst des Gewerkschaftlichen Linksblocks (GLB), Hugogasse 8,
A-1110 Wien - Telefon +43 664 61 45 012 oder +43 1 53 444-308 -
Mail office at glb.at - Web www.glb.at - Ausgabe vom 21. Dezember
2006
Rechnungshof-Bericht über Einkommen ist vernichtende Kritik an
Lohnpolitik des ÖGB
Gesetzlicher Mindestlohn und offensive Lohnpolitik notwendig
Die Feststellungen des Rechnungshofes über das Auseinanderklaffen
von Männer- und Fraueneinkommen und den gleichzeitigem
Kaufkraftverlust der kleineren und mittleren Einkommen in den
letzten sieben Jahren sieht die Fraktion Gewerkschaftlicher
Linksblock im ÖGB (GLB) als Bestätigung sowohl für einen
gesetzlichen Mindestlohn als auch für die Notwendigkeit einer
offensiveren Lohnpolitik der Gewerkschaften.
"Wenn Frauen mit durchschnittlich 15.877 Euro
Jahresbruttoeinkommen um 40 Prozent weniger verdienen als Männer
mit 26.630 Euro, ist das ganz wesentlich der Prekarisierung
geschuldet, die mit dem von der schwarzblauen Regierung anstelle
des Karenzgeldes eingeführten Kindergeld massiv verstärkt wurde",
meint GLB-Bundesvorsitzende Karin Antlanger. 89 Prozent aller
Teilzeitbeschäftigten sind Frauen, überwiegend nicht aus freien
Stücken, sondern weil sie keine Vollzeitbeschäftigung mehr
erhalten. Während weibliche Beamte 91 Prozent der Männereinkommen
verdienen, sind es bei Angestellten nur 50 und bei Arbeitern nur
445 Prozent.
Das Zurückbleiben der Frauen resultiert auch daraus, dass vor
allem typische Frauenbranchen besonders niedrige
kollektivvertragliche Mindestlöhne aufweisen: Derzeit gibt es in
49 Branchen in Österreich kollektivvertragliche Mindestlöhne
unter tausend Euro brutto, in zwanzig davon sogar unter 900 Euro.
Die niedrigsten Mindestlöhne gibt es für FriseurInnen (600),
ZeitungszustellerInnen (670), SkilehrerInnen (683) und
FußpflegerInnen (705). Hingegen gibt es in der Metallindustrie
bereits einen Mindestlohn von mehr als 1.300 Euro.
Daher tritt der GLB für einen gesetzlichen Mindestlohn von 1.300
Euro brutto für alle Vollzeitarbeitsverhältnisse bzw. acht Euro
pro Stunde bei Teilzeitarbeit ein und verweist darauf, dass es
bereits in 18 der 25 EU-Länder solche gesetzliche Mindestlöhne
gibt. Von vergleichbaren Ländern gibt es in Luxemburg (8,69 Euro
pro Stunde), Frankreich (8,03), den Niederlanden (7,96),
Großbritannien (7,80), Irland (7,65) und Belgien (7,48) solche
Mindestlöhne. In Deutschland wird von Gewerkschaften und der
Linkspartei.PDS ein Mindestlohn von acht Euro pro Stunde
gefordert. Österreich als eines der reichsten EU-Länder - das
mittlerweile beim Bruttoinlandsprodukt auch die Schweiz überholt
hat - ist hingegen trotz seit Jahren anhaltender Diskussionen von
Bundesregierung und Sozialpartnern noch weit von einem
vergleichbaren Mindestlohn entfernt.
Diese Forderung ist auch im Zusammenhang mit dem Kaufkraftverlust
der mittleren und kleinen Einkommen zu sehen: Von 1998 bis 2005
sind die Jahreseinkommen im gesamten Durchschnitt zwar nominell
von 19.430 auf 21.604 Euro brutto unter Berücksichtigung der
Inflation real um zwei Prozent gesunken, jene der ArbeiterInnen
jedoch um neun Prozent und jene des niedrigsten Zehntels sogar um
16 Prozent.
Die Feststellungen des Rechnungshofes sind aber auch ein
vernichtendes Urteil über die Lohnpolitik des ÖGB in den letzten
Jahren: "Aus einer antiquierten sozialpartnerschaftlichen
Unterordnung unter die Standortlogik der Unternehmer haben die
Gewerkschaftsführungen durch eine gezielte Demobilisierung der
Lohnabhängigen darauf verzichtet, den möglichen und notwendigen
Anteil an der enorm steigenden Produktivität in Form
entsprechender Lohnerhöhungen herauszuholen", kritisiert Karin
Antlanger. Die Kehrseite des Verzichts auf die Durchsetzung eines
entsprechenden Produktivitätsanteils bei den KV-Verhandlungen
sind explodierende Gewinne vor allem der großen Banken und
Konzerne.
Der GLB fordert daher die ÖGB-Führung auf, entsprechenden Druck
auf die beiden Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP für die rasche
Durchsetzung eines gesetzlichen Mindestlohnes auszuüben. Die
Durchsetzung eines solchen würde auch einen kräftigen Impuls für
die seit Jahren lahmende Inlandsnachfrage bedeuten. Ebenso ist
eine wesentlich offensivere Lohnpolitik des ÖGB notwendig.
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04 Eingebildete Krankheit?-Omar Al-Rawi im Heutigen STANDARD
"Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen" <dieinitiative at gmx.at>
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DER STANDARD, 21.12.2006, Seite 31, Kommentar der anderen
Eingebildete Krankheit?
Betrifft: "Das Problem mit der 'Islamophobie'" von Hans Rauscher,
Standard, 19. 12. 2006
Selbstverständlich müssen auch wir Muslime uns von fehlgeleiteten
Tendenzen in eigenen Reihen und radikalem Gedankengut befreien
und emanzipieren. Islamophobie aber nur auf den "klassischen"
Bereich des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit zu reduzieren,
entspricht nicht ganz der Realität. Überall, wo man mit
Klischees, Verallgemeinerungen und Vorurteilen agiert, ist man
von dieser "Phobie" nicht weit entfernt. Was insbesondere dann
problematisch wird, wenn sie in staatlichen Institutionen
auftritt.
Wenn etwa in Baden-Württemberg muslimische Anwärter auf die
deutsche Staatsbürgerschaft anders behandelt werden als Nicht-
Muslime, dann hat diese Ungleichbehandlung schon mit der
religiösen Zugehörigkeit zu tun. Wenn in deutschen Schulen
Lehrer/innen mit großen Schmuckkreuzen, einer Kippa oder
Nonnentracht unterrichten dürfen, aber nicht mit einem Kopftuch,
dann sind nun einmal nur Muslime betroffen. Und wenn eine
Pharmazeutin in Österreich ihr Studium mit Auszeichnung
absolviert und seit zwei Jahren auf einen Platz für ihr
Aspirantenjahr wartet, um ihre Ausbildung abzuschließen und keine
Chance wegen ihres Kopftuches bekommt, wird das der Emanzipation
der muslimischen Frau wohl nicht gerade dienlich sein.
Heute ist es schon ein Politikum eine Moschee errichten zu
wollen. Ob in Telfs oder in Bad Vöslau feilscht man um
Zentimeter, die ein Minarett an Höhe haben darf.
Auf den in Bau befindlichen islamischen Friedhof in Wien wurde in
den letzten sechs Monaten Schändungen, Sachbeschädigungen und ein
Brandanschlag verübt. Dies sind alarmierende Zeichen, und die
dadurch hervorgerufenen Ängste können nicht nur als subjektives
"Gefühl des Beleidigtwerdens" abqualifiziert werden.
Wenn schließlich rechtspopulistische Parteien ihr ganzes
politisches Programm auf "Pummerin statt Muezzin" und "Daham
statt Islam" ausrichten, dann liegt nicht nur
Fremdenfeindlichkeit vor, sondern ganz bestimmt Islamophobie.
Hans Rauscher hat Recht, wenn er sagt, dass die Muslime keine
Opfer einer religiösen Verfolgung durch die Mehrheitsbevölkerung
sind. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass das Phänomen der
Islamophobie nicht existiert.
Und macht Islamophobie dadurch auch nicht zum Kavaliersdelikt.
Omar Al-Rawi
Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in
--
Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen
www.islaminitiative.at
e-mail:dieinitiative at gmx.at
für Rückfragen und Korrespondenz kontaktieren sie bitte:
Omar Al Rawi +43-650-3831942 al-rawi at gmx.at
Amina & Tarafa Baghajati +43-1-2595449 baghajati at aon.at
Mouddar Khouja +43-6991-9685096 referent at derislam.at
Andrea Saleh +43-664-4147620 frauen at derislam.at
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05 NIL-Weihnachtsshop, Freitag, 22.12., Eröffnung
Veronika Dreier <office at veronika-dreier.net>
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Noch vor Weihnachten eine Möglichkeit individuelle Geschenke zu
kaufen und gleichzeitig auch Hilfe für Menschen in Not zu geben. Viele
der Künstler haben uns ihre Arbeiten gratis übergeben, um den
Erlös für einen guten Zweck weiterzugeben.
Kleine aber feine Geschenke.
Eröffnung: 22. 12. 2006, 19:00 Uhr
Ausstellung: 24. - 30. 12. 2006
Öffnungszeiten: 15:30 - 24:00 Uhr
Samson Ogamien / Markus Wilfling / Kathrin Velik / Jörg Vogeltanz
/ Kunstverein W.A.S. / YoYo Joseph Emeka / ResAnita / Sergey Yugov / Ila
/ Manfred Makra / Veronika Dreier / Sigrid Achleitner / Joseph Dim / Samuel
Miracle Dim / Ifaeny Eyiaou / Josef Fink / Ed Gfrerer / Köstenbaumer
/ Kings / Fritz Langmann / Armin Lixl / Herbert Namibia / ENKS Emanuel
Nkrumah Kwabena / Mindbomb / Hans Nevidal / Yomi Nwege / Chike Okoro /
Norbert Prettenthaler / Kathi Risovalis / Maria Slovakova / Spectral /
Stefanie Öttl / Ikey Nkwocha Heavenson / Charles John Okoye / Havva
. . . .
Kunst von KünstlerInnen, die im im NIL selbst ausgestellt
haben, im Kunstverein mitarbeiten oder einfach Freunde des NIL sind.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
BAODO Kunstverein
Dreihackengasse 42
8020 Graz
Tel. 0316 671041
http://nil.mur.at
http://baodo.mur.at
BAODO im NIL wird gefördert von: Land Steiermark:
Kultur, Jugend- und Sozialreferat. Stadt Graz: Kulturamt, Frauenreferat.
Dank an: AMS Steiermark, Team ON, Caritas, mur.at, Styria
Print Shop, Radio Helsinki und allen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und
UnterstützerInnen.
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06 KPÖ/Mindestsicherung/Züchtigungsprogramm/Umverteilung
KPÖ-Information <info at kpoe.at>
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KPÖ-Pressedienst - Drechslergasse 42, 1140 Wien -
Telefon +43 (1) 50 36 580 - 0 - Fax +43 (1) 50 36 580 - 499 -
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Ausgabe vom 21. Dezember 2006
Bartenstein-Buchinger-Konzept ist Züchtigung für soziale Schwache
KPÖ setzt als Alternative dazu auf wirksame Umverteilung
Als Züchtigungsprogramm für sozial Schwache und Arbeitslose
bezeichnet KPÖ-Bundessprecherin Melina Klaus die jetzt von SPÖ
und ÖVP ausgehandelte Mindestsicherung. Wenn ausgerechnet der
Industrielle und Multimillionär Arbeitsminister Martin
Bartenstein - eifrig assistiert vom SPÖ-Verhandler Erwin
Buchinger - diese Regelung über den grünen Klee lobt weil es
damit kein "arbeitsloses Grundeinkommen" gibt und betont "wir
wollen ein Trampolin und keine soziale Hängematte" wird deutlich,
wes Geistes Kind diese Mindestsicherung ist.
In zwei Punkten putzt sich die rotschwarze Koalition überhaupt
als unzuständig ab: Statt einen gesetzlichen Mindestlohn
einzuführen wird ein solcher von tausend Euro brutto (das sind
820 Euro netto) den Sozialpartnern im Wege eines
Generalkollektivvertrages zugeschoben. Und die Harmonisierung der
Sozialhilfen sollen die Länder bis 2010 bewerkstelligen, was
freilich an der Finanzierung durch Länder und Gemeinden zu
scheitern droht.
Ihre Nichtzuständigkeit für die Sozialhilfe hindert Bartenstein
und Buchinger freilich nicht, bei der Reform der Sozialhilfe
darin Heizkostenzuschüsse und Mietkostenbeihilfen zu integrieren.
Geknüpft wird die Mindestsicherung an die Verwertung eigenen
Vermögens (Reduzierung der Mindestsicherung bei selbst bewohnter
Eigentumswohnung, Auflösung von Sparbüchern, Verkauf nicht
arbeitsnotwendiger PKWs etc.) und entsprechende
Arbeitswilligkeit, wobei man sich auch nicht scheut auf
Zwangsarbeit durch Einsatz von Arbeitslosen bei gemeinnützigen
Arbeitsprojekten zu setzen.
Wie dürftig die hochgejubelte Regelung letztlich ist, erweist
sich daran, dass ein Mindestarbeitslosengeld und eine
Mindestnotstandshilfe strikt abgelehnt wird, im Klartext ein
Großteil der Betroffenen deutlich unter der offiziellen
Armutsgrenze leben muss. 2005 betrug das durchschnittliche
Arbeitslosengeld 610 Euro und die durchschnittliche
Notstandshilfe 425 Euro. Angesichts von 1,04 Millionen
armutsgefährdeten Menschen die mit weniger als 848 Euro monatlich
auskommen müssen - davon 470.000 von akuter Armut betroffenen
Personen - ist diese Mindestsicherung also nicht einmal der
berühmte Tropfen auf den heißen Stein.
"Zweifellos wird damit aber garantiert, dass auch in den nächsten
Jahren Profite und Managergehälter extrem wachsen, während auf
der Kehrseite immer mehr Menschen auf der Strecke bleiben",
kritisiert Melina Klaus. Das beweist gerade jetzt höchstoffiziell
auch der Rechnungshofbericht über das Auseinanderklaffen von
Männer- und Fraueneinkommen und das Zurückbleiben der kleinen und
mittleren Realeinkommen seit 1998. "Den größten Horror haben die
großkoalitionären Politiker offensichtlich aber davor, dass
jemand eine Existenzsicherung erhalten könnte, ohne zu arbeiten.
Dass hunderte MultimillionärInnen ohne zu arbeiten recht luxuriös
von ihren Renditen leben und davon immer weniger Steuern zahlen
ist ihnen offensichtlich kein Problem", so Klaus.
Dass das rotschwarze Modell auf ein "Hartz IV"-Programm auf
österreichisch zur Senkung der Löhne auf breiter Front
hinausläuft, wie auch Caritas, Volkshilfe, Diakonie und andere
Sozialorganisationen mit Verweis auf noch offene Details
befürchten bestätigte Buchinger mit seiner Aussage "Es geht
durchaus in diese Richtung, das stimmt, 70 bis 80 Prozent des
deutschen Konzeptes sind ja auch gut, es hapert dort aber an der
Umsetzung" sogar ausdrücklich.
Im Gegensatz zu den beiden Koalitionsparteien setzt die KPÖ auf
eine wirksame Umverteilung. Etwa durch eine deutlich höhere
Besteuerung von Kapital und Vermögen. Dazu hat die KPÖ die
Petition "Euromillionen besteuern" gestartet: Würde jenes Drittel
der Geldvermögen (insgesamt 365 Mrd. Euro), das nur einem Prozent
der Bevölkerung, nämlich den rund 67.000 Euro-MillionärInnen
gehört, mit fünf Prozent Vermögenssteuer belastet, stünden damit
jährlich rund sechs Milliarden Euro als Umverteilung zur
Finanzierung von Existenzsicherung und Armutsbekämpfung zur
Verfügung.
Als Sofortmaßnahme für eine effiziente Existenzsicherung und
Armutsbekämpfung müssten nach Meinung der KPÖ alle
Mindestsicherungen wie Arbeitslosengeld, Notstandshilfe und
Sozialhilfe zumindest auf das Niveau der offiziellen Armutsgrenze
angehoben werden. Gleichzeitig ist aber auch ein gesetzlicher
Mindestlohn von 1.300 Euro bzw. acht Euro pro Stunde notwendig um
den Bestrebungen zu einem allgemeinen Lohndumping im Gefolge
einer solchen großkoalitionären Grundsicherung entgegenzuwirken.
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07 KPÖ/Bundesheer/Auslandseinsätze/SPÖ/Neutralität
KPÖ-Information <info at kpoe.at>
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Dezember 2006
Aktive Neutralitätspolitik als Alternative zu EU-Hochrüstung
Jetzt wird von der SPÖ die Neutralität offiziell entsorgt
Die Katze aus dem Sack gelassen hat die SPÖ mit ihrem Verständnis
der österreichischen Neutralität mit der Einigung über
Kriegseinsätze des österreichischen Bundesheeres unter EU-Flagge
und ohne Zustimmung der UNO im Zuge der Koalitionsverhandlungen
mit der ÖVP: "Damit dokumentieren Gusenbauer & Co. in aller
Deutlichkeit, dass ihre Sonntagsreden über die Wichtigkeit der
Neutralität an Werktagen keinen Pfifferling mehr wert sind", so
KPÖ-Bundessprecher Mirko Messner.
Was "friedensstiftende Maßnahmen" von OSZE oder EU die "in der
UNO mutwillig blockiert werden" real bedeuten, wurde bereits beim
Krieg gegen Jugoslawien 1999 vorexerziert, der auch als
"friedensstiftender" Einsatz umgelogen wurde. Wesentliche
großkoalitionäre Schritte zu einer gezielten Zersetzung der 1955
beschlossenen immerwährenden Neutralität wurden schon mit der
Einordnung Österreichs in die Gemeinsame Außen- und
Sicherheitspolitik der EU gesetzt.
Ein maßgeblicher Schritt war auch der gemeinsam von SPÖ und ÖVP
beschlossene Ermächtigungsparagraph im Artikel 23f der
Bundesverfassung, mit welchem auch nicht von der UNO mandatierte
Einsätze des Bundesheeres im Ausland möglich sind und von
Bundeskanzler und Außenminister im Alleingang beschlossen werden
können. Obwohl in Opposition wurde von der SPÖ auch die
neutralitätswidrige Teilnahme an den "Battle Groups" der EU als
künftige Interventionseinheiten mitgetragen.
Und auch der immer deutlicher werdende Rückzug von der Forderung
nach Stornierung des Eurofighter-Vertrages nach einem
entsprechenden Schattenboxen im parlamentarischen
Untersuchungsausschuss ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Am
30. Oktober beschlossen SPÖ, Grüne und FPÖ gemeinsam einen
Entschließungsantrag in dem die Bundesregierung aufgefordert
wird, "sofort alle Schritte zu setzen, um den Vertrag betreffend
der Beschaffung der Eurofighter kostengünstig aufzulösen".
Eine parlamentarische Mehrheit für die Stornierung des
Abfangjägerkaufs wäre also vorhanden, wird aber nicht genützt.
Dabei ist zu beachten, dass die Eurofighter militärisch gesehen
für ein kleines Land wie Österreich sinnlos sind, wohl aber als
Baustein für eine Euro-Armee einen Sinn ergeben.
Bezeichnenderweise wurde eine vom Linzer Völkerrechtler Manfred
Rotter vorgeschlagene Verankerung der UN-Charta im
Verfassungsrang auch von der SPÖ vom Tisch gewischt, weil sie für
solche neutralitätswidrige Pläne hinderlich ist. Eine
zukunftsweisende Neutralitätsorientierung wie sie etwa vom
ehemaligen SPÖ-Außenminister Erwin Lanc im "Manifest für eine
engagierte Neutralitätspolitik" vorgeschlagen wird ist für die
Gusenbauer-SPÖ kein Thema.
Im Gegensatz dazu bekräftigt die KPÖ ihr Bekenntnis zur 1955 von
ÖVP, SPÖ und KPÖ gegen die Stimmen des FPÖ-Vorläufers VdU im
Parlament beschlossenen immerwährenden Neutralität: "Verbunden
mit einer aktiven Neutralitätspolitik und gezielten Kooperationen
mit neutralen oder nichtpaktgebundenen Ländern könnte damit eine
echte Alternative zur Hochrüstung der EU entwickelt werden",
meint Mirko Messner, der gleichzeitig die Position der KPÖ für
die Auflösung des Bundesheeres bekräftigt.
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08 Presseinformation - Erneute Blockade der Probebohrungen in der Lobau
GO Resistance for Peace <office at resistanceforpeace.org>
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NGO Resistance for Peace
Peter Rosenauer
Nobilegasse 26/22
1150 Wien
Tel: 0664 5051861
Presseinformation
Wien, am 21.12.2006
Neuerliche aktivistische Blockade der Probebohrungen der ASFINAG
in der Lobau. Aktivisten der NGO Resistance for Peace haben sich
am Bohrturm angekettet.
Heute Do der 21.12.2006 blockieren ab 11h Aktivisten der NGO
Resitance for Peace die Probebohrungen zur geplanten S1 Autobahn
in der Lobau.
Der Sprecher der Aktion Peter Rosenauer meint: "Wir sehen uns zu
dieser Aktion veranlasst da bei den Verhandlungen mit der Politik
keine Ergebnisse zu erwarten sind. Vor allem Bürgermeister Häupl
und die ASFINAG betreiben seit langem eine gezielte
Medienkampagne für die S1, in welcher sie vorsätzlich die
Bevölkerung zum Teil falsch informieren."
Enttäuschte, empörte Menschen, denen die Vorgangsweise von
Greenpeace und Global2000 nicht gefallen hat haben nun Resitance
for Peace die Spenden gegeben um diese Aktion durchführen zu
können.
Vor Weihnachten werden wir die Blockade unterbrechen.
Weitere Aktionen sind nach Weihnachten oder im Neuen Jahr
geplant.
Weitere Informationen bei Peter Rosenauer. Tel 0664 5051861
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09 grüne andersrum: frohe tage und eine kleine bitte
"Andersrum Wien" <andersrum.wien at gruene.at>
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Liebe Freundinnen und Freunde!
Egal welches Fest ihr mit welcher Religion oder auch gottlos
feiert: Die Grünen Andersrum wünschen Euch ruhige, friedliche
und freudige Zeiten!
Für 2007 wünschen wir uns weitere Schritte zu mehr Gleichstellung
und Respekt in der Gesellschaft aber vor allem: Euch und uns
Gesundheit, Freude, Tatenkraft und Erfolg für 2007!
Euer Team der Grünen Andersrum Wien....
UND WENN IHR NOCH EINE KLEINE GUTE TAT MACHEN WOLLT:
VIENNA VALENTINE 2007
Am 17. Februar 2007 stehen in Wien zum zweiten Mal
schwul/lesbische SchwimmerInnen aus 10 Ländern am Startblock.
Vienna Valentine ist ein international ausgeschriebenes Masters-
Schwimmturnier, dass entsprechend offizieller Masters-Regeln
reglementiert ist (www.fina.org) und unter Patronanz des
Österreichischen Schwimmverbandes (OSV) steht.
Die Teilnahme ist für alle SchwimmerInnen ab 19 Jahren offen.
Anmeldungen werden online noch bis 19. Januar 2007 entgegen
genommen. Zuschauer während der Wettkämpfe sind herzlich
willkommen. Der Eintritt zur Tribüne ist frei.
GastgeberInnen gesucht:
Wenn du in der Zeit der Veranstaltung in Wien bist und eine/n
SchwimmerIn als Gast bei dir aufnehmen möchtest, nimm bitte
Kontakt mit dem Betreuer der Bettenbörse auf -
housing at kraulquappen.at.
Kontakt: info at kraulquappen.at
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http://www.gruene-andersrum.at/
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Diese E-Mail wurde dir geschickt, weil du den Newsletter
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Newsletter abbestellen?
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Fragen?
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Die Grünen Andersrum Wien
c/o Grüner Klub im Rathaus
AT-1082 Wien
Tel.+43-(0)1-4000 DW 81813
Fax +43-(0)1-4000 DW 99 81811
http://www.gruene-andersrum.at
--
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10 Frohe Weihnachten und Frieden fuer 2007
"Alois Reisenbichler - Stadtteilzentrum Simmering"
<verin.stadtteilz.simmering at chello.at>
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Macht von unten
Weihnachten ist nicht, wie man uns lange weismachen wollte, so
etwas wie "Licht von oben". Weihnachten ist Macht von unten. Man
kann sich klarmachen, wie solche Sinnentleerung vor sich geht,
wenn man beobachtet, mit welcher Konsequenz alle realistischen,
plebejischen, niederen Elemente der Weihnachtsgeschichte getilgt
worden sind: Vor lauter Stern haben wir uns angewöhnt, den
dreckigen Stall zu übersehen, vor lauter Königen, die
verängstigten Hirtinnen und Hirten vergessen oder zu idyllischen
Schäfern gemacht, und in den Kirchen hört man viel über
Lobgesang, aber nichts darüber, wie lange die Wehen bei Maria
dauerten und ob sie sehr schrie.
Es ist heute wichtig, das Stück Rebellion, das in Weihnachten
steckt, wieder zu entdecken. Gott wurde Macht von unten. Er hat
seine Sache dem Sohn anvertraut, und dieser Sohn hat allen Söhnen
und Töchtern Mut zur Macht von unten gemacht. Eine der ältesten
Weihnachtshymnen der Christinnen und Christen besingt diese
Änderung aller Machtverhältnisse, die Weihnachten anfing und noch
lange nicht zu Ende ist. Er heißt da bei Ignatius über Christi
Geburt: "Ein Stern strahlte am Himmel über allen Sternen . So
löste sich das Band der Zauberei, und die Fessel der Bosheit
verschwand, die Unwissenheit wurde entmächtigt und die alte
Herrschaft zerstört, als Gott in menschlicher Gestalt erschien,
um das unsichtbare Leben zu erneuern."
Noch ist wenig davon eingelöst, das Band der Zauberei bindet uns
an den Konsum, den wir auf Befehl anderer selber herstellen und
zu Nutzen anderer wieder verbrauchen sollen; die Fessel der
Bosheit ist nicht verschwunden, sie produziert weiter Kriege und
wachsende Unterdrückung; die Unwissenheit wird gerade in unserem
Land gestützt und künstlich aufrechterhalten; dass die alte
Herrschaft zerstört sei, das möchte ich wohl glauben, aber sehr
sichtbar ist es noch nicht geworden. Bestehen bleibt das
Versprechen von Weihnachten, dass Gott als Macht von unten in
menschlicher Gestalt erschien, um das unsichtbare Leben zu
erneuern.
Dorothee Sölle
Aus: Die Macht von unten, in D. Sölle, Das Recht ein anderer zu
werden,
Theologische Texte, Stuttgart, Berlin 1981, Seite 7 - 16
ursprünglich Text einer Rundfunksendung am 25.12.1970.
Den gesamten Text findet man / frau zu Weihnachten auf
www.reisenbichler.at.tf
Nach über 900 Bewerbungen konnte ich heuer wieder eine (bezahlte)
Arbeit finden. Mein persönlicher Erfolg ist kein Grund, zu
übersehen, dass auch im reichen Österreich immer mehr Menschen
wirtschaftlich und sozial an den Rand gedrängt werden, nicht zu
vergessen die Millionen, die weltweit verhungern. Die Kriege
gehen weiter, neue werden geplant . Es besteht die Gefahr, an
unserer Ohnmacht zu verzweifeln. Dorothee Sölle erinnert uns, an
die Macht von unten, die für uns Christinnen und Christen zu
Weihnachten sichtbar wird, an die Hoffnung auf unsere Macht von
unten, die ich allen Freundinnen und Freunden, die sich auf Grund
unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Überzeugungen
für eine bessere, gerechtere und friedlichere Welt einsetzen,
wünsche.
In diesem Sinne:
Frohe Weihnachten
und alles Gute für ein friedliches 2007
Alois Reisenbichler
Alois Reisenbichler
A-1110 Wien, Schneidergasse 15/9
Telefon 0043 - 664 - 39 51 809
Homepage in Arbeit: www.reisenbichler.at.tf
Homepages der Friedensbewegung:
www.hiroshima.at www.friedensbewegung.at.tf
www.friedenschristinnen.at.tf
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11 Weihnachten 2006
<office at asyl-in-not.org> Asyl in Not
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Ein schreckliches Jahr geht zu Ende
Tut mir leid, liebe Leserinnen, liebe Leser - ich kann Euch
nichts Schönes schreiben. Nichts Weihnachtlich-Beschauliches. Ich
würde ja gerne. Aber dieses Land war seit 1945 noch nie so tief
unten wie jetzt.
Noch nie wurden Menschenrechte so schamlos gebrochen. Noch nie
hat man verzweifelte, schutzsuchende, traumatisierte Menschen so
unmenschlich behandelt. Noch nie war das Asylrecht derart
abgeschafft wie heute.
Trotzdem haben wir Erfolge erzielt: Abschiebungen verhindert,
Menschen aus der Schubhaft freigekämpft. 56 erwachsene
Flüchtlinge, die wir rechtlich vertraten, und 44 Kinder erhielten
bis heute Asyl. 14 Dublin-Bescheide wurden dank unseren
Rechtsmitteln behoben.
Jeder dieser Siege ist hart erkämpft - und doch nur ein Tropfen
auf den heißen Stein. Wir wissen nur zu genau, wie enge Grenzen
unserer juristischen Kunst gezogen sind.
Besser werden kann es nur durch politischen Kampf. Und da sind
alle gefordert, alle NGOs, alle Menschen guten Willens in der
Politik, in den Medien, den Gewerkschaften und
Glaubensgemeinschaften. Sie alle rufen wir auf, mit uns ihre
Stimme zu erheben:
Dieses Regime, das ungeniert weiterregiert, als wäre es nicht
längst abgewählt, muß endlich weg. Es hat genug Unheil
angerichtet in unserem Land! Dieses Fremdenrechtspaket gehört
aufgehoben. Die Beamten, die die Menschenrechte brechen, müssen
vor Gericht und hinter Gitter kommen.
Das Asylforum, eine Konferenz von NGOs aus ganz Österreich, hat
auf seiner Tagung in Innsbruck im November auf Antrag von
Vertretern der Diakonie und von Asyl in Not den Beschluß gefaßt,
eine bundesweite Kampagne gegen die Schubhaft zu führen. Das kann
ein wichtiger Schritt nach vorne sein; denn es ist das erste Mal
seit langem, dass eine solche gemeinsame Initiative zustande
kommt.
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer hat anlässlich der
Verleihung des Ute Bock-Preises an die Initiative "Ehe ohne
Grenzen" im Parlament eine Änderung des Fremdenrechtspakets
verlangt und die Einsetzung einer Kommission aus Vertretern der
NGOs, der Sozialpartner und der Beamtenschaft angekündigt, die
das Gesetz evaluiert.
Das ist ein Erfolg unseres Kampfes und kann ein erster, kleiner
Schritt nach vorne sein.
Liebe Leserinnen und Leser! Wenn Ihnen in ihrem Umfeld bekannt
wird, dass Flüchtlinge oder andere "Fremde" in ihren Rechten
missachtet werden - bitte schreiben Sie uns. Wir veröffentlichen
das im Internet. Wir nennen auch die Schuldigen beim Namen.
Das ist eine vom Gegner gefürchtete Waffe; die Zahl der Besuche
auf unserer Homepage (www.asyl-in-not.org) hat sich im letzten
Jahr stark erhöht. Und wir bieten den Opfern, soweit es in
unseren Kräften steht, Rechtshilfe an.
Liebe Leserinnen und Leser: Bitte helfen Sie mit! Österreich muß
wieder Asylland werden. Die Menschenrechte müssen wieder gelten
in diesem Land.
Michael Genner,
Obmann von Asyl in Not
Währingerstraße 59
1090 Wien
Tel.: 408 42 10-15, 0676 - 63 64 371
www.asyl-in-not.org
Spendenkonto:
Asyl in Not,
P.S.K., Kontonummer 92.034.400
Spendenshop:
Ihr Online-Einkauf für Asyl in Not.
http://asyl.spendenshop.at/
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12 Wünsche - Deseos
"lefoe info" <info at lefoe.at>
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Liebe FreundInnen und UnterstützerInnen!
Querid at s amig at s y colaborador at s!
Wir wünschen Euch frohe Feiertage und ein Jahr voll positiver
Überraschungen! Les deseamos felices fiestas y un año lleno de
sorpresas positivas!
Mögen sich immer mehr Frauen auf den Weg machen...! Que siempre
mas mujeres inicien el camino...!
Eure LEFÖ-Frauen
LEFÖ-"taller" Kommunikationszentrum 06
Die Aktion "wärmespender" unterstützt unsere Arbeit
für die Rechte von Sexarbeiterinnen: www.waermespender.at
suppe+soul | Suppen der Haubengastronomie | Musik von Wiener
Clubs
Karlsplatz/Resselpark | 24. Nov. -23. Dez. 06 | täglich von
16:00-24:00
_________________________________________________________________
LEFÖ - Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen
LEFÖ - Information, Education and Support for Migrant Women
ZVR-Zahl: 893710788
Kettenbrückengasse 15/II/4
1050 Wien / Austria
tel: +43.1.581 18 81
fax: +43.1.581 18 82
mail: info at lefoe.at
web: www.lefoe.at
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13 Weihnachtswünsche
Verein Maiz <maiz at servus.at>
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*Liebes Christkind!*
*Bitte mache, dass es zu Weihnachten nicht nur Plätzchen gibt,*
*sondern auch*
*Platz*
*für Flüchtlinge/AsylwerberInnen/MigrantInnen/WahlösterreicherInnen und*
*überhaupt jeden Menschen,*
*das ganze Jahr*
*überall!*
*Frohe Festtage und ein friedliches & egalitäres neues Jahr!*
*Seasons Greetings and a peaceful & egalitarian New Year!*
*Feliz Navidad y un ano nuevo de paz & igualdad!*
*wünscht Ihnen,*
*Verein maiz -- autonomes Zentrum von & für Migrantinnen*
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14 Feiertagswünsche
"HOSI Linz" <ooe at hosilinz.at>
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Sehr verehrte MedienpartnerInnen!
Die HOSI Linz bedankt sich für die Unterstützung
und Solidarität in diesem Jahr und wünscht Ihnen
frohe Festtage und das Beste für 2007.
Der Vorstand und das Team der HOSI Linz
Zwischen Fr., 22.12.2006, und So., 07.01.2007
ist das HOSI Linz-Zentrum nicht geöffnet.
> 1. Beratungstermin 2007: Mo., 08.01.2007
Homosexuelle Initiative Linz (HOSI Linz)
The Lesbian and Gay Movement in Upper Austria
Schubertstrasse 36/1, A-4020 Linz
Phone/Fax: ++43/732-60 98 981
E-Mail: ooe at hosilinz.at <mailto:ooe at hosilinz.at>
http://www.hosilinz.at <http://www.hosilinz.at>
><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><
SOLIDARITÄT WELTWEIT
><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><<>><
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15 Heiligendamm
Öffentlicher Verteiler der Gipfelsoli-Infogruppe
<gipfelsoli-l at lists.nadir.org>
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Gipfelinfo - Meldungen über globalisierte Solidarität
und die Proteste gegen unsolidarische Globalisierung
------------------------------------------------------ www.gipfelsoli.org --
- Seminar zum G 8-Gipfel
- BMI Pressemitteilung: Informelles Treffen der EU - Justiz- und Innenminister
vom 14. bis 16. Januar 2007 in Dresden
- Verfassungsschutz unternimmt Anwerbeversuch in Frankfurt (Oder)
- Wollen die Menschen in M-V noch den G8-Gipfel?
- G8 Infotour in Israel and Palestine
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DGB-Jugend: Seminar zum G 8-Gipfel
12.02.-16.02.2007 in Hattingen
Wieso beteiligen sich die Gewerkschaftsjugend und viele andere
Gruppen an diesem Protest? Und wie soll ich die G8 und die
Zusammenhänge in einfachen Worten meiner Nachbarin oder meinem
Arbeitskollegen eigentlich erklären? Die eigenen Argumente rund
um die "Gruppe der acht" zu schärfen und die Politik der G8 zu
verstehen, das ist Ziel des Seminars. Zuerst nehmen wir Funktion
und Politik der G8 unter die Lupe. Dann ordnen wir die Politik
der Gipfelrunde in das Geflecht internationaler
Handelsbeziehungen und den damit verbundenen Institutionen wie
WTO, IWF und Weltbank ein. Abschließend machen wir uns Gedanken
darüber, wie wir unsere Ideen zum Thema G8 unseren FreundInnen
und KollegInnen vermitteln können. Das Seminar verbindet dies
mit einem kleinen Argumentationstraining.
Teilnahmebeitrag
25 / 150
Anmeldung unter: www.dgb-jugendbildung.de
[www.dgb-jugendbildung.de]
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Steinmeier reist zu G8-Stabübernahme nach Moskau
Gespräche mit Putin und Vertretern der Zivilgesellschaft
Berlin - Zehn Tage vor dem Beginn der deutschen
Doppelpräsidentschaft von EU und G8 will Bundesaußenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Donnerstag in Moskau mit
Präsident Wladimir Putin und Vertretern der Zivilgesellschaft
zusammentreffen. Steinmeier will bei seinem Besuch, der am
Mittwochabend beginnt, die russische Führung über das Programm
der beiden Präsidentschaften informieren, wie es am Dienstag im
Auswärtigen Amt hieß. Der deutsche Außenminister will dabei für
die Bundesregierung von Russland den Staffelstab für den
G8-Vorsitz übernehmen. In diesem Jahr hatte erstmals Russland den
Vorsitz der G8-Runde. Vor dem Gespräch mit Putin will Steinmeier
mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow zusammentreffen.
(AFP)
19.12.06, 14:37 Uhr
[http://nachrichten.aol.de/Newsticker/Steinmeier-reist-G8-Stabuebernahme-Moskau-564322404-0.html]
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Internetredaktion des Bundesministerium des Innern
Pressemitteilung
Publiziert am 20. Dez 2006
BMI Pressemitteilung: Informelles Treffen der EU - Justiz- und Innenminister vom
14. bis 16. Januar 2007 in Dresden
Zum Auftakt der Informellen Ministertreffen im Rahmen der
deutschen EU-Ratspräsidentschaft tagen die Justiz- und
Innenminister der EU vom 14. bis 16. Januar 2007 in Dresden. Den
Vorsitz haben Bundesjustizministerin Brigitte Zypries und
Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble inne.
"Bei der Gestaltung und Stärkung des gemeinsamen Raumes der
Freiheit, der Sicherheit und des Rechts haben die Bekämpfung von
Terrorismus und Kriminalität eine herausragende Bedeutung. Gerade
hier erwarten die Bürgerinnen und Bürger gemeinsame Antworten von
Europa", sagte Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble. "Unser
Ziel ist es, die praktische Zusammenarbeit zwischen den Behörden
und Institutionen in Polizei und Justiz weiter zu verbessern, die
Bürgerrechte der Menschen in Europa zu stärken und
Rechtssicherheit für Bürger und Wirtschaft zu gewährleisten",
ergänzte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries wenige Tage vor
dem Beginn der deutschen Präsidentschaft.
Gemeinsames Programm der ersten Triopräsidentschaft
Erstmals haben drei aufeinander folgende Ratspräsidentschaften
ihr Programm miteinander abgestimmt. Beginnend mit Deutschland am
1. Januar 2007 werden die Folgepräsidentschaften Portugal und
Slowenien bis zum 30. Juni 2008 auf der Basis eines gemeinsam
entwickelten Programms die Aufgabe des Vorsitzes in der
Europäischen Justiz- und Innenpolitik gestalten. Wichtige
Vorhaben können auf diese Weise langfristig vorbereitet und
zielgerichtet durchgeführt werden.
Informelles Treffen der Minister
Einer guten europäischen Tradition folgend, soll das Informelle
Ministertreffen in Dresden dazu genutzt werden, einen umfassenden
Meinungsaustausch zu wichtigen Themen zu führen und längerfristig
ausgerichtete Impulse zu entwickeln.
Schwerpunkte der Beratungen in Dresden sind die Verstärkung der
grenzüberschreitenden polizeilichen Zusammenarbeit durch die
Überführung des Vertrags von Prüm in den EU-Rechtsrahmen, die
Zukunft der justiziellen Zusammenarbeit im Bereich des Familien-
und Erbrechts sowie der grenzüberschreitende IT-Einsatz in der
Justiz. Ein weiteres Thema wird die angestrebte gemeinsame
europäische Strategie zur Bekämpfung der illegalen Migration mit
einer Stärkung der grenzpolizeilichen Zusammenarbeit und dem
partnerschaftlichen Dialog mit Herkunftsländern sein.
Erstmals nehmen in Dresden die Justiz- und Innenminister von
Bulgarien und Rumänien als Mitglieder der Europäischen Union am
Treffen teil. Neben den Justiz- und Innenministern aus 27 EU-
Mitgliedstaaten nehmen die Vertreter der Beitrittskandidaten
Türkei, Kroatien und Mazedonien, Vertreter der EU-Kommission als
auch des Europäischen Parlamentes teil.
Zusatzinformation für Pressevertreter
Auf der bereits geschalteten Website der deutschen EU-
Ratspräsidentschaft werden unter www.eu2007.de wichtige Hinweise
zu organisatorischen und technischen Fragen, sowie zum zentralen
Akkreditierungsverfahren für Veranstaltungen der EU-
Ratspräsidentschaft zur Verfügung gestellt. Dort kann auch die
Anmeldung für das Informelle Ministertreffen in Dresden
vorgenommen werden. Mit Beginn der Präsidentschaft am 1. Januar
2007 wird die Seite www.eu2007.de zum zentralen
Informationsportal der deutschen EU-Ratspräsidentschaft
ausgebaut. Dort finden sich dann alle wichtigen Dokumente,
Pressemitteilungen und Interviews rund um die deutsche EU-
Ratspräsidentschaft. Umfassende Informationen rund um das Thema
Europa und die deutsche EU-Ratspräsidentschaft sind auch bereit
gestellt unter www.bmj.bund.de/europa und unter www.bmi.bund.de.
[Internetredaktion des Bundesministerium des Innern]
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Verfassungsschutz unternimmt Anwerbeversuch in Frankfurt (Oder)
Seit Sommer 2006 versuchten Agenten des Verfassungsschutzes eine
Person aus der linken Szene der Stadt Frankfurt (Oder) für
Informantendienste anzuwerben. Der junge Aktivist sollte nach
Willen der Beamten in unterschiedlichen Bereichen tätig werden.
Informationen sollten nicht nur über die Autonome Antifa
Frankfurt (Oder) und die Verbindungen dieser in andere Städte
gesammelt werden. Auch das die G8-Gipfelproteste vorbereitende
Dissent-Netzwerk sollte ausspioniert werden. Dazu sollte die
Person an Plena und Vorbereitungstreffen der Gruppen teilnehmen
und in Mailverteiler gelangen, um die Passwörter dann an den VS
weiterzugeben. Sein Einsatz sollte sich nicht auf die Region
Brandenburg beschränken. Die Teilnahme an Veranstaltungen in
anderen Bundesländern war ausdrücklich vorgesehen. Als
Gegenleistung winkten bis zu 500 Euro monatlich.
Wir wollen diesen über knapp sechs Monate laufenden
Anwerbeversuch hier detailliert chronologisch dokumentieren.
Damit soll nicht nur der sich anfangs als Journalist ausgebende
VS-Beamte, der sich offensichtlich auch in anderen Städten wie
Bernau und Potsdam vorstellte, aus der Anonymität geholt werden.
Wir wollen auch versuchen, einen Einblick in die Arbeitsweise des
VS bei Informantenanwerbungen zu geben.
Der relativ lange Zeitraum von knapp sechs Monaten, über den der
Kontakt zu den VS-Beamten bestand, mag zunächst verwundern, ist
es doch empfohlen und ratsam, Anwerbeversuche sofort öffentlich
zu machen und damit erfolglos zu beenden. Die Entscheidung,
zunächst Interesse an einer Mitarbeit zu bekunden und dadurch
einen längeren Kontakt einzugehen, wurde bewusst in Abstimmung
mehrerer Personen getroffen und hat seine Ursache in den
derzeitigen Repressionen gegen die radikale Linke in Frankfurt
(Oder). Vom Tag der ersten Begegnung an bis zum Tag dieser
Veröffentlichung war jedes zwischen der Person und dem VS
gewechselte Wort transparent. Jedes Treffen wurde intensiv vor-
und nachbereitet sowie dokumentiert. Der Kontakt wurde an dem
Punkt abgebrochen, an dem das erste Mal Informationen an den VS
gelangt wären, über die er noch nicht verfügte.
23.06.2006 - Die erste Kontaktaufnahme durch den VS
Der junge Aktivist, der durch den VS für eine mögliche
Zusammenarbeit ausgewählt wurde, wird an einem Freitagnachmittag
auf offener Straße in der Nähe seines Arbeitsplatzes
angesprochen. Offenbar hatten die Beamten auf seinen Heimweg
gewartet. Der sich als Journalist ausgebende Mann stellt sich als
Björn Kloppstock aus Berlin vor. Er wolle mit dem Aktivisten ein
Interview machen. Thema des Interviews soll die ökonomische
Globalisierung sein. Auf die Frage des Aktivisten, woher
Kloppstock ihn kenne und warum er gerade mit ihm ein Interview
wolle, meint Kloppstock, ein Bekannter aus Berlin hätte ihm von
dem jungen Aktivisten erzählt. Kloppstock möchte gern die
Handynummer oder E-Mail-Adresse des jungen Aktivisten haben, um
mit ihm in Kontakt treten zu können. Dieser verweigert das
allerdings. Stattdessen lässt er sich die E-Mail-Adresse des
vermeintlichen Journalisten geben. Sie lautet der_tempelritter at web.de.
Der Aktivist sagt er würde sich melden, falls seinerseits
Interesse an einem Interview bestehen würde. Die
beiden verabschieden sich.
30.08.2006 - Das erste Treffen
Nach einer internen Rücksprache mit Freunden schickt der junge
Aktivist aus Gründen der Recherche eine E-Mail an Kloppstock, in
der er Interesse an einem Treffen bekundet. Bereits einige Tage
danach meldet sich Björn Kloppstock von seiner Mailadresse
der_tempelritter at web.de bei dem jungen Aktivisten. Er schlägt
vor, sich zu einem Gespräch am 30.08.2006 um 18:30 Uhr zu
treffen. Als Treffpunkt nennt er den Eingang des Kleist-Museums
in der Faberstraße 7. Ein innenstadtnaher Ort in Odernähe, der
jedoch kaum frequentiert und sehr ruhig ist.
Bereits 20 Minuten vor der vereinbarten Zeit taucht mindestens
ein Mann Mitte 30 mit ins Gesicht gezogener Kapuze auf, der nun
bis 18:30 Uhr die umliegenden Straßen abläuft und dabei
sorgfältig die Umgebung mustert. Als der Aktivist eintrifft,
greift er zum Handy und telefoniert. Keine fünf Minuten später
erscheint Kloppstock zu Fuß. Nach freundlicher Begrüßung fragt
er, ob sie sich zu einem griechischen Restaurant, welches er
gerade gesehen hätte, begeben wollen. Zu Fuß geht es in das
nahegelegene Restaurant "Olympia" in der Großen Scharrnstraße 60.
Kloppstock erzählt zunächst von seinem Urlaub in Island, von
Schaafsköpfen und Hákarl (Grönlandhai) als regionale Delikatesse
und erkundigt sich nach dem Urlaub des Aktivisten. Das Gespräch
ist sehr locker, es wird viel gelacht. Er zeigt sich an dem
schulischen Werdegang des Aktivisten interessiert. Auf die Frage
des Aktivisten, was er gemacht hätte, erzählt er von seinem
Abitur auf dem zweiten Bildungsweg. Kloppstock habe in der DDR
die Polytechnische Oberschule besucht, dann kurz eine Lehre
gemacht und schließlich auf dem zweiten Bildungsweg Abitur.
Danach hätte er Verwaltungswissenschaften studiert, eine Mischung
aus Politik, BWL und Jura wie er meint. Zwischenzeitlich wird
bestellt. Er wählt einen Bauernteller. Dazu ein Wasser mit
Sprudel und eine Tasse Kaffee.
Nun wolle er nochmal sein Ansinnen als Journalist erläutern.
Grundsätzlich gehe es ihm in seiner Arbeit, die schwerpunktmäßig
auf den Osten konzentriert sei, um geistespolitische
Entwicklungen innerhalb der rechtsextremen Szene, beispielsweise
zum Thema Globalisierung. Harte Fakten wie
Mobilisierungspotentiale wären vielleicht nicht ganz so wichtig,
spielten aber auch eine Rolle. Es ginge ihm mit der Arbeit um
eine Prognose in Form einer Analyse, um Lagebilder, die
authentisch sein sollten. Eine weitere Spezialisierung neben dem
Rechtsextremismus wäre der Nahe Osten, wo er sich ganz gut
auskenne. Daher würde ihn interessieren, wie sich diese Klientel
damit auseinandersetze, welche Ansätze verfolgt würden und wie
ernsthaft diese seien. Er brauche das für seine Arbeit beim
Bundesministerium des Innern. Soweit seine Kurzdarstellung.
Auf die anschließende Frage, für wen genau er arbeite, das
Ministerium des Inneren sei ja groß, erklärt er, direkt beim
Bundesamt für Verfassungsschutz angesiedelt zu sein. Der Aktivist
stellt nun die Frage, was Kloppstock konkret von ihm erwarte, was
er von ihm wissen will. Dieser wolle nun erstmal die größten
Unklarheiten streichen und wisse ja auch nicht, ob der Aktivist
überhaupt etwas dazu sagen könne. Kloppstock erzählt von
Demonstrationen der palästinensischen Szene zu den israelischen
Militäraktionen im Libanon, die er in Berlin beobachtet hätte.
Während dabei Rechtsextremisten ganz klar Position für die
Palästinenser beziehen würden, was er aus der antisemitischen
Komponente für nachvollziehbar halte, hätte er auf dem Nebengleis
beobachtet, wie Leute aus der Antifa Probleme hätten sich zu
positionieren. Er könne nun nicht verstehen, wie Leute aus der
Linken quasi aus Reflex zu der Flagge des Staates Israel greifen.
Er wolle dem Aktivisten nicht zu nahe treten und meine es auch
nicht persönlich, aber wären die Rechten für Israel, wären die
Linken dann für die Palästinenser, nur um nicht zufällig das
gleiche Thema zu beackern? Das habe er einfach nicht verstanden
und würde sich über eine Erklärung freuen. Auch ob das überhaupt
eine Rolle spielt oder Thema sei, würde ihn interessieren. Und
habe der Aktivist sich in dieser Auseinandersetzung auch selbst
positioniert?
Mit den schwammigen Antworten und der fehlenden Zuordnung des
Aktivisten offenbar unzufrieden, würde er nun gern nach seinem
Selbstverständnis fragen. Da dieser sich als libertären Menschen
bezeichnet, interessiert Kloppstock nun, ob er sich mit den
klassischen Themen wie Arbeiterbewegung und Wirtschaftsthemen
befasse. Es kommt nun zu einem Gespräch rund um Reichtum und
Hartz IV. Kloppstock bringt an, das Thema Hartz IV würde ebenso
von Links wie von der NPD bearbeitet und ob man da nicht partiell
gemeinsam marschiere.
Seine Beiträge werden zunehmend provokanter, er versucht aber
immer wieder seine freundliche Absicht darzustellen. Für ihn sei
das nur mal eine persönliche Debatte. Auch Antifas könne er nicht
so ganz verstehen. Zwar sei er selbst Antifaschist, aber er sehe
hinter jeder Glatzkopffratze einen Grundrechtsträger. Und was
würden Antifas überhaupt tun, wenn es keine Neonazis mehr geben
würde? Hätten die dann überhaupt nichts zu tun?
Nachdem ihm die Notwendigkeit von Antifaarbeit, auch aus eigenen
Erfahrungen mit Angriffen, erklärt wird, zeigt er sich an der
Organisierung interessiert. Gibt es eine Opferhilfe und was kann
in körperlichen Auseinandersetzungen entgegengesetzt werden? Wie
sensibilisiert ist die Bevölkerung? Nun will er auch wissen, ob
der Aktivist selbst in irgendeinem Verband organisiert sei oder
eher Einzelgänger sei. Der Aktivist antwortet mit der Frage, was
Kloppstock für die Informationen anzubieten hätte, ob es Dinge
gebe, die das Gespräch mit ihm interessanter machen könnten. Er
antwortet nach kurzem Schweigen mit ja.
Auf die Nachfrage, worum es dabei gehen könnte, fordert er den
Aktivisten auf einen Vorschlag zu machen. Dieser fragt nun nach
Geld. Kloppstock zeigt sich überrascht und spricht nun langsam
und konzentriert. Er habe einfach nicht darüber nachgedacht
irgendetwas anzubieten, zumal das auch noch nicht die
Informationen wären, die ihn interessieren würden. Er wolle mal
gleich klarstellen, dass er sich ungern linken lasse, indem er
jetzt Stoff biete. Er könne nicht einschätzen, wie ernst es dem
Aktivisten sei, dazu kenne er ihn bisher zu schlecht.
Auf den Einwurf des Aktivisten, sie hätten halt beide ihre
Interessen, ist Kloppstock jedoch zuversichtlich diese
zusammenbringen zu können. Das wäre vielleicht leichter möglich,
wenn der Aktivist erläutere, was er so konkret mache und mit
welchen Themen er sich beschäftige. Kloppstock selbst kenne sich
da halt nicht so aus, da er sich mit Globalisierungsgeschichten
nur in Zusammenhang mit Rechts befasst hätte. Sie kommen nun auf
die Themen Anarchosyndikalismus, G8 und soziale Gerechtigkeit zu
sprechen und diskutieren über die Arbeitsbedingungen in China und
die Lebensbedingungen im Kongo.
Nach der Bestellung eines Ouzo und nach über 1 1/2 Stunden
Gespräch will Kloppstock nun ein konkretes Angebot machen. Der
Aktivist mache einen positiven Eindruck auf ihn, wenngleich
Kloppstock auch noch ein wenig misstrauisch aufgrund der
Geldforderung sei. Der Aktivist entgegnet, mit dem Gefühl ein
Interview zu geben in das Gespräch gegangen zu sein und dann habe
sich Kloppstock als Mitarbeiter einer Behörde ausgegeben. Eine
Hand wasche halt die andere. Kloppstock sichert nun
Abklärungsbemühungen zu was die Finanzen angeht. Der Aktivist
müsse es dann aber auch wirklich ernst meinen. Zum nächsten
Treffen würde er dann sagen können, was er sich erwarte und was
der Aktivist erwarten könne.
Bei dem Geld komme es darauf an, wie
tief er einsteigen will. Pi mal Daumen wären aber 400 bis 500 Euro
im Monat drin. Auf die Frage des Aktivisten, worum es denn dann
konkret thematisch gehen würde, da er nicht zu allen Themen was
sagen könnte, weicht Kloppstock aus. Er müsste sein Themenfeld
Rechtsextremismus erweitern, was aber kein Problem wäre. Um
genaueres zu sagen, müsste er sich aber erst nochmal einlesen und
mit Analysen befassen. Mit dem Thema Globalisierung könne man
sicher was anfangen. Allerdings müsste es dann auch um Roß und
Reiter gehen. Also auch harte Fakts wie Personenzahlen, Finanzen,
Strukturen und Gebäude. Der Aktivist solle authentische Sachen
liefern, die man nicht in der Zeitung lesen kann. Seine Aufgabe
würde einer journalistischen Recherchearbeit gleichkommen, die
bundesweit wäre. Und auch seine eigene Meinung wäre mitunter
nicht uninteressant.
Kloppstock hat Angst, immer noch zu allgemein zu sein und bringt
ein Beispiel. Interessant wäre es beispielsweise, wenn sich 100
Leute aus Deutschland zu einer Konferenz zusammenfinden. Was wird
dort besprochen und welche Ansätze werden verfolgt? Wie ernst
schätze er diese selbst ein? Auf die Frage, ob er sich eher für
die PDS oder autonome Kreise interessiere, spricht Kloppstock von
den unorganisierten Kreisen. Die PDS interessiere ihn nicht,
obwohl es nicht von Schaden für sie sei, dass sie in den VS-
Berichten auftauche.
Eines liegt Kloppstock dann noch sehr auf dem Herzen. Mit der
Polizei wolle er nicht zusammenarbeiten. Er meide die Polizei wie
der Teufel das Weihwasser. Über Kontakte des Aktivisten mit der
Polizei, gleich ob negativ oder positiv, wolle er alles wissen,
da dies entscheidend sei, um die Arbeit sicher zu machen. Bestehe
eine Art Zusammenarbeit kämen sie nicht ins Geschäft. Der
Aktivist solle sich auch keinen Kopf machen, nicht in der Lage zu
dieser Recherchearbeit zu sein. In die Lage ließe er sich ohne
Probleme versetzen, wenn der Wille da ist. Ein bisschen dürftig
wäre es nur, wenn er von seinen Hauereien mit Neonazis erzählen
würde. Die interessierten ihn weniger.
Grundsatz der Zusammenarbeit wäre absolute Vertraulichkeit. Die
Geschichte gehe nur die beiden etwas an. Weder das politische
Umfeld noch Strafverfolgungsbehörden sollten etwas mitbekommen.
Der Aktivist solle sich das nun reiflich überlegen, während er
bis zum nächsten Treffen inhaltliche und finanzielle Aspekte
abkläre. Ansonsten würde er gerne im E-Mailkontakt bleiben. Der
Aktivist entgegnet unmissverständlich sich bereits entschieden zu
haben. Die Sache wäre insgesamt nichts für ihn. Er wäre nicht der
Richtige. Leute verpfeife er nicht. Kloppstock entgegnet sehr
überrascht, der Aktivist habe ihn wohl falsch verstanden und
fragt, ob er ihn doch nochmal bei allgemeinen Fragen per Mail
kontaktieren könne. Der Aktivist willigt ein.
Beide verlassen nun den Griechen. Bevor sie sich trennen,
erkundigt sich Kloppstock noch im freundlichen Smaltalk über die
Arbeit des Aktivisten. Sie verabschieden sich nach 21/2 Stunden
Gespräch.
Am 25.09.2006 geht um 16:33 Uhr wieder eine E-Mail von Björn
Kloppstock ein. Sie ist kurz. Falls der Aktivist nochmals Zeit
und Lust hätte, würde er sich gern nochmal mit ihm treffen. Er
hätte noch einige Themen, zu denen er gern seine Meinung erfahren
würde. Er schlägt vor, sich Mittwoch oder Donnerstag der
kommenden Woche zu treffen.
Da keine Reaktion erfolgt, meldet sich Kloppstock am 04.10.2006
um 15:25 Uhr noch einmal per Mail. Er bedauert, dass der Aktivist
noch nicht reagiert habe und erkundigt sich, ob er kein Interesse
an einem weiteren Gespräch habe oder nur nicht online war.
Am Dienstag, den 10.10.2006, taucht Kloppstock gegen Mittag
unvermittelt auf der Arbeitsstelle des Aktivisten auf. Er bittet
um ein sofortiges Gespräch, welches der Aktivist allerdings aus
Zeitgründen ablehnt. Sie vereinbaren, sich zwei Tage später, am
12. Oktober 2006 um 18:00 Uhr wiederum am Kleist-Museum zu
treffen.
12.10.2006 - Das zweite Treffen
Wie besprochen findet sich der Aktivist am 12.10.2006 um 18:00
Uhr wieder vor dem Kleist-Museum ein. Noch während des
Eintreffens bemerkt er eine männliche Person mittleren Alters,
die die Umgebung nach Auffälligkeiten überprüft und dann
sinngemäß in ihr Handy spricht: "Alles klar hier unten". Der Mann
hat kurzes Haar, trägt einen Rucksack und ist am Ohr verkabelt.
Der VS hatte wiederum nichts dem Zufall überlassen.
Wenig später trifft Kloppstock zu Fuß ein. Auf die Frage des
Aktivisten, wo sie sich heute unterhalten wollen, nennt
Kloppstock wieder das griechische Restaurant "Olympia" in der
Großen Scharrnstraße. Der Aktivist schlägt für etwas Abwechslung
das indische Restaurant "Nirwana" auf derselben Straße und
ähnlich ruhig gelegen vor. Kloppstock geht darauf aber nicht ein,
offenbar weil nur das Restaurant "Olympia" durch den VS in
Augenschein genommen wurde.
Auf dem Weg zum Griechen findet Smaltalk zwischen den beiden
statt. Der Aktivist erzählt von der Frankfurter Kneipenlandschaft
und dem wirtschaftlichen Niedergang Frankfurts nach dem Zerfall
der Halbleiterindustrie. Kloppstock berichtet im Gegenzug über
das Projekt Cargo Lifter in Brand. Nach 4 Minuten sind sie im
Restaurant angekommen. Kloppstock stellt weiter im Smaltalk
Fragen zur Arbeitsstelle des Aktivisten. Die Getränke werden
bestellt. Kloppstock wählt wieder ein Wasser und einen Kaffee.
Sie unterhalten sich darüber, ob man Wasser auch aus der Leitung
trinken könne und welche Qualitätsunterschiede es dort gibt. Dann
erkundigt sich Kloppstock nach den unbeantworteten Mails. Der
Aktivist meint, nicht rechtzeitig dazu gekommen zu sein, sie zu
lesen, da er verreist war. Nun interessiert Kloppstock, wo er war
und ob er dort Verwandte oder Freunde hätte.
Der Aktivist macht Kloppstock nun deutlich, dass dieser ihn nicht
mehr auf der Arbeit besuchen solle, da das unangenehm werden
könne. Kloppstock zeigt sich äußerst verständnisvoll. Wenn sowas
sei, solle er es ihm immer gleich sagen. Zukünftig wird wieder
der diskrete Weg über E-Mail gegangen. Die Getränke werden
gebracht. Kloppstock bestellt den Kronos-Teller mit Reis. Es
folgt ein Gespräch über Vegetarier und Fleischproduktion. Die
Atmosphäre ist sehr locker.
Nach kuzem Schweigen ergreift Kloppstock das Wort. Er spielt auf
die Frage des Aktivisten bei dem Besuch Kloppstocks auf seiner
Arbeit an, wie Kloppstock auf ihn gekommen sei. Der VS'ler meint
sehr unscharf, sein Name sei im Zusammenhang mit einer
Hausbesetzung in Frankfurt (Oder) im Sommer 2005 aufgetaucht.
Dort sei er in irgendeiner Regionalzeitung gefallen, der der
Aktivist ein Interview gegeben hätte. Als dieser abstreitet in
diesem Zusammenhang ein Interview gegeben zu haben, meint
Kloppstock, es könnte auch eine Pressemitteilung oder ähnliches
gewesen sein. Ansonsten könne auch er sich nicht wirklich
erinnern, da sein Kollege das immer für ihn raussuche und ihm
dann nur die Angaben weitergebe. Kloppstock wirkt sehr unsicher
und macht viele Pausen.
Der Aktivist erkundigt sich nun noch, wie er ihn auf der Straße
beim ersten Ansprechen erkennen konnte. Hatte Kloppstock ein Bild
von ihm? Woher kam das Bild? Kloppstock wirkt weiter sehr
unsicher. Er meint, vor der Arbeitsstelle des Aktivisten gewartet
und beobachtet zu haben, wie der Aktivist abschloss. Da könne es
sich nur um ihn gehandelt haben. Sein Name wäre ja auch nicht so
weit verbreitet.
Kloppstock interessiert sich nun für die Hausbesetzung im Sommer
2005. Nach außen zeigt er sich vollkommen unwissend. Er fragt, ob
es in Frankfurt war, um welches Objekt es sich überhaupt
gehandelt habe und wer eigentlich der Eigentümer war. Auch von
der Räumung wisse er nichts, bezeichnet es dann als Schwachsinn
dazu ein SEK heranzubeordern. Er merkt an, dass es wohl auch in
Potsdam und in der Berliner Yorkstraße noch besetzte Häuser gebe,
das habe er aber nur am Rande mitbekommen.
Kloppstock wechselt das Thema. Er stellt die fast philosophische
Frage, wie Linke eigentlich zu Linken werden. Wie ist der
Aktivist eigentlich dazu gekommen sich mit Politik zu befassen?
Der Aktivist erzählt vom Geschichtsunterricht zum europäischen
Faschismus und Projekten während der Schulzeit, die sein
politisches Denken ausbildeten. Er stellt die Frage, wie sich
Kloppstocks Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus
gestaltete. Dieser erzählt, er habe es früher noch wesentlich
schlimmer empfunden als heute. Er habe noch miterlebt wie zu
Sylvester durch die Hauptstadt marschiert wurde und das Horst-
Wessel-Lied gesungen wurde. Heute würde da wenigstens
eingeschritten.
Die beiden kommen nun auf die Veränderungen, vor allem in
Hinblick auf Kleidungsstil und Auftreten innerhalb der
Neonaziszene zu sprechen, spingen dann zu den frühen Aktivitäten
des Neonazikaders und NPD-Funktionärs Jörg Hähnel in Frankfurt
(Oder), um schließlich bei unmöglichen Vergleichen zwischen dem
Islam und dem NS zu landen. Das Themenhopping geht weiter über
den Staatsbesuch Putins in Frankreich und Deutschland, moralische
Verwerflichkeiten bei einer Zusammenarbeit mit verbrecherischen
Regimen und die Außenpolitik von George W. Bush.
Kloppstock kehrt nun wieder zu seinem anfangs angeschnittenen
Thema zurück und will wissen, wie der Aktivist in die Szene kam.
Ist er einfach reingerutscht oder hat er die richtigen Leute
kennengelernt? Der Aktivist erzählt von einer Verteilaktion von
Postkarten über die Schule und von einem Überfall auf ihn und
seine Freunde durch Nazis. Da das vielen so erging, habe sich
quasi automatisch eine Art Interessengemeinschaft gebildet, da
man auf Partys und in der Freizeit immer wieder Leute traf, denen
es ähnlich erging. Kloppstock will wissen, ob man sich damals
Hilfe von außerhalb geholt habe, sich beispielsweise ausgetauscht
habe. Der Aktivist erklärt, der Antrieb entsprang eher der
eigenen Feder.
Nach einem kurzen Austausch über die Gründe für vergangene
Antifademonstrationen in Frankfurt setzt Kloppstock am Ende des
Gesprächs beim ersten Treffen an. Kloppstock stellt auf die
Aussage des Aktivisten ab, er verrate keine Leute. So wäre das
auch gar nicht gemeint. Der VS'ler fühlt sich falsch verstanden.
Er fragt, ob der Aktivist an Aktionen gegen Nazidemonstrationen
teilnehme und sich vorstellen könnte, darüber zu berichten, wer
da so redet und was da geredet wird. Und wie er das persönlich
findet, wie seine Meinung dazu ist. Auf die Nachfrage, wie das
genau aussehen könnte, kann Kloppstock nicht antworten. Wie das
konkret ablaufen könne, hätte er sich noch nicht überlegt.
Als zweites fragt er, ob es möglich wäre, Globalisierungskritik von
Links zum Nachlesen zu bekommen. Vielleicht könne der Aktivist da
ja mal was mitnehmen oder besorgen, damit er mal was Konkretes
schwarz auf weiß nachlesen kann. Der Aktivist sichert zu, die
Augen offen zu halten, zeigt sich jedoch trotzdem unzufrieden.
Kloppstock solle ihm sagen, wie ihm geholfen werden kann und was
er sich von weiteren Treffen erwarte. Ihm ginge es einfach
erstmal nur um die Meinung des Aktivisten. Eigentlich ständen
beide ja auf der gleichen Seite, der Weg wäre nur unterschiedlich
gestaltet. Und genau das interessiere ihn. Da Studien sagen, die
Jugend im Osten bestehe zu 30 % aus NPD-Sympathisanten, wäre es
interessant nach Frankfurt zu gehen und sich das mal anzuhören.
Er sehe aber auch, dass man ihm theoretisch und ganz praktisch
helfen könne. Dazu müsste man sich halt auf einen Stundenlohn
einigen. 10 Euro pro Stunde könnte man da durchaus veranlagen,
wobei er bei den Demonstrationen die An- und Abreise nicht
unbedingt in die Rechnung mit einbeziehen würde. Wenn es aber
beispielsweise um den Naziaufmarsch in Wunsiedel ginge, könnte
man wegen der Entfernung sicher über gewisse Sachen reden.
Aber das müsste Kloppstock alles erst abklären. Er sei sich auch
noch nicht im klaren darüber, was der Aktivist neben
Demoberichten zu leisten im Stande wäre. Kloppstock schlägt vor,
ein theoretischen Spiel zu spielen, in dem Gruppennamen und
ähnliches frei erfunden seien. Angenommen der Aktivist wäre
Mitglied in der Revolutionären Jugendvereinigung Frankfurt
(Oder), die sich darauf spezialisiert hat deutschlandweit etwas
auszuspionieren.
Interessant wäre nun der Eigenbau dieser Truppe, wie sie
arbeitet, ob einfach nur zum Selbstzweck gearbeitet wird, aber
sicher auch wie sie sich finanzieren, wie sie sich z.B.
Fotoapparate leisten können. Das wäre nun vielleicht schon
verhandelbar. Aber solche Informationen wären gut. Der Aktivist
solle aber wissen, das Kloppstock mit den gewonnenen
Erkenntnissen weder etwas für noch gegen ihn tun kann. Wenn er
auf Polizeibeamten Handgranaten werfe, ginge er dafür halt in den
Bau. Er wolle klar sagen, dass es ihm nicht um Straftaten gehe.
In erster Linie wäre er an einer politischen Analyse
interessiert.
Konkrete Rechercheanweisungen möchte Kloppstock erstmal nicht
geben. Er will, dass der Aktivist erstmal in Ruhe darüber
nachdenkt und sich dazu auch mehr als eine Nacht Zeit nimmt.
Kloppstock würde sich dann nochmal in einer Woche per Mail melden
und hören was er sagt. Während dessen würde er thematisches
abklären. Der Aktivist müsste sehen, dass sie mehr oder weniger
eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung hätten, die
einschätze, was bestimmte Sachen Wert sind.
Nach einem Blick auf die Uhr merkt Kloppstock an, dass es
inzwischen spät geworden sei. Während sie auf die Rechnung
warten, beginnt Kloppstock erneut einen Smaltalk über die Arbeit
des Aktivisten. Die Rechnung wird auf einem Teller gebracht und
auf dem Tisch abgelegt. Die Bediehnung geht wieder. Der Aktivist
weist Kloppstock darauf hin, dass es üblich wäre, das Geld
einfach auf den Teller zu legen und zu gehen. Dieser findet, dass
6 Euro Trinkgeld dann doch zu fett seien und wartet lieber auf
die Bedienung.
Nach der Bezahlung erkundigt sich Kloppstock im Gehen, ob der
Aktivist grundsätzlich flexibel sei, also auch reisen könne.
Kloppstock verrät noch, dass er passionierter Läufer sei. Nach
genau zwei Stunden trennen sich die beiden vor der Tür des
Restaurants "Olympia". Der Aktivist läuft in Richtung Innenstadt
und wird dabei von mindesten zwei dunklen Limousinen mit Berliner
Kennzeichen begleitet. Als sie ihn verlieren, fahren sie noch
eine längere Zeit die Karl-Marx-Straße und die Schulstraße ab.
Eine der Limousinen hat das Kennzeichen B - J 832.
02.11.2006 - Das dritte Treffen
Am Donnerstag, den 02.11.2006, treffen sich Kloppstock und der
Aktivist wie vereinbart zum dritten Gespräch. Treffpunkt ist
erneut das Frankfurter Kleist-Museum. Diesmal sieht der VS kein
Problem darin, in das schon beim letzten Treffen vorgeschlagene
Restaurant "Nirwana" am Marktplatz zu gehen. Auf den ca. 10
Minuten Fußweg dorthin findet Smalltalk statt. Nachdem sie gewählt
haben kreist das Gespräch zunächst um das Rauchen und den
Zigarettenschmuggel über die Frankfurter Stadtbrücke.
Nachdem die Bestellung aufgenommen wurde, kommt Kloppstock sofort
zum Thema. Er wäre mit seinen Abklärungen soweit durch und hat
nun noch mehrere kurze Fragen, die ihm sehr wichtig erscheinen.
Zuerst erkundigt er sich, wie alt der Aktivist sei. Dann fragt er
nach dem Schulabschluss des Aktivisten und danach, was er
jobmäßig jetzt mache, ob er als Student eingeschrieben sei oder
das vor habe. Dann will Kloppstock wissen, wie seine zukünftigen
Job-Planungen aussehen, ob er in Frankfurt (Oder) ansässig sei
und auch vor habe hier zu bleiben. Er will wissen, wie die
finanzielle Situation des Aktivisten ist, ob er Schulden habe und
wie hoch sein Einkommen ist. Letztendlich interessiert ihn auch,
ob der Aktivist liiert sei oder Single, ob er Verpflichtungen
oder sonstige Bindungen habe.
Nachdem Kloppstock mit den Fragen durch ist, berichtet er von
seinen Abklärungen. Eine Recherchearbeit des Aktivisten wäre
gewollt und Kloppstock selbst könne diese auch betreuen. Die
Arbeit würde sich auf zwei Themenfelder beziehen, wovon das eine
Globalisierung sei. Das andere Thema wäre Antifa und die
Kapitalismuskritik von deren Seite. Thematisch wolle er aber noch
nicht detaillierter werden, da für ihn noch immer unklar sei, was
genau der Aktivist leisten will und kann. Für ihn sei immernoch
schwer nachzuvollziehen, wo der Aktivist dabei sei und was er da
so machen würde.
Vom finanziellen Rahmen wäre grundsätzlich alles möglich. 400
Euro wäre so in etwa die Marke, auf die der Aktivist hoffen
könne. Nach oben wäre das aber offen. Da könne Kloppstock
Flexibilität versprechen. Wieviel es letzendlich werde, hänge von
der Arbeitszeit und dem Wert der Informationen ab. In der Praxis
laufe das unbürokratisch ab. Das Geld würde er cash bekommen. So
einmal im Monat, also nicht bei jedem Treffen der beiden.
Der Aktivist erkundigt sich noch einmal nach den
Bewertungskriterien für eine Information. Daraufhin erklärt
Kloppstock, es wären vor allem Informationen interessant, die
nicht in der Zeitung zu finden sind. Kloppstock würde im
Zweifelsfall immer etwas sauer sein, wenn er feststelle, dass der
Aktivist Informationen als eigene verkaufe, die aber nur
abgeschrieben seien. Der Aktivist solle davon ausgehen, dass
Kloppstock auch andere Sachen bekomme, wodurch er soetwas ganz
gut einschätzen könne. Neben dem Kriterium des Informationswertes
wären der Zeitaufwand und das Risiko, um an die Information zu
gelangen, wichtige Bewertungskriterien. Im großen und ganzen
müsste für 500 Euro im Monat aber schon ein bisschen viel Butter
auf den Fisch kommen, meint Kloppstock.
Auf die Frage des Aktivisten, ob politische Einschätzungen nicht
auch auf anderem Wege heraus zu bekommen wären, beispielsweise
über Veröffentlichungen der Gruppen, und der Aktivist stattdessen
wirklich Brisantes suchen solle, mahnt Kloppstock zur Vorsicht.
Ihm ginge es um den rohen Fakt, darum das ganz normale
Tagesgeschehen in den Gruppen mehr oder weniger laufend zu
erfahren. Das wäre für ihn schon brisant genug.
Der Aktivist unterbricht und fragt, ob sich Kloppstock nochmal
bei seinem Kollegen erkundigt hätte, wie sie auf seinen Namen
gekommen wären. Das wäre beim letzten Mal noch nicht genau
geklärt worden. Kloppstock erzählt, sein Kollege hätte ihm
gesagt, dass der Aktivist in einer Zeitung oder im Internet
namentlich erwähnt wurde. Darin ging es um eine Besetzung von
einer Villa und er sei namentlich als Pressesprecher oder
irgendwas erwähnt worden. Kloppstock selbst hätte es aber nicht
gelesen.
Auf die Bemerkung, Kloppstock hätte dann ja quasi jeden zum
Gespräch laden können, stimmt dieser zu, und bemerkt, dass das
der Grund wäre, erstmal unverbindliche Gespräche zu führen. Es
hätte ja auch sein können, dass der Aktivist von Aktivitäten rund
um die Hausbesetzung etwas wisse. Es habe ja auch Vorfälle dort
gegeben, bei denen vermeintliche Nazis Dresche bekommen hätten.
Darüber ist dem Aktivisten nichts bekannt. Das Thema ist beendet.
Nun wäre der Punkt gekommen, an dem der Aktivist Kloppstock mal
auf den Stand der Dinge in Frankfurt (Oder) bringen solle. Der
Aktivist erzählt vom provinziellen Hauch der Stadt und dass beim
Thema Globalisierung Frankfurt (Oder) wohl nicht das richtige
Forschungsfeld sei. Es gebe zwar Einzelpersonen wie ihn, die zu
dem Thema arbeiten. Eine Gruppe wäre ihm da aber nicht bekannt.
Vielleicht ein paar Kirchenleute wären bei dem Thema ansprechbar.
Kloppstock schreckt auf. Kirchenleute würden ihn nun überhaupt
nicht interessieren und Gewerkschaft und PDS sei für ihn kein
Thema. Sowas wolle er auch gar nicht wissen. Dies interessiere
ihn nicht die Bohne, habe ihn auch nicht zu interessieren. Er
will wissen, wo sowas - grundsätzlich gesehen - besprochen werde,
in welchen Gruppen das beredet wird und welche Kontakte der
Aktivist zu diesen Leuten habe.
Dieser entgegnet, in der Region sehe es eher mau aus. Er selbst
habe aber an einem Vorbereitungscamp zum G8-Gipfel teilgenommen
und da bekomme man natürlich einiges mit. Kloppstock will nun
wissen, ob er allein gefahren ist und ob daraus etwas entstanden
sei. Dies wäre nicht der Fall. Und gefahren sei er tatsächlich
allein, da er gar nicht aus Frankfurt (Oder) aufbrach, sondern
von einer Urlaubsreise direkt zum Camp fuhr.
Da es, wie der Aktivist meint, nicht so schwer ist an solchen
Treffen teilzunehmen, fragt Kloppstock, ob er sich soetwas
vorstellen könnte. Mehr wolle Kloppstock auch gar nicht. Das wäre
ihm schon brisant genug. Ihm wäre wichtig, dass der Aktivist
Kontakte aufbaue, um bei solchen Treffen dabei zu sein, sich das
mal anzusehen. Ihm ginge es aber nicht darum, nur den äußerlichen
Ablauf zu erfahren. Der Aktivist solle auch mal ein Gespräch
führen, um einen Eindruck zu gewinnen, was diejenigen umtreibt
und wie sie dazu kommen.
In Bezug auf Heiligendamm sei er einigermaßen auf dem Stand
erklärt Kloppstock. Er fragt den Aktivisten, ob er in Lage wäre,
einfach auf ein Dissent-Deutschland-Treffen nach XY zu fahren,
ohne dass die ihn komisch angucken würden. Als der Aktivist
erklärt, dass dies schon problematisch sein könnte, will
Kloppstock wissen, ob er an irgendwelche Mailinglisten
angeschlossen wäre. Der Aktivist verneint, meint aber, dass das
sicher kein Problem wäre.
Kloppstock fragt, inwiefern er dort Einzelpersonen aus Berlin
oder anderen Städten kenne. Dies sei ihm noch nicht ganz klar
geworden. Er fragt, ob der Aktivist, würde man mal bei Berlin
bleiben, da das ja das Näheste wäre, denn die Berliner Struktur,
was es da für Antifagruppen gibt, wie die aufgestellt sind, was
die so machen und wie sie ideologisch einordenbar wären, kenne.
Er fragt, ob der Aktivist sich da bewegen könne und das Ganze
einschätzen könne. Ob er wisse, dass "Kritik & Praxis" und die
"AANO" so ein bisschen antideutsch orientiert wären und bei der
ALB, dass es da mal 'ne Spaltung gab bei der AAB.
Das wäre dem Aktivisten nun schon bekannt. Aber konkrete Leute
würde er dort nicht kennen. Kloppstock meint, ihn würden die
Verflechtungen interessieren, wer dort wen anleite und wer was
rumschicke. Man könnte ja den Eindruck haben, dass viel
Propagandamaterial aus Berlin stamme und in Frankfurt nur
abgeladen werde. Er könne das zwar schwer einschätzen, aber hier
würde das wohl kaum hergestellt. Mobilisierungen zu bestimmten
Anlässen, wie z.B. nach Halbe würden doch in Berlin stattfinden
und von dort auch die meisten Leute fahren. Er will auch wissen,
ob so ein Blättchen wie die INTERIM in Frankfurt überhaupt
wichtig wäre.
Nun kehrt Kloppstock wieder zu dem Aktivisten zurück. Der
springende Punkt wäre für ihn immer noch, wie dessen politisches
Tagesgeschehen aussehe. Was mache man denn so den ganzen langen
Tag und in welcher Gruppe ist er aktiv. Er wolle halt nur mal
eine lebhafte Vorstellung bekommen. Das wäre ja dann
wahrscheinlich eher auf Antifa bezogen. Der Aktivist meint es
gebe im Moment kein regelmäßiges Treffen. Das werde je nach
Sachlage vereinbart.
Kloppstock will nun wissen, wie die Gruppe heiße und erhält als
Antwort "Antifa Frankfurt (Oder)". Über deren Arbeit will er mehr
wissen. Er fragt, ob sie sich mehr oder weniger regelmäßig
treffen, was es im Klartext heiße "Dinge öffentlich zu machen",
was der Aktivist dort für eine Stellung habe, ob es Hierarchieen
gäbe, ob inhaltliche Diskussionen geführt werden oder es eher
eine praktische Zusammenarbeit wäre und ob es quasi die
Heimatgruppe des Aktivisten sei. Ihm gehe es um das Zusammenspiel
in so einer Gruppe, wie so was laufe.
Nach kurzem Smaltalk über das Essen will Kloppstock nun wissen,
wie der Aktivist über die konkrete Gestaltung der Recherche
denke. Er selbst habe ja nun seine Vorstellungen geäußert. Er
wolle halt eher den überregionalen Bezug. Gleichwohl fände er so
eine regionale Gruppe, die sich vor Ort mit dem Thema Antifa
beschäftige, als Thema Nummer zwei natürlich gut. Was halte der
Aktivist so grundsätzlich davon und was würde er leisten wollen?
Wäre es für ihn vorstellbar, mal auf ein Dissent-Plenum zu gehen
und sich das anzugucken?
Der Aktivist meint, er könne sich das vorstellen, wenn er da
reinkomme. Kloppstock fragt nach, ob das auch für das, was
regional so laufe, gelte. Der Aktivist solle davon ausgehen, dass
Kloppstock mehr wisse als dieser vielleicht annimmt und
Personenprofile jetzt nicht so wichtig wären. Ihn würde
interessieren, was besprochen wird, wann man sich treffe, wer
anwesend sei und eine Einschätzung, wie realistisch das ist, was
sie machen. Auch von großen Plena solle er die Informationen in
der Form eines Ich-Erlebnisberichtes liefern. Das wäre für ihn am
einfachsten, um zu sehen wo es reiche und wo nicht und was der
Aktivist aus dem Ärmel schüttele und daher für ihn gar keine
Recherche sei.
Nun kommt Kloppstock nochmal auf den Bereich Globalisierung zu
sprechen. Finanziell könnte der Rahmen sicher nochmal durch den
G8-Bereich aufgehellt werden. Nicht uninteressant wäre es, das in
Konkurenz zu den Rechtsextremisten zu sehen. In diese Sache
müsste sich der Aktivist dann aber wohl gezielter reinhängen,
weil er das aus eigenem Antrieb nicht mache. Dazu müssten dann
Kontakte aufgebaut werden und hier und da auch mal hingefahren
werden. Ein wenig Flexibilität was die Region der Treffen dann
angeht müsste der Aktivist schon mitbringen. Die Grenzen der
Auslagen für Fahrtkosten und ähnliches wäre nach oben offen. Wenn
eine Zugfahrt nach Wien 200 Euro hin und 200 Euro zurück koste,
dann sei das eben so. Auch wenn er irgendwo übernachten müsste
oder sich verpflege sei das so. Auch Kosten für das Handy wären
Kosten, auf denen er nie sitzen bleibe. Natürlich müsse das alles
hieb- und stichfest sein. Das lasse sich ja auch überprüfen, was
das koste. Kloppstock bestellt noch einen Espresso.
Der Aktivist erkundigt sich, wie die Informationen dann
eigentlich verarbeitet werden. Kloppstock meint, er speichere
fast 50 % im Kopf und lasse die anderen in eine Lagebeschreibung,
seine normale Arbeit, einfließen. Alles werde annonymisiert sein
und er würde auch seine eigenen Formulierungen verwenden. Der
Aktivist solle davon ausgehen, dass er auch noch ein paar andere
Sachen bekomme und alles in eine große Lageanalyse, die dauerhaft
fortgeschrieben würde, mit reinsetze. Gelesen würde sowas dann im
Innenministerium. Für den Jahresbericht arbeite er nicht. Sondern
für die aktuelle, die glaubhafte Politik. Es gehe darum,
dauerhaft Input zu geben, um die Leute zu informieren und ihnen
Hintergründe zu geben, die natürlich auch Entscheidungen
beeinflussen können.
Kloppstock kehrt nochmal zur Zusammenarbeit zwischen ihm und dem
Aktivisten zurück. Er müsse sich daran gewöhnen, dass Kloppstock
eine gewisse Steuerung vornehme, dass er sage, worauf zu achten
sei oder wohin er mal fahren solle. Vom Start habe er schon eine
konkrete Vorstellung. Zunächst würden sie mal bei den regionalen
Geschichten gucken. Der Aktivist solle einfach mal benennen, wer
das hier von A bis Z beeinflusse. Quasi die fünf Ws. Er solle
über das nächste Treffen einfach mal einen Erlebnisbericht
schreiben.
Nach der Information durch den Aktivisten, da müsse er erstmal
auf das nächste Treffen warten, springt Kloppstock überraschend.
Er habe noch einen konkreten Angriff. Am 10.11.2006 finde in
Osnabrück ein Dissent-Treffen statt. Mehr wisse er auch nicht.
Vielleicht wäre es aufgrund der Kurzfristigkeit auch nicht
möglich daran teilzunehmen. Aber er fragt, ob es zukünftig
leistbar wäre, da auch mal nach Osnabrück zu fahren. Dafür wäre
dann wegen der hohen Kosten auch eine Vorfinanzierung möglich. Er
solle sich einfach mal im Internet informieren, ob dieses
konkrete Treffen für ihn als Person etwas wäre. Ob er da hin
könne und wie er dahin komme. Er solle sich ein bisschen auf den
aktuellen Stand bringen soweit das erforderlich wäre.
Kloppstock empfielt dem Aktivisten, sich innerhalb seiner
regionalen Gruppe als Spezialist für Globalisierung zu
etablieren, um so Zugang zu bekommen. Er fragt, ob es ihm möglich
wäre, einen Erlebnisbericht schriftlich zu verfassen und sicher
zu verwahren. Der Aktivist schlägt vor, dafür seinen PC zu
nutzen, worauf Kloppstock fragt, ob er den PC als Einziger nutze.
Kloppstock will nun wissen, wann das nächste Treffen seiner
Gruppe sei und wie man sich dazu verabrede. Das wäre erstmal
nicht abzusehen, meint der Aktivist. Man telefoniere dann.
Kloppstock schlägt dem Aktivisten vor, sich dann erstmal via
Internet beim Thema Globalisierung fit zu machen. Er solle dann
ruhig mal aufschreiben, wieviel Zeit er im Internet verbringe, um
das dann auch zu vergüten.
Nun wolle er noch die Handynummer des Aktivisten, um ihn auch
kurzfristig kontaktieren zu können. Er würde dem Aktivisten dann
auch seine Nummer geben. Unter Umständen würde auch mal ein
bisschen mehr anliegen und da wäre telefonische Erreichbarkeit
schon wichtig. Kloppstock würde dem Aktivisten dann auch nochmal
ganz gezielt einschlägige Termine raussuchen.
Der Aktivist macht Kloppstock wenig Hoffnung, schon am Treffen am
10.11.2006 in Osnabrück teilzunehmen. Das wäre zu spontan.
Kloppstock fragt noch, ob die Mailadresse, über der sie derzeit
kommunizieren, die einzige des Aktivisten sei, also ob er sich
damit auch bei Mailverteilern einschreibe. Als der Aktivist das
bestätigt, meint Kloppstock, das gehe so nicht. Er solle sich für
ihre Kommunikation untereinander eine völlig neue Mailadresse
zulegen und die alte nur für private Zwecke nutzen.
Der Aktivist solle einen unverfänglichen Namen wie "Birkenbaum"
oder "Glassplitter" wählen. Hotmail sei erfahrungsgemäß am
unsichersten. GMX und WEB.de seien hingegen relativ sicher. Wenn
er sich mit der neuen Mailadresse bei einem Verteiler anmelde,
solle er das Passwort dann einfach an Kloppstock weitergeben.
Mitte der kommenden Woche werde sich Kloppstock dann mal per Mail
melden. Bis dahin solle der Aktivist seine neue Mailadresse mit
Passwort an Kloppstock schicken. Zum Ende fragt Kloppstock nun
nochmal, ob soweit alles machbar wäre und ob es eine
Kritikanmerkung des Aktivisten gebe.
Nachdem Kloppstock gezahlt hat, verlassen sie nach 1 Stunde und
50 Minuten das Resataurant "NIRWANA" und gehen getrennte Wege.
Der Aktivist wird jedoch auch nach diesem Treffen beschattet.
Eine etwa 40jährige Frau läuft ihm hinterher. Erst als sich der
Aktivist nach langer Zeit umdreht und direkt auf sie zugeht,
macht auch sie sofort kehrt und verschwindet. Der Kontakt wird
abgebrochen
Am 08.11.2006 um 16:06 Uhr meldet sich der Aktivist per E-Mail
bei Kloppstock und teilt die absprachegemäß eingerichtete neue
Mailadresse mit. Er werde sich wieder melden, wenn er etwas zu
berichten habe. Schon wenige Minuten später um 17:13 Uhr
antwortet Kloppstock und hält den Aktivisten an, sich bis dahin
zum Thema Globalisierung im Netz schlau zu machen. Am 17.11.2006
meldet sich Kloppstock erneut per E-Mail bei dem Aktivisten. Er
hätte lange nichts mehr von ihm gehört und fragt, ob denn nichts
los gewesen sei. Es fällt auf, dass Kloppstock diese E-Mail mit
dem Namen "Jörn" unterschreibt.
Anfang Dezember will Kloppstock nun einen Termin für ein nächstes
Treffen vereinbaren. Hierfür benutzt er im E-Mail-Verkehr die
Namen "Björn" und "Jörn". Diesmal will sich Kloppstock jedoch
nicht in Frankfurt (Oder) treffen. Offenbar scheint ihm das zu
unsicher. Er schlägt als Treffpunkt für das nächste Treffen den
Bahnhof im ca. 30 km südlich von Frankfurt (Oder) gelegenen
Eisenhüttenstadt vor und läßt sich hiervon auch nicht abbringen.
Man vereinbart schließlich, sich am 13.12.2006 um 15:30 Uhr am
Haupteingang des Bahnhofs in Eisenhüttenstadt zu treffen. Dieser
Ort ist abermals mit Bedacht vom VS ausgewählt, handelt es sich
doch um einen sehr kleinen Bahnhof mit einem sehr überschaulichen
angrenzenden Vorplatz.
Zum vereinbarten Termin schickt Kloppstock wieder deutlich vor
der Zeit mindestens drei Personen vor, um den Ort abzusichern.
Ein Mitdreißiger mit auffallend sportlicher Figur wartet im
Inneren des Bahnhofs über eine Stunde lang vergebens auf den
Aktivisten. Der etwa 1,80 Meter große und mit einer dunklen Jacke
bekleidete VS'ler hat die Wollmütze tief ins Gesicht gezogen. Ein
zweiter, deutlich älterer und etwas dicklich wirkender Mann mit
brauner Daunenjacke hält sich direkt vor dem Bahnhof auf. Eine
dritte Person observiert den Bahnhofsvorplatz mit etwas Abstand
zum Bahnhofsgebäude. Er bewegt sich großräumig vor dem gesamten
Bahnhof. Während Kloppstock mit seinen Kollegen auch noch nach
16:00 Uhr am Bahnhof auf den Aktivisten wartet, teilt dieser ihm
per E-Mail mit, dass er an einer Zusammenarbeit nicht
interessiert ist und von Kloppstock nicht mehr kontaktiert werden
möchte.
Am nächsten Vormittag meldet sich Kloppstock dann ein letztes Mal
per E-Mail. Da die erst kürzlich eingerichtete E-Mail-Adresse
bereits wieder abgemeldet ist, benutzt er hierfür die alte
Mailadresse des Aktivisten. Er sei einigermaßen überrascht ob des
Ansinnens des Aktivisten. Natürlich akzeptiere er die
Entscheidung. Ihn würden aber nichtsdestotrotz die Hintergründe
für die ablehnende Haltung des Aktivisten interessieren.
Kloppstock verleiht seiner Hoffnung Ausdruck, nochmals von dem
Aktivisten zu hören. Vielleicht liege ja nur ein Missverständnis
vor.
[http://www.soligruppe-frankfurt.de/index.php?option=com_content&task=view&id=79&Itemid=1]
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Wollen die Menschen in M-V noch den G8-Gipfel?
20.12.2006: Heiligendam/MVr In Mecklenburg-Vorpommern ist die
Euphorie über den G8-Gipfel in Heiligendamm im Juni 2007 längst
der Ernüchterung gewichen. Als Ministerpräsident Harald
Ringstorff..
(SPD) im Dezember 2004 verkündete, das Treffen werde in dem
kleinen Ostseebad stattfinden, sah er darin eine Ehre und
Herausforderung. Inzwischen überlagert allerdings der Streit um
die Kosten, die das Land übernehmen muss, die anfängliche
Begeisterung. Mit dem Gipfel verbindet sich die Hoffnung, dass
das strukturschwache Mecklenburg-Vorpommern international
bekannter wird "Es wird ein großes Medienecho geben", betont der
Geschäftsführer des Tourismusverbands, Bernd Fischer. Der Gipfel
werde den Nordosten auf die Bildschirme der ganzen Welt bringen.
"Wir kommen aus der Provinzialität heraus." Ausländische
Touristen sollen ins Land strömen - als sprudelnde Einnahmequelle
für das ärmste deutsche Bundesland. Fachleute haben da eine ganz
andere Meinung. In Schottland wo der Gipfel 2005 stattfand,
wartet man heute noch auf eine Zunahme von Touristen. Der
Bürgermeister des Schottischen Perthshire konstatierte 1 Jahr
nach dem Gipfel, dass man außer viel Ärger und Kosten nur ein
paar Sensationstouristen im Ort hatte. Für die Region um
Perthshire hatte der Gipfel überhaupt keine nachhaltige Wirkung.
Erste Anzeichen, dass die glänzende Medaille noch eine andere
dunkle Seite hat, gab es nach dem Besuch von US-Präsident George
W. Bush in Mecklenburg-Vorpommern im Juli 2006. Auch fast ein
halbes Jahr danach ist noch immer unklar, wer die 15 Millionen
Euro für den Einsatz von tausenden Polizisten aus den anderen
Bundesländern zahlen muss. Die Landesregierung beharrt darauf,
dass die Bundesregierung Bush eingeladen hat, also auch für die
Kosten aufkommen muss. Berlin dagegen verweist auf die übliche
Zuständigkeit der Länder bei solchen Anlässen.
Völlig unklar ist die Belastung für das Land durch den G8-Gipfel.
Ringstorff hatte zunächst gesagt, das Land sei bereit, 10
Millionen Euro zu übernehmen. Er musste aber inzwischen
einräumen, dass der Nordosten von der auf 92 Millionen Euro
geschätzten Gesamtsumme einen erheblichen Teil selbst aufbringen
muss. Insider wie Kritiker befürchten, dass der Landesanteil auf
weit über 68 Millionen Euro steigen könnte - eine kaum zu
bewältigende Last für den Landeshaushalt. Der Gipfel in
Schottland 2005 hatte rund 122 Mio EUR gekostet und hatte nicht
den Sicherheitsaufwand, der in Heiligendamm geplant ist. Kaum zu
glauben, dass man in Heiligendamm mit 30 Mio EUR weniger
auskommen will, so die Meinung von Sicherheitsexperten.
Der G8-Gipfel wird wohl zum größten Polizeieinsatz in der
Geschichte Deutschlands werden. "Mir ist kein Polizeieinsatz in
ähnlicher Größenordnung bekannt", sagt der Präsident des
Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke. Das BKA rechnet mit einer
vermehrten Zahl von Straftaten im Zusammenhang mit dem
Gipfeltreffen.
Beim Bush-Besuch war nur der Hotelkomplex in Heiligendamm mit
einem Bauzaun umgeben. ZumG8-Gipfel werden die
Sicherheitsmaßnahmen ganz andere Größenordnungen erreichen. Dann
wird rund um die kleine Ortschaft, in der rund 300 Menschen
wohnen, ein Zaun von knapp 13 Kilometer Länge tief in der Erde
verankert. Die Kosten betragen 12,5 Millionen Euro. Woher die
immensen Kosten für den Zaun rühren, welches Material verwendet
wird, unterliegt der Geheimhaltung.
Bad Doberan, die Kreisstadt zu der das sechs Kilometer entfernte
Ostseebad Heiligendamm gehört, soll ebenfalls zur Festung
abgesichert werden. Für die Dauer des Gipfels werden in Doberan
umfangreiche Sicherungsmaßnahmen eingeleitet. Unter Fachleuten
heißt der entsprechende Begriff "Sicherung im hinteren Raum". Wer
dann nach Bad Doberan will, wird wohl Kontrollen wie zu DDR-
Zeiten an den Grenzen über sich ergehen lassen müssen. Nach
Einschätzung der Polizei wird Rostock zum Schwerpunkt von
Demonstrationen. Dort ist eine Großdemonstration und ein von
Rockmusiker Herbert Grönemeyer organisiertes Konzert geplant.
Nach Angaben des globalisierungskritischen Netzwerks Attac ist
während des Gipfels ein Alternativgipfel mit hochrangiger
internationaler Beteiligung vorgesehen. Menschenrechte,
Waffenexporte oder ökologische Probleme stehen auf der
Tagesordnung.
Schätzungen zufolge werden rund 100 000 Gipfel-Gegner erwartet,
möglicherweise werden es noch viel mehr. "Es ist nicht
abzuschätzen, wie viele Demonstranten aus dem Ausland kommen
werden", räumt BKA- Chef Ziercke ein. Experten gehen davon aus,
dass rund fünf Prozent der Demonstranten als gewaltbereit
einzuschätzen sind.
Ziercke zeigt sich sicher, dass es militanten G8-Gegnern nicht
gelingen wird, den Ablauf des Treffens zu stören. Dazu gehört der
Schutz des Hotelkomplexes in Heiligendamm und des Internationalen
Pressezentrums in Kühlungsborn genauso wie etwa die Sicherung der
Zufahrtswege zwischen dem Flughafen Rostock-Laage und dem rund 50
Kilometer entfernen Heiligendamm. Aus der Polizeiführung heißt es
kompromisslos: "Straßensperrungen werden nicht geduldet. Bei
Blockaden wird konsequent eingeschritten."
Linksgruppierungen und Kritiker des G8-Gipfels gehen allerdings
davon aus, dass es für die Dauer des Gipfels zu erheblichen
Einschränkung der Bürgerrechte in den umliegenden Gemeinden und
Städten wie Rostock oder Bad Doberan kommen wird. Was die Polizei
darunter versteht hatte sie am 1. Mai. 2006 in Rostock gezeigt.
Da wurde mal eben die gesamte Innenstadt abgeriegelt und jeder
Bürger, der zur Mai-Demo wollte, hatte seine liebe Mühe mit der
Polizei.
[http://www.mvregio.de/show/24762.html]
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G8 Infotour in Israel and Palestine
Ciao,
in December 2006 G8 Infotour Collective covered Israel and
Palestine with a series of lectures, workshops and meetings. Some
audiences were more with activists talking about Direct Action,
Police/ Activist Strategies etc. Other workshops were more
inspired by Popular Education focussing capitalism, globalization
and multinational institutions.
You find the full report here:
http://info.gipfelsoli.org/Newsletter/107.html
Please feel free to discuss, comment or just give a feedback.
One of the motivations to do this tour was to bring more israelian and
palestinian people to the discussion on the Israel/ Palestine conflict. Another
issue was to have infotour more international, e.g. countries outside europe.
Greetinx
Gipfelsoli Infogroup
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gipfelsoli infogruppe
Newsletter mit Nachrichten über Mobilisierungen, Debatten und
Repression im Zusammenhang mit Gipfelprotesten.
Die AutorInnen der Beiträge sind mit eckigen Klammern versehen.
Wir können leider keine Verantwortung für die Richtigkeit der
Beiträge übernehmen. Auch geben sie nicht zwangsläufig unsere
Meinung wieder.
Mehr Infos und Texte sowie ein Archiv des Newsletters unter
www.gipfelsoli.org.
Kontakt, Kritik, Beiträge: gipfelsoli [at] nadir.org
Pressearbeit: presse [at] gipfelsoli.org
Ein- und Austragen Newsletter:
https://lists.nadir.org/mailman/listinfo.cgi/gipfelsoli-l
Ein- und Austragen Presseverteiler:
https://lists.nadir.org/mailman/listinfo.cgi/gipfelsoli-presse
Newsfeed für ALLE aktuellen Nachrichten (Newsletter,
Pressemitteilungen, Repression):
http://info.gipfelsoli.org/feeds/rss2/1
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16 Mosambik-Info 42, 21.12.2006
"Peter Pils" <peter-pils at chello.at>
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Mosambik-Info 42 , 21.12.2006
KoordinierungsKreis Mosambik
Inhalt: 1. FRELIMO "Verwalter" für Beira
2. Haushaltsplan 2007
3. Sprengung des Hotels "Vier Jahreszeiten"
1. FRELIMO "Verwalter" für Beira
Die Regierung will einen FRELIMO "Verwalter" für beira benennen.
Die drittgrößte Stadt Mosambiks hat einen Bürgermeister der
RENAMO, auch im Stadtparlament hat die RENAMO die Mehrzahl der
Sitze. Die Regierung hat bereits Verwalter für zwei andere
Städte benannt, in denen die RENAMO an der Macht ist: Nacala und
die Ilha de Mocambique. Die Gesetze zu den Lokalregierungen
erlauben der Regierung, einen Repräsentanten in Städten mit
einer gewählten Verwaltung einzusetzen, der für Angelegenheiten
zuständig sein soll, die als nationale und nicht als lokale
Verantwortung angesehen werden, z.B. Bildung und Gesundheit.
Solche Repräsentanten werden jedoch lediglich in Städten, in
denen die RENAMO regiert ernannt.
Die Zeitung Notícias berichtete am 16. Dezember, dass die Stadt
Beira verkleinert werden soll, d.h. "ländlichere" Teile Beiras
sollen vom Stadtbereich administrativ abgetrennt und zu neuen
eigenen Distrikten ernannt werden. Hier könnte die FRELIMO-
Regierung dann wieder eigene Administratoren ernennen.
und administrativ. Das Parlament hat im November einstimmig einer
Gesetzesvorlage zur Einführung von direkt gewählten
Provinzparlamenten zugestimmt. Die Vorlage war Teil eines Pakets
von Verfassungsänderungen. Die Provinzparlamente werden auf der
Grundlage der neuen Gesetze keine großen Entscheidungsbefugnisse
haben. Ihre Rolle ist die Billigung des Programms der
Provinzregierung und die Überwachung der Umsetzung und der
Mittelverwendung. Die Gouverneure und die Mitglieder der Provinz-
und Distriktregierung werden weiterhin von der Zentralregierung
eingesetzt. Darin liegt einiges Konfliktpotenzial. Wenn zum
Beispiel die RENAMO in Zambézia und Sofala, wie in den Wahlen
2004, die Mehrheit bei den Provinzwahlen gewinnen würde, stünden
eine FRELIMO-Provinzregierung und ein RENAMO-dominiertes
Provinzparlament einander gegenüber. Trotz ihrer geringen
Machtbefugnisse werden die Provinzparlamente als ein wichtiger
Schritt im Rahmen der Dezentralisierung angesehen.
In der Praxis wird die hauptsächliche Macht der Provinzparlamente
informeller Natur sein: Sie können lokale Ideen und Meinungen
publik machen, Regierungshandeln beobachten und gegebenenfalls
anprangern; sie sollen eine große Bandbreite an Aktivitäten der
Regierung überwachen, auch die Implementierung von Programmen
und die Einhaltung von Verträgen. Kommissionen können
Regierungsvertreter vorladen, Experten anheuern und haben
Zugriff auf vertrauliche Regierungsdokumente.
Grundlage für die Provinzparlamente werden Distriktlisten sein.
Dies könnte Gemeindevertretern eine echte Stimme in der
Provinzvertretung verschaffen, auch weil die auf nationaler
Ebene gültige 5% Regelung auf die Provinzparlamente nicht
angewandt wird. Zwar werden die Wahlen auch in den Provinzen
anhand der Parteilisten durchgeführt, aber es gibt für jeden
Distrikt eigene Listen.
Die Verfassung legt fest, dass die Wahlen zu den
Provinzparlamenten vor Februar 2008 stattfinden müssen. Bislang
ist jedoch unklar, wie die Wahlen, die circa 27 Millionen USD
kosten würden, finanziert werden sollen. Wahlen im Land hängen
stark von der Unterstützung internationaler Geldgeber ab.
Bislang hat sich jedoch kein Geldgeber zur Unterstützung der
Provinzwahlen bereit gefunden. Da für das Jahr 2008
Gemeindewahlen und für das Jahr 2009 Präsidentschafts- und
nationale Parlamentswahlen angesetzt sind, wäre es nahe liegend,
die Provinzwahlen zusammen mit anderen Wahlen durchzuführen, um
Mittel zu sparen.
2. Haushaltsplan 2007
Die mosambikanische Regierung hat am 13. Dezember dem Parlament
den Haushaltsplan 2007 vorgelegt. Wie in früheren Jahren ist
der Haushalt stark von außen finanziert. Von den insgesamt 2,8
Milliarden USD des Gesamthaushalts wird mehr als die Hälfte (1,6
Milliarden USD) über offizielle Entwicklungshilfegelder
finanziert.
Die Staatseinnahmen im Land selbst werden auf lediglich 1,2
Milliarden USD geschätzt. Für Erziehung sind 22% des Haushalts
vorgesehen, für Gesundheit 12,4%. Auf Schuldendienste werden
87.000.000 USD beanspruchen, eine Erhöhung um 20.000.000 USD im
Vergleich zum Jahr 2006. Im Jahr 2007 sollen über 18.000 neue
Staatsbedienstete eingestellt werden, vor allem Lehrer (über
10.000), Krankenpfleger (fast 3.000) und Polizisten (2.000).
Die Distriktfonds sollen fortgesetzt werden. Allerdings soll im kommenden
Jahr nicht allen Distrikten dieselbe Summe ausgezahlt werden. Differenziert
werden soll in Zukunft abhängig von der Distriktgröße, der Einwohnerzahl und
dem Armutsniveau der Bevölkerung.
3. Sprengung des Hotels "Vier Jahreszeiten"
Der 25-stöckige Rohbau des Hotels "Vier Jahreszeiten", der seit
Jahrzehnten das Stadtbild Maputos in der Nähe des Strandes und
des Clube Marítimo prägt, soll im Februar gesprengt werden.
Portugiesische Unternehmen hatten den Bau des Hotels 1975 mit
der mosambikanischen Unabhängigkeit abgebrochen. Es gab mehrere
fehlgeschlagene Versuche, das Gebäude fertig zu stellen.
Mindestens einer diese Anläufe war von Korruption geprägt. Nun
wurde entschieden, das Gebäude zu sprengen. Zwei Drittel des
Grundstücks sollen für den Neubau der US-Botschaft genutzt
werden, ein Drittel soll kommerziell genutzt werden.
Quellen: Mozambique political process bulletin, AIM
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17 ASt - Venezuela: Chavez gewinnt zum dritten Mal und verspricht eine
"Sozialistische Revolution"
ASt-LFI <ast-lfi at gmx.net>
==================================================
Venezuela:
Chavez gewinnt zum dritten Mal und verspricht eine
'Sozialistische Revolution'
(aus: Red Newsletter Nr. 249; Informationsdienst des
ArbeiterInnenstandpunkt, 22. Dezember 2006,
www.arbeiterInnenstandpunkt.net)
Hugo Chavez hat am 6.Dezember zum dritten Mal eine
Präsidentschaftswahl in Venezuela mit 62,89% gegen 36,85%
Stimmenanteil gegen seinen rechten Herausforderer Manuel Rosales
gewonnen. Er wollte 10 Millionen Stimmen, bekam aber nur über 7
Millionen bei einer gewachsenen Wahlbeteiligung von 74,87%.
Dennoch konnte er seine Popularität steigern.
Die Rechten in Venezuela und im Weißen Haus verhielten sich
ziemlich kleinlaut nach diesem Wahlergebnis. Die geplante
'orangene Revolution' nach ukrainischem Muster mit dem Vorwurf
der Wahlmanipulation kam zu keiner Zeit in Gang. Tausende von
T-Shirts mit dem Aufdruck 'Betrug' wurden schon vor den Wahlen
hergestellt. Aber die Pläne der Rechten für eine solche Kampagne
wurden von den Massen auf den Straßen und vor den Wahllokalen
durchkreuzt, wo der Ohren betäubende Ruf "Uh, ah, Chavez bleibt
da" ertönte.
Chavez Wiederwahl ist ein weiterer schwerer Schlag für Washington
und seine bedrängten Neokonservativen. Er ist der öffentlichste
und radikalste linkspopulistische Präsident in Lateinamerika,
einem Erdteil mit nunmehr einer Reihe von Regierungen, die den
USA nicht recht sein können. Das am wenigsten beunruhigende
Ereignis war die Wiederwahl von Inacio Lula da Silva in Brasilien
am 29.Oktober. Der Wahlsieg von Daniel Ortega am 7. November in
Nikaragua löste eher wegen seiner revolutionären Vergangenheit
als wegen seiner reformistischen Plattform Besorgnis aus. Einen
ernsthafteren Triumph des Chavismus hingegen war der Erfolg von
Rafael Correa in Ekuador am 26.November.
Die USA haben versucht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Der
stellvertretende Lateinamerika-Minister Thomas Shannon sagte:
"Wir wünschen kein Verhältnis der Konfrontation (mit Venezuela).
Wir waren immer bemüht, den Dialog mit Präsident Chavez zu
vertiefen (und hoffen) dass er ein größeres Interesse daran hat."
Aber die drei Versuche, Chavez mit Hilfe des CIA aus dem Amt zu
entfernen, sind noch nicht vergessen.
Chavez hat jedenfalls keine Friedenszeichen in Richtung Bush
gegeben.
"Heute haben wir den Imperialisten eine weitere Lehre in Sachen
Würde erteilt. Es ist eine neue Niederlage für das Reich des
'Mister Danger', eine neue Niederlage für den Teufel. Wir werden
niemals wieder zur Kolonie der USA. Lang lebe die sozialistische
Revolution (...) das Ziel steht fest: Sozialismus ist menschlich.
Sozialismus ist Liebe."
Bei der amtlichen Eintragung sagte er: "Die für mich gestimmt
haben, haben nicht für mich gestimmt, sie haben für ein
sozialistisches Vorhaben zum Aufbau eines grundlegend anderen
Venezuela gestimmt."
Zum ersten Mal verkündete Chavez seine Orientierung auf den
Aufbau eines 'Sozialismus des 21. Jahrhunderts' auf dem 5.
Weltsozialforum am 30.Januar 2005. Dort sagte er: "Wir haben die
Verpflichtung übernommen, die bolivarische Revolution hin zum
Sozialismus zu lenken - einem neuen Sozialismus, einem
Sozialismus des 21. Jahrhunderts, der auf Solidarität,
Brüderlichkeit, Liebe, Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit
beruht."
All dies wird zweifelsohne in der Arbeiterschaft die Erwartungen
an Chavez steigern. Er kann zwar behaupten, er führe eine
sozialistische Revolution durch, aber die Wirklichkeit seines
Programms wiegt stärker als seine Worte. Chavez hat sich darauf
beschränkt, einen großen Teil der Öleinkünfte für die
Verbesserung der Lebenshaltung der ärmsten BewohnerInnen
Venezuelas auszugeben. Das unterscheidet ihn deutlich von seinen
Vorgängern, die das Land im Interesse einer überreichen Elite und
ihrer nordamerikanischen imperialistischen Herren ausplünderten.
Es unterscheidet ihn auch von 'Sozialisten' wie Lula, der die
Stimmen der ArbeiterInnen und Armen gebraucht hat, um an die
Regierung zu gelangen, und diese nun missbraucht für kleine
Almosen an die Wähler und große Rückzahlungen an den
imperialistischen Internationalen Währungsfonds.
Im Gesundheitswesen und im Schulwesen, im Wohnungswesen und bei
der Infrastruktur der Elendsviertel von Caracas sowie beim
Eingreifen gegen Fabrikstilllegungen hat Chavez beträchtliche
Erfolge erzielt. Deshalb verdient er die aktivste Unterstützung,
wenn er Maßnahmen gegen die Blutsauger der alten Herrscherschicht
ergreift. Doch er hat bislang die Besitzrechte der Reichen noch
unangetastet gelassen und auch versprochen, dass dies so bleibt.
Auf internationalen Foren und Treffen mit führenden
Geschäftsleuten hat Chavez geschworen, das Privateigentum zu
achten. Er versucht, die Ängste der Mittel- und Oberschichten zu
zerstreuen - aber sie hassen ihn trotzdem, weil Chavez die
Kontrolle des Staates den Händen ihrer korrupten Politiker
entwunden hat. Ihr Hass auf Chavez ist Klassenhass, durchtränkt
mit Rassismus, weil die Ärmsten und Ausgebeutetsten - speziell
die indigene Bevölkerung - sich mit ihm identifizieren und ihn
als ihren Führer ansehen.
Gefahren
Die soziale Basis für einen Putsch in Venezuela, der von den USA
unterstützt würde, existiert noch, selbst wenn die Rechte im
Augenblick entmutigt und desorientiert ist. Sie verfügt über
andere Mittel, als Siege in einer freien und fairen Wahl, um
Chavez zu stürzen. Obwohl dieser die Massen in einer Reihe von
bolivarischen Formationen organisiert hat, über bewaffnete Trupps
seiner AnhängerInnen verfügt und sich auf einen Teil der Armee,
teils sogar auf den "patriotischen" Teil seines Offizierskorps
zur Zeit verlassen kann, besteht der alte bürgerliche
Staatsapparat in Venezuela weiter.
Es besteht eine merkwürdige Doppelgleisigkeit, eine Form von
Doppelmacht: die alte Offizierskaste und Staatsbürokratie, die
immer noch fette Einkommen einstreichen, existieren neben den
neuen bolivarischen Missiones und Massenorganisationen.
Solange der Ölpreis hoch bleibt und die venezolanische Wirtschaft
boomt, wie das augenblicklich in der gesamten
lateinamerikanischen Wirtschaft der Fall ist, kann dies